Kolumne „Auf dem Prüfstand“


Mathias PriebeUnser Autor

Mathias Priebe ist Marketing- und Medien-Profi,
der sich hier kritisch mit TAGEBLATT-Beiträgen und
der Lokalpolitik auseinandersetzt.

 

01.12.2012 09:20 (Kommentare: 0)

Inglorious Braunbär'n

Wie doch noch alles gut wird in Hoyerswerda

Fangen wir beim Wetter an. Das ist kritikwürdig. Hat Ihre Zeitung am Donnerstag darunter auch so gelitten? Triefnass klebte sie im Briefkasten. Der Nordwind hatte reichlich Wasser durch den Schlitz gepresst. Nur mit Müh und Not konnte ich sie retten. Man liest so viel von Zeitungssterben dieser Tage, aber gerade diese Ausgabe hatte das ganz und gar nicht verdient.

Zu allen drei Themen war etwas drin: Zooquartier, Haushaltskonsolidingsbums und Nazis. Beim Zooquartier sprechen wir uns wieder, wenn die Krokusse blühen. Bis dahin wird allen Beteiligten schon etwas einfallen, wie sie uns weiter damit unterhalten können. Vogelschützer, Denkmalpfleger und Rechtsaufsicht sind gegen den Bau bemüht worden, aber noch hält die Einheitsfront der Befürworter im Stadtrat. Ob Nudisten oder Numismatiker sie durchbrechen werden? Was die Nackten und die Münzsammler damit zu tun haben? Weiß ich doch nicht. Aber genau das spricht dafür, dass sie nicht ausreichend gehört wurden!

Wie wäre es mit einem besonderen Adventskalender? Jeden weiteren Zeitungstag bis Weihnachten erklären ein bis zwei Stadträte im sogenannten „Leserkeller“ – so wird Ihr schräg gedruckter Platz für Briefe an die Zeitung intern genannt – warum sie für oder gegen Aldi & Co am Zoo sind. Das sind - inklusive NPD - 30 Texte, die bestimmt mal lustig und mal spannend zu lesen sein werden.

Nun zur Einnahme-Defizitrechnung der Stadt. Hier habe ich eine Bitte: Fügt bestimmten Interviews einen Bürgermeisterkeller hinzu! Was genau sind „unabweisbare Aufgaben“ oder „Schlüsselzuweisungen“? Hier braucht es Fußnoten. Vielleicht ist das aber bald hinfällig, wenn wir unsere Probleme mit den Rechten lösen. Und ich sage: Mit ihnen! Nicht, dass ich mehr als einen von denen im Stadtrat begrüßen würde, aber der OB sprach von kreativen Ideen beim Haushalt. Das Tageblatt zeigte seine kreative Ader, als es den Einmarsch eines(!) Bürgerpolizisten mit einer Armada berittener Polizisten vor dem Schloss archivweise illustrierte. Man hätte die arme Sau auch allein vor einem Hochhaus fotografieren können. Aber das wäre zu realistisch, und für Sie zu wenig Sicherheit ausstrahlend gewesen. Also darf ich auch mal kreativ sein.

Folgen Sie mir gedanklich in den Zoo! Dort haben wir alles, was wir brauchen. Solange nämlich die Braunbären nicht umziehen, könnten wir die zwei Dutzend polizeibekannten Braunen vorerst Probewohnen lassen. Zur Eröffnung des Projektes „Hoyerswerda schlägt zurück“ laden wir Bernd Merbitz, Sachsens „Inglorious Basterd“ ein. Der bisweilen unrühmliche oberste Nazijäger würdigt Glaser und Elektriker, die für Panzerglas und Elektrozaun ihr Handwerk in den Dienst der Gesellschaft gestellt haben. Er redet gern vor Kameras. Und der MDR muss ihn nicht wieder am Leipziger Schreibtisch zu Ereignissen in Hoyerswerdaer Treppenhäusern fragen.

Die Weltpresse - jene über Tageblatt und MDR - wird das sicher bestaunen. Ich höre förmlich die Zookasse klingeln. Weit gereister Gast: „Wo geht’s zu den Nazis?“ Kassiererin: „Gleich da vorn – rechts!“ Man muss seine Exportschlager nur richtig vermarkten.

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