Kolumne „Auf dem Prüfstand“


Mathias PriebeUnser Autor

Mathias Priebe ist Marketing- und Medien-Profi,
der sich hier kritisch mit TAGEBLATT-Beiträgen und
der Lokalpolitik auseinandersetzt.

 

08.09.2012 17:55 (Kommentare: 0)

Hausaufgabe übers Wochenende

Setze die fehlenden Variablen ein.

Sechsmal Mähen muss reichen. In Trauerkleidung zur Kultur-Finanzsitzung. Wer küsst das Freibad Lohsa aus dem Schlaf? Das sind drei Überschriften dieser Woche, die sich auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner bringen lassen: Es fehlt Geld. Nenner ist, was unter dem Strich steht und woran sich unsere Kinder seit dieser Woche wieder einen Bruch rechnen. Variablen sind noch furchtbarer. Ab drei Stück davon verlieren wir den Überblick. Folgen Sie mir in eine Ableitung aus genannten Themen!

Mal angenommen, der Freistaat Sachsen würde eine großzügige Grünflächenpflegeförderrichtlinie verabschieden - sagen wir mit 20 Millionen Euro. Was wäre der Effekt? Ich bin mir sicher, der Rasen würde im Ergebnis nur noch drei Mal im Jahr gemäht werden. Sämtliche Gemeinden in Sachsen würden zunächst Anträge auf neue Rasentraktoren stellen. So richtig fette Kubotas zum drauf Sitzen, deren Bewilligung und Ankunft die Lokalzeitungen dann feiern dürften. Die Flotte kommunaler Motormäher würde sich schlagartig verdoppeln.

Moment mal? Könnte man damit nicht doppelt so oft mähen? Man könnte. Allerdings fördern solche Programme meist nur die Anschaffung und weder den Rasenpiloten noch das gute Superbenzin, die Kompostierung oder den plötzlich notwendigen Garagenneubau. Da sich trotz des Fördermittelbescheids an den laufenden Einnahmen nichts ändert, führt das über kurz oder lang zur Stilllegung.

Genau so ist das beim Freibad Lohsa gelaufen. Übrigens auch beim Waldbad Zeißig, falls sich daran noch jemand erinnert, oder beim Sportforum Hoyerswerda. Hier war es sogar so, dass niemand an den Rasenmäher gedacht hat. Auch nicht an die Folgekosten, die selbst Kunstrasen verursacht, wenn er sich unter den Stollen der D-Jugend irgendwann doch zum Pflegefall entwickelt.

Wenn ich irgendwo Fördermittel kriegen kann, dann hole ich mir so viel wie möglich davon. Koste es, was es wolle. Lokalchef Uwe Schulz hat es beim Kulturraum richtig kommentiert diese Woche. Es sind zu viele Menschen zu sehr damit beschäftigt, die Förderkröten für die nächsten Monate zusammenzutragen. Zur eigentlichen Arbeit kommen sie so gar nicht erst. Es hat noch andere Effekte.

Zurück zur Textaufgabe. Was denken Sie machen Spezialanbieter von Rasenequipment, wenn sie von der Förderfähigkeit ihrer Käufer erfahren? Die Preise senken oder die Gunst der Stunde nutzen? Ein erfahrener Hase in der Verwaltung wird jetzt einwenden, dass man doch ausschreiben und Angebote vergleichen würde. Ja, Hasi! Nur wird dabei übersehen, dass euch das Messer und die Zündkerzen als Extra untergejubelt werden - nachdem der Zuschlag gegeben wurde.

Die vergessenen Variablen bei vielen geförderten Projekten heißen: Einnahmen, laufende Kosten, Folgen der Entscheidung in der Zukunft. Wir diskutieren hier nichts weiter als die Formel für Nachhaltigkeit, zu der wir alternative Varianten noch ergänzen müssen. Beim Rasenmähen gab’s früher mal eine beliebte, vollökologische Alternative, die immer „Mäh“ gemacht hat. Schon drauf gekommen? Fängt mit „Sch“ an und hört mit „af“ auf.

 


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