Kolumne „Auf dem Prüfstand“


Mathias PriebeUnser Autor

Mathias Priebe ist Marketing- und Medien-Profi,
der sich hier kritisch mit TAGEBLATT-Beiträgen und
der Lokalpolitik auseinandersetzt.

 

05.05.2012 15:00 (Kommentare: 0)

Jägerlatein und Amtsdeutsch

Seit einem Jahr gibt es diese Kolumne. Der Wolf führt vor dem Amtsschimmel.

Beim Hexenfeuer bin ich gefragt worden, woher ich meine Ideen für diese Kolumne nehme. Aus der Zeitung. Und ich staune selbst, dass ein ganzes Jahr vergangen ist. In dieser Zeit wurden Brunnen und Warenhäuser gerettet, Nummernschilder wiederbelebt, Bahnhöfe geschlossen und Klos eröffnet.

Einige Themen sind serienreif. Erst vorgestern waren die Wölfe wieder drin. Die Petition eingefleischter Naturschützer beziehungsweise einer Rotte Waldbesitzer werde ich auch unterschreiben. Aber nur für einen Hirschschinken! Alles hat seinen Preis.

Wenn es Satire sein sollte - Hut ab! Harald Schmidt hätte mit Hilfe seiner nun arbeitslosen Gagschreiber keinen lustigeren Text gebracht. Hier zwei Zitate: "Anhand der vorgelegten Rehgehörne kann man sagen, dass Rehwild stark zurückgegangen ist." Man könnte auch behaupten, die Jäger hätten im Suff danebengeschossen oder wären auf dem Hochsitz mit der Frau vom Revierförster beschäftigt gewesen. Trophäen sind vielfältig.

Ein weiteres Bonbon: "Am Wegesrand angepflockte Schafe, über Jahrzehnte ein Bild ländlicher Idylle, sind kaum noch zu sehen." Gemeint sind die schreckhaften Viecher, die sich an der Kette selbst aufhängen, wenn man vorüberradelt. Ein "Stück Kulturgut" gehe damit verloren. Kulturen ändern sich. Die Hexen, die wir auf unseren Scheiterhaufen anpflocken, sind auch nicht mehr echt. Dabei haben sie ebenso oft Kinder in den Wald gelockt wie die Wölfe. Das glauben Sie nicht? Ich hab das schwarz auf weiß und auf Schallplatte! Knusperknusperknäuschen...

Die aufgescheuchten Jäger kann ich sogar verstehen. Es ist blöd, stundenlang auf Ansitz zu bibbern, wenn ein Reh kaum 50 Euro bringt und der Jeep 18 Liter frisst. Der Wolf bringt die Nebeneinkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, Anlage L Einkommensteuererklärung, durcheinander. Das ist so. Weil es so ist, darf man das auch schreiben und muss keine Kreide fressen oder irgendetwas von Naturschutz faseln.

In der Kommunalpolitik führt natürlich Hoyerswerda meine Themenliste an. Aktuell sind es die Planungen für das Quartier am Zoo. Einerseits lesen wir von "ersten Planungen" und anderseits sind Bäume längst gefällt. Auch die Zeichnungen vermitteln nicht den Eindruck, als ließe sich noch etwas ändern. Am Tor zur Altstadt wird ein Supermarkt entstehen, bei dessen Anblick wir uns nach der Brache sehnen werden. "Hoyerswerda ist nicht Dresden. Wir machen das, was geht." Mit diesen Worten zitiert TAGEBLATT den Projektentwickler Norbert Meckel. Und wenn es hässlich wird, dann ist es genau das, was euch zusteht. Klingt das nur für mich so?

Häufiger als alle anderen Gemeinden im Umland von Hoyerswerda schafft es Lohsa in die Kolumne. Diesmal eine kurze Anmerkung zur Legebatterie am Scheibesee. Vier Arbeitsplätze bringt die Eierfabrik, für die Bürgermeister Udo Witschas persönlich "Put, put, put..." beim Investor gemacht hat. Die Nachbarn in Burg, mit denen ich in den Mai gefeiert habe, sind darüber nicht amüsiert. So gräbt man sich im Lausitzer Seenland schon jetzt gegenseitig das Wasser ab. Da bleibt noch Stoff für ein paar Wochenenden.

 

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