Kolumne „Auf dem Prüfstand“


Mathias PriebeUnser Autor

Mathias Priebe ist Marketing- und Medien-Profi,
der sich hier kritisch mit TAGEBLATT-Beiträgen und
der Lokalpolitik auseinandersetzt.

 

07.04.2012 15:00 (Kommentare: 0)

Kuckucksei und Krokuswiese

Warum das Quartier am Zoo Hoyerswerda so sensibel ist.

Die Krokuswiese vor dem Zoo ist jedem in Hoyerswerda ein Begriff. Vielleicht dient sie morgen einigen Familien als Versteck für Ostereier. Nur hin! Solange es noch geht.

Was auf diesem Areal gebaut werden soll, ist ein städtebauliches Kuckucksei. Ganz gleich, wer es gelegt hat, ich würde in meinem Nest nicht zulassen, was da ausgebrütet wird. Der Gastbeitrag von Architekt Mike Meder am Mittwoch hat hoffentlich nicht nur mir die Augen geöffnet. Die sachliche Argumentation des Fachmanns gehört in jede Sitzungsmappe unserer Stadträte.

Es tut gut, dass mal nicht über die Krokuswiese gejammert wird. Die Zwiebeln lassen sich ausbuddeln und so vermehren, dass sämtliche Brachen der Neustadt hundertfachen Ersatz bieten. Interessanter ist, wie Architektur und Lebensgefühl einer Stadt zusammenhängen. Deshalb ist Herrn Meders Appell richtig: Keine Ausnahmen von der Gestaltungssatzung!

Worauf es ankommt, ist nicht die Einhaltung von Verwaltungsvorschriften. Es zählt auch nicht, wie im Stadtrat abgestimmt wird. Selbst die Zahl von Wortmeldungen von eher beteiligungsresistenten Einwohnern ist irrelevant. Die Frage, die wir uns stellen müssen, lautet: Wollen wir das fertige Objekt die nächsten Jahrzehnte ertragen? Ist ein Supermarkt, der aussieht wie ein Supermarkt, an diesem Ort erstrebenswert?

Argumentiert wird gern mit "Wirtschaftlichkeit". Das moderne Totschlag-Argument bezeichnet eigentlich sehr kurzfristige finanzielle Interessen. Gute Architektur haben die noch nirgends hervorgebracht. Ich empfehle jedenfalls, den Blick zu weiten. Schaut auf die nächsten 30 bis 50 Jahre und auf die Stadt als Ganzes! Das ist übrigens der Horizont, über den Stadträte und Stadtplaner mindestens verfügen sollten.

Hinter der Diskussion um einzelne Flächen steckt etwas anderes: Wir haben keinen Plan! Natürlich gibt es einen Haufen Blaupausen, Bebauungspläne, Satzungen. Viel zu viele! Aber ist das gleichbedeutend mit einer Vorstellung von der Zukunft? Plattmachen statt Platte machen war jahrelang das Motto in der Neustadt. In der Altstadt läuft das Spiel nun umgekehrt. Während auf der einen Seite der Schwarzen Elster der Abriss zum Geschäftsmodell der Großvermieter geworden ist, geht es nun um Zu-Pflastern im Namen der Haushaltskonsolidierung.

Und was ist das Ergebnis? Es gibt immer noch keine städtebauliche Verbindung zwischen Alt- und Neustadt. Darin liegt die eigentliche Herausforderung für Architekten. Ist den Verkehrsplanern in der Stadt eigentlich mal aufgefallen, dass die wichtigste Route zwischen Alt- und Neustadt ausgerechnet die Einsteinstraße ist? Von diesem Nadelöhr hüpft man über die Bautzener Straße Richtung Zoo. Allein diese "Verbindungsachse" macht erlebbar, was ich meine.

Folgender Vorschlag: Es ist üblich, Persönlichkeiten einer Stadt später Straßennamen zu widmen. Wir könnten das in Hoyerswerda mit Gebäuden und Plätzen machen, die ihre Gestalt bestimmten Menschen zu verdanken haben. Dietmar-Wolf-Markt oder Stefan-Skora-Brache wären nur Beispiele.

 

 

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