Kolumne „Auf dem Prüfstand“


Mathias PriebeUnser Autor

Mathias Priebe ist Marketing- und Medien-Profi,
der sich hier kritisch mit TAGEBLATT-Beiträgen und
der Lokalpolitik auseinandersetzt.

 

06.04.2013 10:54 (Kommentare: 0)

Der Fehlerteufel in mir

Kolumnisten und Lottofee in Fehlerhaft!

Wenn der PC oder der Frühling nicht hochfährt, dann können wir das verzeihen. Hauptsache er rappelt sich auf. Wenn zwei Lottokugeln die Ziehung verweigern, dann wird der Fehler zum Skandal. Als hätte sich das ZDF ein Mal zuviel gefeiert. Die Aufregung ist mathematisch nicht nachvollziehbar. Denn für alle, die weder die 46 noch die 47 auf dem Zettel hatten – das sind statistisch gesehen die meisten - waren die Gewinnchancen im Moment der ungültigen Ziehung formal gestiegen. Ob wirklich diese beiden Zahlen klemmten, ist übrigens gar nicht erwiesen. Mit dem Lottobeispiel will ich dem Fehler an sich auf die Spur kommen. Nicht auszudenken, wenn er erst Tage später aufgedeckt worden wäre. Die Lottofee bräuchte eine Sicherheitsstufe wie die Kanzlerin.

In dieser Zeitung müssen Fehler in die Ecke. „Richtig und Falsch“ steht über den Einspaltern. Es kommt vor, dass ein Foto oder ein Name vertauscht werden. Wenn es jemandem auffällt, druckt das TAGEBLATT eine Korrektur. Ob der Redaktion bewusst ist, dass das eine der beliebtesten Rubriken ist? ‚Na, was haben die diesmal verbockt?’ oder ‚Müssen sie’s endlich zugeben’. Machen wir einen kleinen Test! Finden Sie, dieser Lokalredaktion passieren zu viele Fehler? Ja oder Nein? Eine gute Antwort ist: „Weiß nicht“. Mit einem „Ja“ wäre ein Vorurteil aufgedeckt. Es ist nämlich ein Fehler, solche Schlüsse zu ziehen. Für eine halbwegs objektive Einschätzung der Fehlerquote bräuchten Sie Variablen wie Anzahl der Fehler, Textmenge pro Redakteur und Arbeitszeit im Verhältnis zum gesamten Druckvolumen deutscher Lokalausgaben und deren Fehlerquote. Statistikfüchse ergänzen noch Lichteinfallswinkel am PC und Filterkaffeesorte zum Quadrat.

Auch mir passieren Fehler. In der Redaktion haben sie bestimmt eine Stoffpuppe im Schreibtisch, die sie “ihren Kolumnisten” nennen. Die bekommt meine Fehler mit Stecknadeln angeheftet. Als Voodoo-Gutmachung! Nachdem ZEIT-Kolumnist Harald Martenstein sich diese Woche für seine Fehler entschuldigen musste, fühle ich mich mit ausreichend prominenter Rückendeckung ermuntert, nachzuziehen. Er hatte den beiden Politikern Wowereit und Westerwelle – nein, kein Verhältnis - aber Sitzenbleiben im Abitur nachgesagt. Gestützt auf fehlerhafte Quellen. Ich habe letzte Woche den falschen Minister als „Schlagloch“ betitelt. Das ist mir peinlich. Nicht den Ulbig sondern den Morlok trifft der Zorn der Hoyerswerdaer Rathausspitze, die in einem offenen Wahlkampfmanöver nach Dresden geschrieben hatte. Wollen Sie eine Erklärung für meinen Fehler? Oder für das falsche Erscheinungsdatum des Krabat-Romans neulich? Ich habe keine. Mir ist bewusst, dass diese zwei Fehler als Beleg für meine ständigen Falschaussagen herhalten müssen.

Nun drei Tipps zum Umgang mit Fehlern. Vergangene Fehler sind kein Beweis für kommende. Jeder noch so große Fehler ist verzeihlich. Es kommt auf Ihre Fehlertoleranz an. Diese Variable ist auch als Produkt von Kritikfähigkeit und Geduld bekannt. Und Drittens: Die Bereitschaft, eigene Fehler einzugestehen oder an ihrer Korrektur zu arbeiten, macht den Unterschied.

 

Kommentieren

Zurück

Einen Kommentar schreiben