Wohnungsgesellschaft kündigt Abriss-Pause in der Neustadt an


von Tageblatt-Redaktion

Dieses Jahr hat die Wohnungsgesellschaft 170 Wohnungen abgerissen – alle im Wohnkomplex X. Damit hat das Unternehmen hier nun kein einziges Haus mehr.
Dieses Jahr hat die Wohnungsgesellschaft 170 Wohnungen abgerissen – alle im Wohnkomplex X. Damit hat das Unternehmen hier nun kein einziges Haus mehr.

Absehbar ist, dass die Zahl der Abrissbagger in der Neustadt zumindest temporär zurückgehen dürfte. Nachdem die Wohnungsgesellschaft (WH) voriges Jahr 533 und dieses Jahr 170 Wohnungen beseitigt hat, sollen es nächstes Jahr noch einmal 216 in den WK IV und VII sein. Für die Zeit danach kündigt Unternehmenschefin Margitta Faßl allerdings an: „Wir werden den Rückbau dann unterbrechen.“ Man denke derzeit an eine Pause von zwei bis drei Jahren.

 Von einst fast 30 Prozent ist die Leerstandsquote beim städtischen Unternehmen auf 8,8 Prozent gesunken. „Das ist historischer Tiefststand, obwohl man erst bei zwei bis drei Prozent von Normalität sprechen könnte“, erklärte die WH-Geschäftsführerin gestern vor Journalisten. Es sei zunehmend schwieriger, Mietern zu erklären, dass sie aus einem Haus mit nur geringem Leerstand ausziehen sollten. Dazukommen dürften wohl auch die Schwierigkeiten, Menschen mit adäquatem Wohnraum zu versorgen. Diese Probleme hatte Baudezernent Dietmar Wolf bereits als Grund dafür angeführt, dass das Abriss-Tempo nach zehn Jahren nun gedrosselt werden müsse.
Die WH will das Moratorium auch dazu nutzen, um vor dem Hintergrund der Prognosen weiter sinkender Einwohnerzahlen anhand der Leerstandsentwicklung darüber nachzudenken, welche Gebäude perspektivisch noch verschwinden sollen. „Denn es wird weitere schmerzhafte Einschnitte geben“, sagt Margitta Faßl mit Blick auf die Zukunft. Man rechne für 2015 in ihrem Haus durchaus wieder mit Leerständen zwischen 15 und 20 Prozent. Die LebensRäume-Genossenschaft denkt auch wegen dieser absehbaren Entwicklung derzeit nicht an eine Abriss-Pause. Vorstand Axel Fietzek sagt, man plane immer für zwei Jahre. Die Planungen für 2012 würden zwar erst am Ende dieses Jahres vorliegen: „Ich gehe aber für 2012 auf jeden Fall von Abrissen aus, weil wir den Leerstand konzentrieren müssen.“ Ansonsten reagiere man ohnehin eher kurzfristig auf Entwicklungen am Wohnungsmarkt der Stadt. Laut Fietzek werden allein bei der Genossenschaft monatlich um die 40 Wohnungen frei, weil jemand wegzieht oder stirbt.


Die Wohnungsgesellschaft hat derzeit noch 8 400 Wohnungen und fast 270 Geschäfte in ihrem Besitz. Das Geschäftsjahr 2009 ist das dritte in Folge, das mit einem Plus abgeschlossen werden konnte. „Darauf sind wir sehr stolz“, sagt Margitta Faßl mit Blick auf die 2,5 Millionen Euro Gewinn. Diese Zahl relativiert sich allerdings, wenn man den Schuldenstand der Gesellschaft in Höhe von 70 Millionen Euro bedenkt und weiß, dass Umbau und Sanierung allein des Hochhauses Bautzener Allee 25 bis 31 ungefähr 2,7 Millionen Euro kosten werden. Im Jahr 2009 wendete die WH nur für Instandhaltungen 8,1 Millionen Euro auf. Profitiert haben unter anderem das Zuse-Hochhaus, drei Blöcke in der Einsteinstraße im WK II, ein weiterer in der Herderstraße im WK III sowie das Haus Grimmstraße 4 in der Altstadt.

Hinzu kamen 2009 noch 1,4 Millionen Euro für Investitionen und 343 000 Euro für Modernisierungsmaßnahmen. Derzeit saniert die WH unter anderem das Haus Rosenstraße 1 in der Altstadt oder den Block Richard-Wagner-Straße 1 bis 9 im WK IV. Eines der größeren Vorhaben für nächstes Jahr ist der Neubau eines Mehrgenerationenhauses in der Spremberger Straße. Der Baubeginn ist hier bislang für den März vorgesehen.

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