Kolumne „Auf dem Prüfstand“


Mathias PriebeUnser Autor

Mathias Priebe ist Marketing- und Medien-Profi,
der sich hier kritisch mit TAGEBLATT-Beiträgen und
der Lokalpolitik auseinandersetzt.

 

19.01.2013 22:17 (Kommentare: 0)

Ein Stück vom Pustekuchen

Was das Windrad von Leippe in die Höhe treibt.

So ein Riesenwindrad lohnt sich. Leippe bekommt lustige Schattenspiele zur Sonntagskaffeezeit und die Betreiber viel Geld. Windkraft lohnt sich, weil der Gesetzgeber den Gewinn garantiert - garantieren muss! Sonst hätten die erneuerbaren Energien keine Chance.

Die sind übrigens nicht erneuerbar, denn weder Solarkraft, Wind noch Biogas werden hinter der Steckdose wieder zu Sonnenlicht, Frischluft oder Kuhpups. Lachen Sie nicht! Der Energieerhaltungssatz und andere Naturgesetze werden in den Ausschüssen selten beraten. Und das mit einer Diplomphysikerin an der Spitze!

Die Windräder wachsen in den Himmel aufgrund eines Mindestpreissystems, eines Strompreissozialismus. Oder wie würden Sie eine Marktwirtschaft ohne Wettbewerb nennen? Ungefähr ein Eurogroschen pro Kilowattstunde wird derzeit garantiert. Man darf es deshalb nicht Subventionen nennen, weil Windkraft nicht direkt aus Steuern gestützt wird, sondern aus einer Umlage. Den Unterschied verstehe ich nicht, denn beides saugt Geld von meinem Konto.

Das System wird auch dadurch nicht besser, dass es Obergrenzen für die bundesweite Windkraftkapazität gibt. Anbieter erkennen das Potenzial und beeilen sich damit, Bürgermeistern und Bauern Flächen abzuschwatzen. Im Bayerischen Vogtland ist das mit so großem Erfolg gelungen, dass es für die Gegend keine Postkartenmotive mehr gibt. Glückwunsch! Draußen auf der Nordsee stehen Windparks, für die es keine Kabel gibt. Slalomkurse für Fischerboote.

Man kann sehr genau ausrechnen, wie viel ein Windrad abwirft, bevor es irgendwann seine Flügel abwirft. Sie kalkulieren Grundstückskauf oder Pacht, Baukosten und Wartung auf der einen Seite und garantierte Einnahmen aus Strom auf der anderen. Ob Sie das mit Doppik oder einfach machen, spielt keine Rolle. Es kommt dasselbe raus. Eine Variable fehlt! Der Wind bleibt die einzige Unbekannte in dieser Rechnung.

Deshalb ist die Höhe eine wichtige Größe. Je höher, desto pust. Je puster, desto mehr Profit. Klar was ich meine? Das Ding muss sich drehen! Sonst ist Pustekuchen. Dreht es sich, garantiert das Erneuerbare Energiengesetz Vorfahrt auf der Stromtrasse. Im EEG klingt das dann so: „Netzbetreiber sind [...] verpflichtet, den gesamten angebotenen Strom aus Erneuerbaren Energien und aus Grubengas unverzüglich vorrangig abzunehmen, zu übertragen und zu verteilen.“ Unverzüglich und vorrangig! Scheißegal, ob einer die Kaffeemaschine an hat.

Wer klug weiterrechnet, kann auf den Tag genau vorhersehen, wann das Ding kippt. Das dann zu beschließende Gesetz wird in der Zeitung „Windrad-Abwrackprämie“ genannt werden. In fünf Jahren haben wir die Erneuerbare-Energien-Rücknahmeumlage todsicher auf der Stromrechnung.

Konnte Leippe 1999 schon ahnen, dass Windräder dem Berliner Fernsehturm bald an die Murmel ragen? Es ist nachvollziehbar, dass die Stadt Lauta ihrem Ortsteil dieses Monstrum ersparen möchte. Zum Streit mit der Kommunalaufsicht im Landratsamt fällt mir nicht viel ein. Ich will Weitsicht, nicht Aufsicht! Dazu gehört auch, dass Entscheidungen korrigiert werden müssen, wenn es nötig und vor allem vernünftig ist.

 

 

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