Foucaults mit bestem Abi-Schnitt aller Zeiten


von Tageblatt-Redaktion

Schulleiter Uwe Blazejczyk mit Nadine Heyse, Ulrike Rattke, Lisa Meyer, Sarah Mann und Klara Tillack -v.li.-.
Schulleiter Uwe Blazejczyk mit Nadine Heyse, Ulrike Rattke, Lisa Meyer, Sarah Mann und Klara Tillack -v.li.-.

Von Ulrike Herzger und Mirko Kolodziej

Abitur – höhere Reife. Seit ein paar Tagen wissen auch Hoyerswerdas Zwölftklässler, ob sie darüber verfügen oder nicht. Die Ergebnisse der schriftlichen Prüfungen sind schon seit Anfang des Monats bekannt, zum Beispiel den 78 jungen Damen und Herren, die dieses Jahr am Léon-Foucault-Gymnasium an ihrem Abschluss gearbeitet haben. Und während einige von ihnen noch in den mündlichen Prüfungen versuchten, die Nerven zu bewahren, konnten sich fünf Zwölftklässlerinnen der Schule im Stadtzentrum bereits gelassen zurücklehnen. Ulrike Rattke, Nadine Heyse, Sarah Mann, Klara Tillack und Lisa Meyer haben jedes einzelne Unterrichtsfach mit einer Eins abgeschlossen. Der Lohn dafür ist ein Traum-Abi mit jeweils einem Zensuren-Durchschnitt von 1,0.

Mit aufgeschlossener Fröhlichkeit strahlten sie Schulleiter Uwe Blazejczyk an, als er ihnen mitteilte, was sie als beste Absolventen des Jahrgangs 2015 noch so erwartet. Denn bevor am Sonnabend der nächsten Woche für alle Abiturienten die feierliche Übergabe der Abschlusszeugnisse in der Lausitzhalle vonstatten geht, erfahren die fünf jungen Damen am Donnerstag davor die traditionelle Extra-Ehrung im Foyer des Gymnasiums, wo sich dann an der Namenswand der jeweiligen Jahrgangsbesten auch ihre Namenszüge finden werden. „Dabei bringt ihr uns diesmal ganz schön ins Schwitzen, vor allem die Mitarbeiter der Werbefirma, denn noch nie mussten sie gleich fünf Namen an unsere Besten-Wand zaubern“, scherzte der Direx schmunzelnd und erntete ein verständnisvolles Lachen. Zugleich bestärkte er die Schülerinnen darin, dass sie auf ihre erbrachten Leistungen stolz sein dürfen und bescheinigte: „…wobei ihr nie nur für euch selbst so einen Ehrgeiz entwickelt habt, sondern auch den anderen Mitschülern gegenüber immer hilfsbereit wart.“

Auch sei dieser Jahrgang ein ganz besonderer, denn 35 Prozent der Abiturienten werden ein Einser-Abitur ablegen, was das bisher beste jemals am Foucault-Gymnasium erzielte Resultat sei. Alles in allem bringe das einen super Gesamtdurchschnitt. Aber mehr gab er zunächst nicht preis. Nun verrieten die 18-jährigen Hoyerswerdaerinnen etwas von ihren Zukunftsplänen für die Zeit nach den Sommerferien, die sie noch einmal ausgiebig genießen werden. So wird die Kühnichterin Ulrike Rattke mit ihrer Familie jetzt im Sommer sogar nach China reisen, bevor sie an der TU Dresden im Wintersemester ins Wirtschaftsingenieurwesen einsteigt.

