Kolumne „Auf dem Prüfstand“


Mathias PriebeUnser Autor

Mathias Priebe ist Marketing- und Medien-Profi,
der sich hier kritisch mit TAGEBLATT-Beiträgen und
der Lokalpolitik auseinandersetzt.

 

06.10.2012 17:19 (Kommentare: 0)

Löbliches aus Löbau

Warum die Kirschen aus Nachbars Garten auch bei uns gedeihen sollten.

Endspurt für die Landesgartenschau in Löbau: Sie haben noch eine Woche Gelegenheit, den Besuch nachzuholen oder zum Schluss herbstliche Eindrücke auf der Dauerkarte zu verbuchen. Offensichtlich hat sich's gelohnt. Am Ende werden es wohl eine halbe Million Besucher gewesen sein - das kann sich sehen lassen.

Reisebusse aus dem Westen! Das schaffen auch im Jahr 22 der Einheit nur sehr wenige Städte im angeschlossenen Osten. Ein deutsch-deutscher Marketing-Kniff hat dabei geholfen: Wer eine Dauerkarte für Löbau kaufte, kam den ganzen Sommer lang auch in die bayerische Schau in Bamberg 'rein - und umgekehrt. Selbstverständlich sind solche Ideen nicht. Gärtner und Kommunalpolitiker stehen nicht gerade in dem Ruf, einen über die Buchsbaumhecke hinaus erweiterten Horizont zu haben. Wie gut, wenn ein Klischee mal nicht zutrifft. Der Umkehrschluss ("alle Politiker denken weiter") ist nur leider auch nicht richtig.

Löbau hat bei mir einen schweren Stand, genau wie Eggesin im Norden bei anderen ehemaligen NVA-Soldaten. Wer bei minus 15 Grad nachts halb drei seinen Anschlusszug nach Zittau verpasst und in diesen idiotischen Halbschuhen stundenlang Furchen in den Bahnsteig getreten hat, wird mit solch einer Stadt nicht so schnell wieder warm. Da halfen auch gelegentliche Reporterbesuche nach 1990 wenig. Im Gegenteil. Die galten meist irgendeiner Fabrikschließung. Meine erste Gartenschau hatte ich 1995 zur BUGA in Cottbus, und auch wenn ich Geranien und Petunien für Spießerkraut halte, ahnte ich damals bereits, dass in ihnen eine besondere Kraft steckt. Allen Unkenrufen zum Trotz (auch meinen eigenen) besteht der Spreeauenpark nach wie vor.

Schon zur Halbzeit im Juli nannte die Sächsische Zeitung den Ansturm auf die Landesgartenschau "Das Wunder von Löbau". Eine vergleichsweise unspektakuläre, dafür aber glaubwürdige Veranstaltung haben wir erlebt. Dazu ist ein jederzeit publikumsgerechtes Programm auf die Beine gestellt worden. Nichts Überkanditeltes: Duo Herzblatt, Löbauer Bergmusikanten, Höhenfeuerwerk - Herz, was willst du mehr? Nun kommt noch Leo Rojas, der Luca Hänni der Panflöte, und bläst am 14. Oktober der Gartenschau das Licht aus.

Fast noch erstaunlicher als die Besucherzahlen (neulich waren es 444444) ist die Aussage von Bürgermeister Dietmar Buchholz, dass sich die Landesgartenschau sogar gerechnet hat. Davon wagt man bei solchen Projekten kaum zu träumen. Wenn es stimmt, wird er sich bald neugierige Fragen anhören müssen. Die Bürgermeister im Städtekonvent der Oberlausitz wird das interessieren. Aus meiner Arbeit im Seenland weiß ich, dass es hier ähnliche Ideen gibt: eine gemeinsame Landesgartenschau von Sachsen und Brandenburg im Lausitzer Seenland wünschen sich die Touristiker. Klingt gut. Umgraben müssen wir von Löbau nicht lernen, darin sind wir selber Weltmeister. Dafür etwas anderes: welchen Dünger es braucht, der eine solche Saat aufgehen lässt. Was die Landesgartenschau vorangebracht hat, war die Zusammenarbeit aller Akteure von Arbeitsagentur bis Musikschule. Da können wir uns was abgucken in Nachbars Garten.

 


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