Kistenweise Akten für den Bahnausbau


von Tageblatt-Redaktion

Die schwere Diesellok fährt auf der eingleisigen Strecke vorbei, ohne sonderlich zu lärmen, der Triebwagen der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft ebenfalls. Bei dem langen Güterzug geraume Zeit später hört man schon bedeutend mehr. Die Leute in Litschen und Driewitz haben sich aber an ihre Bahnstrecke gewöhnt. So viel kommt ja hier auch nicht vorbei: 18 Regionalbahnen und 36 Güterzüge im Fernverkehr, macht im Schnitt zwei Züge pro Stunde. In drei Jahren werden es pro Stunde sieben bis acht Züge sein. Vor allem die Anzahl der Güterzüge soll zunehmen. Denn dann soll die Niederschlesische Magistrale Realität sein: zweispurig, elektrifiziert, zugelassen für bis zu 120 km/h. Auf polnischer Seite ist man mit dem Ausbau der Bahnstrecke schon längst fertig. Doch zwischen der Grenze und dem Bahnhof Knappenrode hapert es. Jetzt läuft das Anhörungsverfahren. Seit Montag liegen in den Rathäusern der Gemeinden entlang der Strecke die Planunterlagen aus - jeweils 18 dicke Ordner. Die beinhalten die gesamte Strecke. Für jede Kommune sind also nur bestimmte Ordner interessant. Doch die Auslegungsfrist endet schon am 14. Juli. Dann bleiben noch zwei Wochen Zeit, Einwände und Hinweise zu formulieren und einzureichen. Zum Beispiel Schallschutz.

Dass es überhaupt Schallschutz geben soll, war nicht von Anfang an geplant, erinnert sich Lohsas Bauamtsleiter Wolfgang Tietze. Als es die ersten Informationsrunden zum Streckenausbau gab, wurde noch argumentiert, dass es sich ja um eine Bestandsstrecke handele, an der nicht nachgerüstet werden müsse. Immerhin sei die Bahnstrecke früher durchgehend zweigleisig gewesen. Für den Tagebau Lohsa wurde sie 1962 zwischen Lohsa und Uhyst zwar auf die heutige Trasse umverlegt, aber schon damals war ein zweigleisiger Korridor geplant, wie man deutlich an der Brücke am Motodrom Lohsa und hier und da auch an der Strecke sehen kann. Jetzt sind Schallschutzwände geplant. Seitens der Gemeinde prüft man die Planunterlagen in zwei Richtungen. Zum einen muss man darauf achten, dass die Oberflächenentwässerung, deren Abflüsse auch durch den Bahndamm führen, so nivelliert werden, dass ein Abfluss gewährleistet ist. Seitens der Bahn, so Tietze sei angedacht, dass alle ingenieurtechnischen Bauwerke wie Durchlässe, Brücken und ähnliches neu gebaut werden. Die Gemeinde schaut, ob alle Durchlässe erfasst sind.

Für die Bewohner viel wichtiger sei freilich das Thema Schallschutz. Für jede Siedlung entlang der Strecke gibt es Karten, auf denen die Messungen und Berechnungen zu sehen sind, wie weit der Lärm der Züge in welcher Dezibelstärke reicht. Drei Meter hohe Schallschutzwände sind im Bereich der Gemeinde bislang nur in Driewitz am Bahnübergang, in Litschen zwischen den beiden Bahnübergängen und ein Stück südlich der Uhyster Straße, sowie in Lohsa im Bereich des jetzigen Bahnhofs geplant. Richtung Naherholungsgebiet am Silbersee ist nichts angedacht. Da will die Gemeinde von sich aus Verbesserungen fordern. Doch besser wäre es schon, wenn aus der Bürgerschaft Hinweise kämen. In Klitten beispielsweise hat sich sogar eine Bürgerinitiative gegründet, um die Interessen der Streckenanlieger besser vertreten zu können.

Anhörungsverfahren Bahnausbau

Was liegt aus: Planunterlagen für das Bauvorhaben „Ausbau und Elektrifizierung Knappenrode-Horka-Grenze, Genehmigungsabschnitt 2a Bahnhof Niesky-Bahnhof Knappenrode“.
Wer darf einsehen: Jedermann, Einwände dürfen aber nur direkt Betroffene äußern, am besten als Fax oder Brief.
Was ist dabei zu beachten: Die Ist-Situation und die zu erwartende Verschlechterung für die eigene Gesundheit oder den Wertverlust des Grundstücks sollten dargestellt werden.
Hier liegen die Unterlagen aus: Rathaus der Gemeinde Lohsa, Am Rathaus 1, Mo. und Di. 7-12/ 12.30-16.15 Uhr, Mi. 7-12/ 12.30-16 Uhr, Do. 8.30-12/ 12.30-18 Uhr, Fr. 7-12.15 Uhr

 

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