„Noch bin ich auf der Suche nach einer Unterkunft und kann mir gut eine WG vorstellen. Wichtig ist mir auch der sportliche Ausgleich, den ich wieder in einem Taekwondo-Verein finden werde“, zeigt sich Ulrike Rattke optimistisch. Seit zwei Jahren hat sie bereits den Schwarzen Gürtel. Dass Sport schon seit dem Besuch der Erich-Kästner-Grundschule im WK X zu ihrem Leben gehört, erfährt man von Nadine Heyse. Zuerst war es Schwimmen, dann ging sie zum Handball und wechselte schließlich zum Volleyball. Sport mache den Kopf frei; so hatte sie bereits im vergangenen Jahr klare berufliche Ziele und bewarb sich erfolgreich an der Polizeihochschule Rothenburg; vielleicht wird die Kriminalistik einmal ihr Hauptgebiet, sagt sie auf Nachfrage „… doch riesig gefreut habe ich mich erst einmal über die Zusage, denn so bin ich meinem Traumberuf ein Stück näher. In den Ferien geht es mit Freundinnen aber erst einmal nach Mallorca und dann mit der Familie auf eine Aida-Kreuzfahrt“, ergänzt Nadine Heyse. Für Sarah Mann gehörten ihre Leistungskurse Deutsch und Englisch sowie Psychologie zu den Lieblingsfächern. Im Wintersemester will sie ein Psychologiestudium beginnen und später im Personalwesen arbeiten. Dabei wird sie ihr Weg aus Fußballgründen nach Nordrhein-Westfalen führen. „Ich bin wie meine ganze Familie Schalke-Fan und kann so auch mehr im Stadion sein“, freut sie sich. Klara Tillack will Pharmazie studieren. „Ich möchte den Menschen einmal gesundheitlich helfen können. Vielleicht gehe ich später in die Forschung, denn mich interessiert auch die Bionik sehr“, erzählt die Bröthenerin - freut sich aber wie ihre Freundin Lisa Meyer zunächst auf ein paar gemeinsame Ferientage in Österreich. Und wie von dieser zu erfahren ist, möchte sie im Wintersemester mit einem Psychologie-Studium beginnen und findet besonders die Neurowissenschaft sehr interessant.

Lessings Spitzen-Gymnasiastin kann sich eine Zukunft in der Region vorstellen

Mit einem Zuckertütenbaum in der Adler-Grundschule begann vor zwölf Jahren die schulische Karriere von Aileen Kastner. Im schwarz-türkisen Abiball-Kleid wird sie an diesem Sonnabend, wenn das Lessing-Gymnasium feiert, enden. Besser als die 18-Jährige aus Michalken kann man es nicht machen. Mehr als 1,0 geht schließlich nicht. Geschenkt bekommt so ein Ergebnis natürlich niemand. Die Oberstufe, sagt die junge Frau denn auch, sei durchaus anspruchsvoll gewesen – inklusive der Zehn-Stunden-Tage, die ein Abiturient einschließlich der Hausaufgaben schon einmal haben kann. Doch das Lernen hat sich gelohnt, zeigten auch die Prüfungen. Aileen Kastner hat Mathe, Deutsch und Englisch geschrieben. Mündlich waren Geografie und Musik dran.

Letzteres ist auch ein Hobby der 18-Jährigen. Sie spielt Klavier und war mit dem Jugendchor ihrer Schule noch am vergangenen Wochenende beim Kinder- und Jugendchorwettbewerb im nordrhein-westfälischen Erwitte. „Musik macht Spaß und der Chor ist eine tolle Gemeinschaft“, erfährt man von ihr. Bis zur zehnten Klasse lernte Lessings Spitzenabiturientin des Jahrgangs 2015 sogar im Musik-Spezialprofil der Schule.

Für gewöhnlich erwartet man, dass die Besten der Besten nach dem Abi der Stadt den Rücken kehren. Für die Ausbildung geht das auch kaum anders. Aber die Rückkehrerquote ist eher mau. Aileen Kastner jedoch könnte der Region unter Umständen erhalten bleiben. „Ich fühle mich hier sehr wohl. Ob das zum Schluss ausreicht, ist natürlich eine andere Frage“, sagt sie. Aber letztlich ist die finale Entscheidung über die persönliche Zukunft auch noch gar nicht getroffen. Ins Auge gefasst ist jetzt zunächst einmal ein Jahr im Ausland. Erst danach steht die endgültige Wahl des Studienfaches an. „Medizin ist sehr wahrscheinlich“, erzählt Aileen Kastner. Sie hat eine Reihe von Praktika absolviert und eines in der Chirurgie des Hoyerswerdaer Seenland-Klinikums ergab: Das könnte etwas für die Zukunft sein. Und wenn es so kommt, dann sollte es auch in Hoyerswerda Möglichkeiten für eine berufliche Perspektive geben. Bekanntlich hat die Stadt gemessen an Wartezeiten und Fahrtwegen eher zu wenige als zu viele Ärzte. Und auch wenn es Aileen Kastners Mitschüler jetzt erst einmal in alle vier Winde zerstreut: Freunde und Familie sind schon ein Grund dafür, dass die 18-Jährige sagt: „Studieren würde ich lieber in der Nähe als weit weg.“



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