Guter Rat fürs Rad


von Tageblatt-Redaktion

Ein prüfender Blick von Klaus Waury, ein skeptischer vom elfjährigen Spyros.
Ein prüfender Blick von Klaus Waury, ein skeptischer vom elfjährigen Spyros.

Es ist nur eine Kleinigkeit. Etwas Öl braucht die Kette des neuen Fahrrades. Dem elfjährigen Spyros kann rasch geholfen werden. Ruck, zuck ist das Bike eingespannt und Klaus Waury greift zum Schraubenschlüssel. Alleine wird der Mann die Kleinigkeit nicht erledigen. Der Junge hilft ihm. Soll er auch. Nicht nur, weil es ja sein eigenes Rad ist.
Die Szene spielte sich am Montagnachmittag im Keller der Hoyerswerdaer Schweitzerstraße 30 ab. Die Fahrradselbsthilfewerkstatt ist ein Angebot des Mehrgenerationenhauses, das seinen Sitz ein paar Hundert Meter weiter hat. Seit Ende 2007 gibt es sie. Genauso lange ist Klaus Waury dabei. „Hauptsächlich kommen Neun- bis 16-Jährige“, sagt der 56-Jährige. Er und sein ein Jahr älterer Kollege Jürgen Rüdiger öffnen die Selbsthilfewerkstatt jeden Montag und Dienstag. „Wir haben gut zu tun“, sagt der gelernte Zweiradmechaniker Klaus Waury. „Besonders jetzt im Frühjahr.“ Jeder, der sein Rad fit macht, muss auch Problemstellen beachten.

Der Name der Werkstatt ist Programm. Die Reparatur ist für Kinder und Jugendliche kostenlos. Das hilft gerade denjenigen, in deren Familien das Geld nicht so locker sitzt. Die jungen Leute können und sollen aber auch mit anpacken. Und dabei etwas lernen. Etwa 50 Kinder und Jugendliche kommen pro Quartal. „Sie haben Probleme mit den Bremsen oder einen Platten. Manche brauchen eine neue Kette oder einen neuen Schlauch“, erläutert der Werkstattleiter. Und so einfach, wie eine Radreparatur mitunter aussehen mag, ist sie nicht. Manche Räder sind heutzutage komplexe Maschinen. Da kann man schon am Ausspannen des Hinterrades verzweifeln.

Zu den Männern in die Schweitzerstraße kommen nicht nur Jungs, die ihr Rad reparieren wollen. Es wurde auch schon mal ein Rahmen angebracht mit dem Wunsch, ein eigenes Rad zusammenzubauen. Klaus Waury kann von zwei Jungs erzählen, die durch die Basteleien in dem Wunsch bestärkt worden sind, Zweiradmechaniker werden zu wollen. Der 56-Jährige ist kein Sozialarbeiter, aber man merkt schnell, dass er einen guten Draht zu den Kindern und Jugendlichen finden kann. Für einige hat er auch mal den Besuch einer Fahrradmesse in Leipzig organisiert. Zudem unterstützt er die Verkehrswacht bei der Fahrradausbildung der Grundschüler.

Zu Klaus Waury und seinem Kollegen können auch Erwachsene kommen, die ein Rad-Problem haben. Ihnen kann auch geholfen werden – gegen eine Spende. Mit dem Geld werden unter anderem Fette, Reinigungsmittel oder Kleinteile eingekauft. Wenn etwas mehr übrig bleibt, kann Werkzeug angeschafft werden.
Klaus Waury ist in Hoyerswerda ausschließlich mit dem Fahrrad unterwegs. Das schärft auch den Blick für die allgemeine Verkehrssicherheit. Er setzt auf die Verantwortung der Eltern. „Ich würde mir wünschen, dass manchmal lieber ein Euro mehr ins Rad gesteckt wird, damit kein Unfall gebaut wird.“ Um den elfjährigen Spyros muss man sich vermutlich keine Sorgen machen. Er hat jetzt nicht nur ein verkehrssicheres Rad, sondern auch einiges gelernt. Der wissbegierige Junge bekam am Montag von Klaus Waury gleich noch erklärt, wie ein Halogenstrahler funktioniert.


Öffnungszeiten: Mo/Di, 15 bis 19 Uhr, Kontakt über den Nachbarschaftshilfeverein (NHV): G 03571 974142



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