Kolumne „Auf dem Prüfstand“


Mathias PriebeUnser Autor

Mathias Priebe ist Marketing- und Medien-Profi,
der sich hier kritisch mit TAGEBLATT-Beiträgen und
der Lokalpolitik auseinandersetzt.

 

20.10.2012 17:00 (Kommentare: 0)

Die Speisung der Zwölftausend

Gesund in die Herbstferien. Trotz Schulspeisung.

Moment mal! Waren es nicht fünftausend Menschen, die Jesus durch ein Wunder satt machte? Ja, schon. Nur hatte der kein Sodexo. Auch wenn ich nicht sonderlich bibelfest bin – mir ist nicht bekannt, dass jemandem am Galiläischen Meer schlecht geworden wäre. Es sei denn, man liest „Brot brechen“ anders. Erste Erkenntnis: Einheimische Lebensmittel sind besser als Tiefkühl-Erdbeeren, die um die halbe Welt gegurkt sind. Zweite Erkenntnis: Die moderne Massenabfertigung hat ihre Tücken und vieles von dem, was diskutiert wird, ist kein Wunder.

Es geht um die Katastrophe biblischen Ausmaßes in der Schulspeisung. Wann kommt man schon mit Kompott auf Platz eins der Tagesschau? Sachsen hat es geschafft! Eltern waren drauf und dran nach China zu fliegen, um sich auf dem Platz des Himmlischen Friedens anzuketten. Gegen Norobeeren und diese glitschigen Litschi gleich mit! Die Chinesen hat das sicher interessiert wie unsereinen der Sack Reis, der dort gelegentlich umfällt.

Schneller als der Virus verbreitete sich mal wieder der Sprechdurchfall auf allen Kanälen. Was hier wieder voneinander abgeschrieben und nachgeplappert wurde, gehört eigentlich ebenso rückwärts aufgerollt wie der Weg der Erdbeeren. Ist es nicht allein schon zum Kotzen, dass wir Schülerkompott in Asien ordern, während die Apfelbäume am Straßenrand verzweifelt ihre Früchte in den Graben werfen? Der wahre Virus ist ein anderer. Geld! Übrigens, manch Noro-Infizierter wird sogar froh gewesen sein, der Klassenarbeit in Mathe auf dem Zylinder sitzend entgangen zu sein. Und hat letztlich beides überlebt.

Es gibt den seltenen Fall, da ist es eine Nachricht wert, wenn nichts passiert. Da hätten sich viele Eltern in unserer Gegend schnellere Informationen gewünscht. Ist unsere Schule betroffen? Die Frage muss eine Schulleitung mit Internetanschluss sofort beantworten und eine Lokalzeitung kann genau diesen Fakt sichtbar notieren, ohne in die gleiche Hysterie zu verfallen, egal ob die Futterkübel nun von Sodexo oder GfB-Catering kommen.

Die Speisung der zwölftausend Schüler im Landkreis Bautzen hat SZ-Redakteurin Jana Ulbrich diese Woche unter die Lupe genommen und für mich Erstaunliches ans Licht gebracht. Gerade mal 60 Cent kann ein Massenspeiser wie Sodexo für Zutaten kalkulieren, soll das Schulessen im Bereich von zwei Euro bleiben. Die Einkäufer in solchen Unternehmen schlendern nicht übern Wochenmarkt auf der Suche nach feldfrischem Spinat. Die kalkulieren knallhart. Wenn jemand tonnenweise Erdbeeren raushaut, dann zählt Marge - nicht Geschmack.

Jetzt sind erst mal Ferien und Omi kann Plinsen mit Apfelmus machen. Wenn Sie’s aber richtig rechnen, kommen Sie schon ab dem zweiten Eierkuchen an die Kosten der Großküchen heran. Im November könnten Jahrgangssprecher für ihre Mitschüler mal auf Exkursion gehen. Ihr müsst das Zeug schließlich schlucken! Wie kriegt es das evangelische Schulzentrum Gaußig hin? Selbst gekocht, vollwertig, 2,50 Euro. Oder ist das wieder der Trick aus dem Evangelium?

Jetzt sag ich Ihnen noch, wovon mir früher schlecht geworden ist: Kürbiskompott! Bäh.

 


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