Gaskonzern verlässt Versorgungsbetriebe


von Tageblatt-Redaktion

Verbundnetzgas ist bei den Versorgungsbetrieben nun ’raus.
Verbundnetzgas ist bei den Versorgungsbetrieben nun ’raus.

Da wären es also nur noch drei: Der Verkauf der 15,1 Prozent-Beteiligung der Leipziger VNG-Erdgascommerz GmbH an den Versorgungsbetrieben Hoyerswerda VBH ist perfekt. Der Notarvertrag ist unterschrieben und die Städtischen Wirtschaftsbetriebe SWH haben den Kaufpreis in Höhe von einigen Millionen Euro vor zwei Wochen überwiesen. Es fehlt nur noch eine Formalie, der Eintrag ins Handelsregister nämlich. Damit bleiben von den vier bisherigen Gesellschaftern der VBH drei übrig, wobei die SWH mit ihrer nunmehrigen Fast-80-Prozent-Beteiligung im Aufsichtsrat jetzt die Zweidrittelmehrheit klar aufbieten und die Minderheits-Eigner Spreegas Cottbus und EnviaM Chemnitz dominieren können – wenn sie wollen. Zuletzt lief das Ganze wohl häufiger in die andere Richtung, deutet SWH-Chef Falk Brandt an: „Es ist schon schwierig, wenn der Gesellschafter zugleich Lieferant ist.“ Bisher war es vereinfacht gesagt so: VNG liefert Gas an Spreegas, das es an die VBH weiter veräußert und enviaM ist deren Strom-Verkäufer. Warum aber sollten sie dem Einkauf auf womöglich für die VBH günstigeren Wegen zustimmen, wenn sie so ihren Umsatz schmälern würden? „Das ist auch einer der Gründe, warum die VBH-Preisgestaltung nicht optimal ist“, sagt Falk Brandt über die Abhängigkeit von den Mitgesellschaftern, die zudem immer häufiger auch als Mitbewerber auftreten. Der SWH-Chef verweist in diesem Zusammenhang auf eine an die Hoyerswerdaer gerichtete Spreegas-Reklame. Zugleich gab es seitens der VBH bisher Beißhemmungen, auch im Versorgungsgebiet der Gesellschafter auf Kundenfang zu gehen, also Strom und Gas zum Beispiel auch in die Elsterheide-Dörfer zu liefern.
Spreegas und enviaM haben sich ein Türchen zum Komplett-Ausstieg geschaffen, falls ihre Interessen nun ganz unter die Räder kommen sollten. Mit den SWH wurden sogenannte Put-Verträge ausgehandelt, was die Abwicklung des Deals mit VNG etwas verzögerte. Chemnitzer und Cottbuser können nun bis zum Sommer 2013 zu denselben finanziellen Bedingungen aussteigen wie die Leipziger. Falk Brandt macht keinen Hehl daraus, dass er sich darüber nicht unbedingt ärgern würde: „Sehen Sie, 35 Prozent der Gewinne der VBH sind bisher nach Leipzig, Chemnitz und Cottbus abgeflossen.“ Und nur von VNG sei in Form finanzieller Unterstützung für die Stadt etwas zurück gekommen. Die VBH hingegen helfen über einen steuerlichen Querverbund nicht nur, die Verluste der anderen SWH-Töchter zu tragen. Sie treten, während das Rathaus immer klammer wird, auch verstärkt als Sponsor in der Stadt auf. Da tut es weh, wenn wie 2010 von 10,8 Millionen Euro Jahresgewinn gut drei Millionen an die VBH-Minderheitsgesellschafter überwiesen werden müssen. „Die VBH hat ihre Wertschöpfung fast ausschließlich in der Stadt Hoyerswerda. Da sollten die Erträge auch hier in der Stadt eingesetzt werden“, ist jedenfalls Falk Brandt überzeugt.

Konzernverbund der Wirtschaftsbetriebe

Städtische Wirtschaftsbetriebe SWH:
Holding im Eigentum der Stadt; ging 2009 aus den Stadtwerken hervor; Geschäftsführer ist Falk Brandt
Versorgungsbetriebe Hoyerswerda VBH: Strom-, Gas-, Wasser- und Fernwärmever- und Abwasserentsorger; gegründet 1993; Eigentümerstruktur bisher: 64,8 % SWH, zehn Prozent enviaM, 10,1 % SpreeGas, 15,1 % Verbundnetzgas; Geschäftsführer ist Steffen Grigas
Verkehrsgesellschaft SchVwarze Elster VSE: 100-%-Tochter der SWH; bedient vor allem den Stadtbusverkehr; gegründet 1992; Geschäftsführer ist Rainer Warkus
Lausitzbad GmbH: 100-%-Tochter der SWH; Bad-Betreiber; gegründet 1998; Geschäftsführer ist auch hier Rainer Warkus
Energie Erzeugungsgesellschaft EEH: 100-%-Tochter der SWH; erzeugt Energie aus Öko-Quellen; gegründet erst 2011; Geschäftsführer ist Dr. Thomas Schmidt
Lausitzhalle GmbH: 100-%-Tochter der SWH; betreibt Halle und Touristinfo; kümmert sich um Seenland-Messe und Stadtfest; gegründet 1992; Geschäftsführer ist Sven Tietze



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