Kolumne „Auf dem Prüfstand“


Mathias PriebeUnser Autor

Mathias Priebe ist Marketing- und Medien-Profi,
der sich hier kritisch mit TAGEBLATT-Beiträgen und
der Lokalpolitik auseinandersetzt.

 

13.01.2013 06:49 (Kommentare: 0)

Die Schmierereien von der Letzten Seite

Die Reaktionen auf diese Kolumne sind diesmal schon selbst eine Kolumne wert – was hiermit geschrieben sein soll.

Man wird nicht zu viel vermuten, wenn man vorhersagt, dass diesen Zeilen hier ein Schicksal der Extreme beschieden sein wird. Ergo: Dieser Text liegt schon zerfetzt in der Tonne, oder er kommt fein säuberlich auf den Sammelstapel. – So unterschiedlich sind Woche für Woche die Reaktionen auf diese Kolumne. Honig ums Maul gibt’s von der Semmel – nicht von mir!

Schauen wir doch mal auf ein paar Wortmeldungen, mit denen bisherige Kolumnen beziehungsweise deren Autor sich konfrontiert sah(en). Beispielsweise von Udo Witschas, Bürgermeister von Lohsa: „Nicht nur bei mir haben Sie endgültig erreicht, die Samstag-Ausgabe direkt in die Papiertonne wandern zu lassen.“

Katrin Bähnisch, Medienwissenschaftlerin aus Leipzig: „Wenn ich mal zu Besuch bin, schlage ich die SZ nur noch auf, um die Kolumne von Mathias Priebe zu lesen.“ Oder Martin Schmidt, Vorsitzender des Kunstvereins Hoyerswerda: „Es macht mir Freude, Ihre Texte zu lesen, mich bestätigt oder zu neuem Nachdenken gerufen zu sehen. Nichts wäre schlimmer, als wenn wir in die «Hofberichterstattung» früherer Zeiten zurückfallen.“

Wenig amüsiert waren in letzter Zeit hinwiederum: Redakteure dieser Zeitung (maßgenommen in „Ominöse Blasen aus der Tiefe“), der Zahnarzt von Mortka (hinterfragt in „Burg Zahnstein“), der Pressesprecher von Yados (sich/ sein Unternehmen ungerecht behandelt sehend in „Tue Gutes und schweig darüber!“); des weiteren Bürger- und Oberbürgermeister, Sportfunktionäre, Bauplaner, die ja doch nur das Beste gewollt hatten und dann wenig Schmeichelhaftes zu lesen bekamen ... Ach, hätte ich auf meine Mutter gehört und den Pischti Hufnagel genommen! Unter Pseudonym bliebe ich unerkannt. Ich könnte aus vollen Rohren feuern, ohne Rücksicht auf entgangene Aufträge. Die Möglichkeit bestand.

Leider erreichen mich nicht alle Reaktionen. Deshalb entschuldige ich mich für eventuell wütend umgestoßene Kaffeetassen und die dadurch entstandenen Flecken. Es liegt nicht in meiner Absicht, Tischtücher zu beschmutzen. Menschen gleich gar nicht. Anders als Tischdecken besudeln die sich jedoch mitunter selbst.

Verleger Siegbert Matsch und ich hatten Lust auf etwas Neues. Der Auftrag steht jede Woche neben dem Foto (es bräuchte mal ein Update). Einen wöchentlichen Prüfstand für die eigene Arbeit leisten sich nur wenige Zeitungen. Mit einer schmerzhaften Klausel im Vertrag: Die Redaktion ist „nicht zur Änderung und Bearbeitung der Beiträge berechtigt“. Das muss man erst einmal aushalten wollen.

Bitte verwechseln Sie mich nicht! Ich bin nicht Volkes Stimme. Sie haben selbst eine! Die deutsche Geschichte zeigt wie keine andere, was möglich wird, wenn ein Volk seine Stimme erhebt – und was droht, wenn es sie verliert. Gemessen daran ist dieser Text ein Räuspern. Sehen Sie mich als samstägliches Halsbonbon, damit die Stimme nicht versagt! Udo Witschas aus Lohsa schmeckt es gar nicht. Bei anderer Gelegenheit nannte er vor versammeltem Gemeinderat diese Kolumne „Schmiererei“. Diesmal war via Facebook die ganze Welt dabei. Ausläufer eines Shitstorms:

Samstag: „Hallo Herr Priebe, was Sie in Ihrem Artikel «Das doppelte Örtchen» bezüglich der Straßenerhaltung geschrieben haben, ist, wie leider so oft, fachlich totaler Unsinn.“ | Sonntag: „Vielleicht sollte man der Sa-Ausgabe des Tageblattes vor dem Durchlesen die letzte Seite einfach entfernen, um sich diesen teilweisen Unfug zu ersparen.“ | Sonntag: „Wenn er wenigstens fachlich von dem, was er da schreibt, etwas verstehen würde, dann sehe ich das auch als Kritik.“ | Montag: „Und wenn jemand wirklich etwas für die Lausitz übrig hat, dann würde er hier nicht so viele Dinge immer durch den Dreck ziehen – dies hilft unserem Image keinesfalls!“ | Dienstag: „Jedoch besteht bei Ihren teilweise diffamierenden Darstellungen keine Diskussionsmöglichkeit.“

Mittwoch plötzlich: „Kommen Sie mal auf nen Kaffee rüber? Würde ihn auch selbst ansetzen und leckeren Kuchen gibt es bei unseren Bäckern auch.“

Nein, danke!

 

 

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