Kolumne „Auf dem Prüfstand“


Mathias PriebeUnser Autor

Mathias Priebe ist Marketing- und Medien-Profi,
der sich hier kritisch mit TAGEBLATT-Beiträgen und
der Lokalpolitik auseinandersetzt.

 

08.12.2012 14:00 (Kommentare: 0)

Barbara Merkel

Diese Wochen wurden Angela und Barbara gefeiert. Was beide eint.

Auch Nofretete hat es diese Woche aufs Titelblatt der Sächsischen Zeitung geschafft. Vermutlich, weil ein Redakteur spät, aber dennoch die Lücke auf dem deutschen Zeitungsmarkt erkannt hat: Seit März hat die Bild-Zeitung kein Seite-1-Girl mehr! In der deutschen Zeitungskrise kann das die Rettung sein. Jeden Morgen eine - bitte sächsische - Schönheit, und die Auflage ist gerettet. Aber es braucht Brüste, nicht Büste!

Zwei andere Frauen verbindet weitaus mehr mit Sachsen und speziell der Lausitz. Die zentrale Angelafeier fand dieses Jahr in Hannover statt. Am Barbaratag! Die CDU hat Geschlossenheit demonstriert und Angela Merkelzur Titelfrau für Mittwoch gemacht. Bitte keine Vergleiche mit Nofretetepetete jetzt!

Mit ihrem Atomausstieg, der weniger der Strahlung als vielmehr der öffentlichen Ausstrahlung Fukushimas geschuldet war, hätte Angela Merkel für immer zur Schutzpatronin der Lausitzer Bergleute werden können. Denn die Braunkohleförderung steigt. Vattenfall hat dafür der Barbara gedankt und Angela mit keinem Wort erwähnt. Nachvollziehbar. Denn obwohl die Frau Physik studiert hat, kriegt sie das mit dem CO2 nicht auf die Reihe. Die Politik hat die Lausitzer Braunkohle in einen Schlam(m)assel reingeritten, gegen den Gleisrücken bei Tauwetter im Tagebau noch ein Vergnügen ist. Wir können die Grundlast für das deutsche Stromnetz liefern, aber niemand erlaubt das unterirdische Verpressen von CO2. Zukunft ungewiss.

Das ist schon deshalb irre, weil gleichzeitig weder Angela Merkel noch Nofretete etwas dagegen haben, dass unter ihren Füßen - pardon, die eine hat keine - also, dass jedenfalls unter Berlin riesige Erdgasmengen in Hohlräume geleitet werden. Eine Milliarde m3 lagert laut Wikipedia in einem natürlichen Untergrundspeicher unter Spandau. Spätestens jetzt wird klar, warum Berliner gern mal abheben.

Sprechen wir über Zuständigkeiten. Arbeitsschutz im Bergbau ist Barbaras Fachgebiet. Beim Klima ist sie raus. Da muss Angela ran und zur sachlichen Diskussion beitragen. Bislang überlässt sie das Feld den Öko-Aktivisten, die mit "CO2-Endlager" das Klima aufheizen, als ginge es um radioaktive Brennstäbe. Der Atomausstieg brachte zwangsläufig den Braunkohle-Einstieg von Greenpeace. Das hätte man in Berlin vorhersehen können. Plakate wie in Lieske oder am Kraftwerk Boxberg werden uns die nächsten Jahre begleiten. CO2 ist schlimm, weil es irgendwann dazu führt, dass Holländer ihre Wohnwagen packen und ins Innere des Kontinents strömen. Ob das Lausitzer Seenland darauf vorbereitet ist?

Sind wir uns eigentlich bewusst, dass uns keine zwölf Zentimeter Meeresspiegel vom Ende des Lausitzer Braunkohleabbaus trennen? Dann gute Nacht, Barbara! Guten Morgen, Angela!
Barbarafeiern sollten längst auch tausend oder dreitausend Lausitzer Kupfer- und Goldminenarbeiter erleben. Ich kann mich an einen kurzen Goldrausch erinnern, in den sogar Sachsens Ministerpräsident verfallen war. Es gäbe keinen Grund mehr, aus der Lausitz wegzuziehen, wurde er hier zitiert. Nun ziehen die ersten Kupferbohrer unverrichteter Dinge ab. Glück auf, Lausitz!

 


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