Kolumne „Auf dem Prüfstand“


Mathias PriebeUnser Autor

Mathias Priebe ist Marketing- und Medien-Profi,
der sich hier kritisch mit TAGEBLATT-Beiträgen und
der Lokalpolitik auseinandersetzt.

 

03.08.2012 17:51 (Kommentare: 0)

Eine Platte gemacht

Volles Haus trotz Leerstand

Es sind Ferien und da nimmt man sich gern mal eine Auszeit. Die Kulturfabrik hatte dazu eingeladen, im Abrissblock WK X zu feiern und über Hoyerswerda nachzudenken. Diese „Auszeit“ hatte erstaunliche Effekte.

Trotz besten Badewetters kamen zu den Veranstaltungen regelmäßig mehr Menschen als in so ein Wohnzimmer passen, wenn man es mit Klappstühlen zustellt. Volles Haus. Darunter immer interessante Gäste. Da ist der Wissenschaftler, der Hoyerswerda im Abreißen seiner Leerstände bessere Haltungsnoten gibt als anderen ostdeutschen Städten oder ein junger Stadtrat aus Jena, der dem Oberbürgermeister Argumente für einen Bürgerhaushalt liefert. Außerdem eine Lebensfreude, die der Block seit dem letzten Subotnik nicht mehr erlebt hat.

Mittwoch war ich in Chemnitz einem Unternehmen zeigen, warum Facebook nicht nur gruselig ist. Während des Seminars konnte ich ein Erfolgsbeispiel aus Hoyerswerda vorstellen. Die Fanseite „Abrissblock-WK-X“ hat es nämlich geschafft, zeitweilig mehr Internetnutzer zur Diskussion anzuregen als sie selbst Mitglieder hat. Im Facebook-Jargon heißt das dann: „268 ‚Gefällt mir’-Angaben - 283 sprechen darüber“. Respekt! Andere Seitenbetreiber sind froh, wenn einer von tausend mitmacht.

Woran liegt das? Es ist interessant. Es ist emotional. Es ist lebendig. Sagen wir einfach, es ist sehr sozial. Und es hat gezeigt, wie viel man erreichen kann, wenn nur die richtigen Leute aufeinander zugehen. Was passiert eigentlich nach der Abschlussparty mit dem Haus? Spätestens jetzt ist es viel zu schade, einfach geschreddert zu werden. Eine Idee hätte ich ja. Wenn es irgendwie ginge, müsste man das Würfelhaus nehmen und im Scheibesee versenken oder in einem anderen See. Wir haben ja ein Faible für verrückte Ideen, mit denen wir auf uns aufmerksam machen können. Taucher und Reporter hätten ihre helle Freude dran. Darauf dürfen Sie wetten. Auch diese Idee stammt aus dem Abrissblock, denn „WK Seen“ sagte jemand nach ein paar Bier, bei 30 Grad im Schatten und gab so den Anstoß. Wir haben schwimmende Häuser, warum nicht auch versenkte?

Die Sommerzeit nutzt das TAGEBLATT, um auch an anderer Stelle über Hoyerswerda nachzudenken. Der Streifzug durch das Industriegelände war interessant. Hätten Sie geschätzt, dass in Straße A bis G über 1.000 Menschen arbeiten? Klingt gar nicht so schlecht. Klar liegt noch einiges brach. Doch über manche Industrieansiedlung, die wir nicht bekommen haben, können wir im Nachhinein froh sein. So straucheln sämtliche Standorte der Solarindustrie, ganz gleich mit wie viel Tamtam sie eröffnet wurden. In Bitterfeld, Frankfurt/Oder und weniger weit weg in Großröhrsdorf herrscht Sonnenfinsternis. Es stellt sich heraus, dass die Solarwirtschaft von „Sunny’s Sonnenstudio“ das solidere Geschäftsfeld ist. Ich meine damit die Chance, dass etwas Eigenes wächst. Langsamer als anderswo, dafür aber stabil.

Mir gefällt der Vorschlag von Mirko Kolodziej, das Industriegelände Hoyerswerda gemeinsam mit Schwarze Pumpe zu entwickeln. Wie war das beim Abrissblock? Da haben Kulturfabrik und Lebensräume mit weiteren Partnern an einem Strang gezogen. Welche Effekte hätte es wohl, wenn wir das Prinzip auf die ganze Region übertragen?


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