Kolumne „Auf dem Prüfstand“


Mathias PriebeUnser Autor

Mathias Priebe ist Marketing- und Medien-Profi,
der sich hier kritisch mit TAGEBLATT-Beiträgen und
der Lokalpolitik auseinandersetzt.

 

21.12.2012 21:02 (Kommentare: 0)

Gestern, Kinder, hat's was gegeben?

Postapokalyptische Perspektiven

Nur gut, dass gestern Weltuntergang war. So kann ich hier mal richtig vom Leder ziehen. Es liest ja keiner mehr.

Es sei denn, Sie säßen jetzt gemütlich in Ihrem Ufo und blickten mit ein paar anderen Auserwählten zurück auf den verdampften Planeten. Die Bebauung im Zooquartier würde Sie dann nicht mehr kümmern, oder?

Was war denn an dieser Altstadt noch schön, bevor sie gestern mit dem Rest der Welt den Bach bzw. die Milchstraße runter gegangen ist? War einer von Ihnen zum Weihnachtseinkauf mal Schaufensterbummeln in Hoyerswerda? Ich hab’s gemacht und war drauf und dran der ganzen Familie Versicherungsgutscheine zu schenken. Das war es doch, was du hier zu sehen bekamst - vor dem Ende. So eine herrliche Assekuranzmeile hatte sonst niemand. Aber wo waren die saisonalen Angebote? Keine einzige Versicherungsagentur warb mit Weltuntergangspolicen. Lebtet Ihr hinter dem Mond?!

In dieser Altstadt gab es zuletzt weniger Bananen oder Apfelsinen als zu Honeckers finsterten Weihnachten. So sah’s doch aus! Oder hätten Sie gewusst gehabt, wo man sich dafür hätte anstellen gekonnt gehabt haben? Ich weiß, meine Zeitformen sind heute schwierig, aber es ist nach Weltuntergang. Kein Bruder Grimm und kein Duden-Konrad dachte je daran, eine geeignete postapokalyptische Zeitform einzuführen. Das Plusquamfutur: „Es war gewesen sein wird.“

Ja, solche Gedanken kommen mir im Angesicht der Katastrophe. Haben die Maya in letzter Minute einen Bürgerentscheid zum „Quartier am Zoo“ verhindert? Hätte noch ein Wunder geschehen können? Zum Beispiel miteinander sprechen, anstatt sich gegenseitig zu agitieren? Dafür waren Menschen von Natur aus befähigt. Sie konnten theoretisch das alles: Zuhören, Nachdenken, Zurückstecken, Kompromisse machen - theoretisch. Die Außerirdischen werden sich beim Sezieren gewundert haben. Soviel Hirn und kaum benutzt. Weltweit.

Zuletzt war Hoyerswerda jedenfalls schlagartig schuldenfrei. Es war doch Fernwärme, die uns gestern vernichtet hat? Also ist dafür ein Gestattungsentgelt fällig! Ob sich die Maya und ihre außerirdischen Verbündeten an die VBH-Verträge gehalten haben, ist nicht überliefert. Aber ich fürchte, für die „Berücksichtigung wirtschaftlicher Optimierungspotentiale in partnerschaftlicher Zusammenarbeit“ hatten die keine Zeit. Sie müssen ja weiterziehen. Planeten plattmachen.

Der Maya-Kalender war einfacher zu verstehen als die kryptische Kooperationsklausel zur Konzessionsabgabe. Er hatte ein eindeutiges Ende. 21.12.2012. Den VBH hätte ich zuletzt keine fünf Jahre mehr gegeben, so wie sie von allen Seiten ausgesaugt wurde. Wissen Sie, in Hoyerswerda rechnete man zuletzt ungefähr so: Wenn für Fernwärme eine verbrauchsabhängige Umlage von 12 Prozent sprudelt, dann lassen wir in der Lausitzhalle einfach die Fenster offen. Dann wird sich das für die Stadt schon rechnen.

Nun ja. Die alten Indianer konnten rechnen. Übrigens: Ihr Kalender stimmte. Nur die Prophezeiungen waren später hinzugedichteter Unfug. Insofern: Frohe Weihnachten!

 

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