Kolumne „Auf dem Prüfstand“


Mathias PriebeUnser Autor

Mathias Priebe ist Marketing- und Medien-Profi,
der sich hier kritisch mit TAGEBLATT-Beiträgen und
der Lokalpolitik auseinandersetzt.

 

02.03.2013 15:00 (Kommentare: 0)

Habemus Punkband!

Die Toten Hosen sind die Stars des Seenland-Festivals. Und was ist mit Heino?

Im örtlichen Konklave ist am Dienstag weißer Rauch aufgestiegen. Der Stadtrat erfuhr den Namen zuerst. Die Toten Hosen kommen! Camping mit Campino im Lausitzer Seenland. Dagegen ist die Besetzung des Stellvertreterpostens „im Auftrag des Herrn“ im Vatikan nichts! Wozu die Gänsefüßchen? Das sind Liedzeilen der Punkband. Wir haben sie! „An Tagen wie diesen, wünscht man sich Unendlichkeit“, und ich habe mal Gelegenheit, über den deutschen Schlager zu schreiben, worum ich gebeten wurde.

Es wird überwiegend deutsch gesungen. Die Fantastischen Vier, Ich und Ich, OMD, Die Toten Hosen. Der neue Lausitzhallen-Chef beweist Einkaufskompetenz. In diesem Geschäft ist das der erste Schlüssel zum Erfolg. Gemessen wird Sven Tietze freilich daran, ob Organisationstalent und betriebswirtschaftliches Können hinzukommen. Hier geht einer aufs Ganze und das gefällt mir. „Kopf oder Zahl“. Ich möchte nicht in seiner Haut stecken, wenn es Anfang Juli regnet. Für Hoyerswerda ist das Festival wirklich ein großer Schritt und ein gehöriges Risiko. Aber, hat ernsthaft jemand geglaubt, es reicht, wenn wir am Gondelteich ein bisschen Seenland spielen? Die zuletzt glücklose Seenland-Messe zieht mit an den Partwitzer See. Na Bitte! So wird man wenigstens Campingkocher und Luftmatratzen los.

Kennen Sie Wacken? Wenn jetzt Zeigefinger und kleiner Finger in die Höhe gestreckt sind, ... Yeah! Gehört haben Sie bestimmt schon von dem Rock-Festival in Schleswig-Holstein. Lauter als in der Hölle soll es sein. Ich frag mich, wer das gemessen hat. Inzwischen kommen 80.000 Heavy-Metal-Fans zu dieser Wallfahrt. 1990 beim ersten Wacken Open Air waren 800 dabei. Es gab auch mal Ärger wegen der Lautstärke. Trotzdem haben die Bilder von mitfeiernden Bauern in Gummistiefeln das Festival berühmt gemacht. Niemand hat anfangs an Geld gedacht. Inzwischen fällt schon Mal eine Million Euro für das örtliche Freibad ab.

Wenn es ab Montag Karten für das Seenland-Festival gibt, wird die Sorge vieler Eltern mitschwingen, dass ja nichts passiert. Die Bilder vom tödlichen Gedränge auf der Love-Parade kommen einem schnell in den Sinn. Das ist verständlich, selbst wenn die Dimensionen nicht vergleichbar sind. Die Musik übrigens auch nicht. Massenveranstaltungen sind heikel und auch deshalb ein großes Risiko. Beifall im Stadtrat reicht also nicht. Wenn Fips Asmussen in der Lausitzhalle alte Witze reißt, kannst du dich zurücklehnen und gucken, was vorne passiert. Das hier ist eine andere Nummer.

Ein Strauß bunter Melodien erwartet Sie: „Eisgekühlter Bommerlunder“ und „Zehn kleine Jägermeister“. Na eben, Jägermeister! Werden da nicht Sponsoren gesucht? Wer hat Beziehungen nach Kamenz? Jetzt fehlt nur noch Heino, der auf seine alten Tage gerade andere Saiten aufzieht. Das Duett mit Campino ginge als „Lausitzer Rockerfrieden“ in die Geschichte ein!

 

Vielen Dank für den Leserhinweis zu einem Fehler, den ich letzte Woche gemacht habe. Otfried Preußlers Krabat ist zuerst 1971 in Würzburg erschienen. Der Verlag Neues Leben in Berlin druckte eine Lizenzausgabe.

 


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