Kolumne „Auf dem Prüfstand“


Mathias PriebeUnser Autor

Mathias Priebe ist Marketing- und Medien-Profi,
der sich hier kritisch mit TAGEBLATT-Beiträgen und
der Lokalpolitik auseinandersetzt.

 

15.09.2012 13:02 (Kommentare: 0)

Ein' feste Burg ist unser Zahnarzt

Was die Mauern der Burg zu Mortka verraten - und was nicht.

Die Zahnfee wohnt in Mortka! Endlich eine Antwort auf die bohrende Frage der Generation Milchzahn nach dem Zuhause der guten Fee, die zarten Zahnschmelz in kleine Eurobeträge verwandelt. Ein netter Zahnarzt aus der Lausitz hat ihr eine Burg gebaut, Feengrottenwellnessstation nach dem Einsammeln der Milchzähne unter tausenden Kopfkissen.

Diese Legende habe ich mir natürlich ausgedacht. Sie mag auf Sie nicht ganz stimmig wirken. Genauso geht es mir mit der Story vom überraschten Bürgermeister und seinem hartnäckigen Bauherren. Sie wird seit ein paar Jahren bis hin zum Wortlaut gleich wiederholt: Vor Jahren entdeckte Dr. Jakubetz, dass es auch in der Lausitz einmal Burgen gegeben hat. So so. 2006 steht er mit einer Papyrusrolle unter dem Arm beim Herrn Witschas, der sofort begeistert ist. Als Einziger, damals noch. Und so nimmt die Geschichte ihren Lauf und gipfelt im Tag der offenen Tür - morgen. Auf zur Burg!

Wir dürfen das Bauwerk jetzt toll finden, auch wenn es aussieht wie eine halbfertige Mischung aus Michael Jacksons Neverland-Ranch und Ritter Runkels Burg Rübenstein. Schließlich hat endlich mal wieder jemand investiert. Beschäftigt allerlei Gesinde und hat lokales Naschwerk im Angebot. Frevel wär's, darüber auch nur ein kritisches Wort zu verlieren! Hang zum Nachbohren und Auf-den-Zahn-Fühlen entwickelt die Lokalpresse da freilich nicht.

"Keinen Ärger mit der Nachbarschaft", überschreibt Ralf Grunert seine Gedanken zum Tage, nachdem der Burgherr die Herolde der Region um sich versammelt hatte. Offenbar hat er ihnen - den Journalisten - ausreichend Met eingeflößt, um Gespräche übern Gartenzaun (besser: von der Mauer herab) mit echten Nachbarn zu verhindern. Urlauber-Schnarchen und die Dicke der Mauern sind deren geringste Sorgen. Eher die Höhe.

"Nun macht euch mal nicht ins Kettenhemd!", mag man den Zweiflern zurufen. Wo wären wir Sachsen heute, wenn sich nicht hin und wieder jemand ein Stück Land unter den Nagel gerissen hätte? Hat es jemals einen Bebauungsplan für Königstein, Scharfenstein oder Kriebstein gegeben? Dass für Zahnstein Mortka alle Genehmigungen vorliegen (sollen), ist dennoch kein Ausdruck dafür, dass der Burgenbau vollständig legitimiert ist. Bei einem der Dorfrundgänge des Tageblatts könnte man sich danach erkundigen. Hier baut wer ein Dorf nach seinem Gusto um, mit viel Biss. Am Sonntag halb elf wird der Gemeindepfarrer seinen Segen geben und, wer weiß, vielleicht heimlich beten, dass der Haufen Steine nicht vom alten Rodelberg rutscht.

Etwas gefällt mir trotz alledem. Nicht die Zugbrücke. Nicht der Turm, den letztlich viele kleine leidende Zahnarztpatienten mit ihrer Karies bezahlt haben. Mortkas Burg und Lohsas neue Gemeindeattraktion zeigen, dass selbst aberwitzige Ideen durchsetzbar sind, sogar gegen den Widerstand von Baubehörden. So gesehen wirklich ein Erfolgsmodell für das ganze Lausitzer Seenland. Mit etwas Geschick hätte Udo Witschas André Jakubetz' Pläne umlenken können: Ein Wasserschloss im Freibad Lohsa! Warum ist da keiner drauf gekommen?

 

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