Kolumne „Auf dem Prüfstand“


Mathias PriebeUnser Autor

Mathias Priebe ist Marketing- und Medien-Profi,
der sich hier kritisch mit TAGEBLATT-Beiträgen und
der Lokalpolitik auseinandersetzt.

 

23.02.2013 13:26 (Kommentare: 0)

Die Mühle mahlt weiter

Der Kinderbuchautor Otfried Preußler ist tot. Eine dankbare Verneigung.

Über den Schriftsteller weiß ich wenig. Erst vor kurzem habe ich erfahren, dass er in Bayern gelebt hat. Da stand schon die Hälfte der neuen Krabat-Mühle in Schwarzkollm. Das soll kein Nachruf sein, denn Preußlers Figuren waren immer wichtiger als der Autor. Das kleine Gespenst ist der Star. Die kleine Hexe lebt sowieso ewig und beim Räuber Hotzenplotz ist schon der Name lustiger als alle Folgen Spongebob zusammen. Hätte sein Verlag nicht angefangen, kleine Negerlein zu schwärzen, es wäre nicht viel Streitbares für die Feuilletons übrig geblieben.

Für Otfried Preußlers Bücher gab es in der Stadtteilbibliothek meiner Kindheit Wartelisten. Das galt auch für Benno Pludra, Alexander Wolkow und Astrid Lindgren. Für die war ich gleich in drei Büchereien eingetragen, wobei Pipi Langstrumpf doof war. Da kann die Schwedin nichts dafür. Das Westfernsehen muss den Eindruck versaut haben, mit dieser singenden, springenden Göre in Ringelsocken. Da fällt dir beim Lesen nichts mehr ein. Wenn ich Abgabetermine überzogen habe, war das meist kein gutes Zeichen. Das konnte dem Lütt Matten mit seiner weißen Muschel nicht passieren. Dem Krabat und seinen Freunden auch nicht. Krabat war spannender als Al Capone, den ich heimlich aus dem Bücherregal meiner Eltern entführt hatte. "Kind, das ist nichts für dich!" Mutti und Vati haben gar nicht geahnt, dass der Müllerlehrling viel aufregender war als das Maschinengewehrfeuer in ihren Taschenbüchern. So sehr, dass ich in Schwarzkollm heute Gänsehaut bekomme, blöderweise nicht an der neuen Mühle, was keineswegs gegen die Touristenattraktion spricht. Es gibt dort draußen Orte, an denen war ich schon als Kind, obwohl ich erst als junger Offizier in die Lausitz kam. Das verbindet mich mit dem echten Krabat - witzigerweise. Im Koselbruch, wo Krabat und Kantorka herumgemacht haben, braucht nur eine Krähe rufen. Es klingt wie: "Gehorche der Stimme des Meisters, gehorche ihr!" Irgendwann bin ich auf den Mühlgraben hinter dem Dorf gestoßen. Dort riecht es sogar so, wie ich mir das immer vorgestellt habe. Sagenhaft! Die Mühle mahlt wieder und Preußler hat einen hohen Anteil daran.

Vielleicht warten Sie jetzt auf einen Vergleich mit dem Roman von Jurij Brezan. Da muss ich Sie enttäuschen. Seinen Krabat-Roman habe ich nicht gelesen. Da geht es mir wie Busladungen voller Menschen, die in Schwarzkollm zum ersten Mal mit original Lausitzer Plinse in Berührung kommen. Kein Vergleich mit Eierkuchen! Vielleicht nehmen sie als Souvenir das Buch des sorbischen Schriftstellers mit, aus reiner Neugier. Das ist dann prima für alle. Womöglich sind sogar Schweizer Investoren darunter. Wie ich darauf komme? 2007 hatte ich Otfried Preußlers "Krabat" wieder in den Händen. Immer noch Schulbuch-Verlag neues Leben Berlin, 1968. So alt wie ich. Wussten Sie, dass das Buch zuerst in der DDR erschienen war? Der Klassensatz ließ mich doppelt staunen, denn er steht in einer Schule im Schweizer Kanton Thurgau, an der ich zu Gast war. Da ist so viel Hoyerswerda, Maukendorf, Schwarzkollm und Leippe drin, dass ich mich frage: Wie hat der Preußler aus Böhmen, der in Bayern lebte, das gemacht? Eines der schönsten Bücher der Lausitz.

 

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