Fledermäuse kehren nach Lohsa zurück


von Tageblatt-Redaktion

Die Fledermäuse sind wieder in die Lohsaer Kirche zurückgekehrt. Nun hofft die Gemeinde, dass die Population weiter wächst.
Die Fledermäuse sind wieder in die Lohsaer Kirche zurückgekehrt. Nun hofft die Gemeinde, dass die Population weiter wächst.

Sie hatten sich alle Mühe gegeben, Fördermittel beschafft, die Bauzeiten in Monate verschoben, wo sonst kaum jemand baut, und alle anfallenden Arbeiten in möglichst ursprünglicher Art und Weise ausgeführt. Und das alles nur, um die Lohsaer Kirche fledermausfreundlich zu sanieren. Man hatte handeln müssen. Hausschwamm, Hausbock und Nässefäule schädigten über viele Jahre den Dachstuhl der barocken Kirche. Doch die Großen Mausohren (lat. Myotis myotis) kamen nicht wieder. Drei Jahre lang hofften Gemeindekirchenrat und natürlich auch die Planerin. Aber die Fledermäuse, von denen niemand weiß, wo sie ihr Winterquartier aufschlagen, kamen nicht in ihr angestammtes Sommerdomizil. Vor der Sanierung flogen sie immer so im März ein und nutzten den Dachboden als Wochenstube für ihre Jungen. Noch im Juni dieses Jahres sagte Gemeindekirchenrat Günter Wenk gegenüber TAGEBLATT, dass vielleicht mal die eine oder andere Fledermaus da war, aber die scheuen Untermieter sich nicht dauerhaft niedergelassen haben. Hatte man bei der Sanierung vielleicht doch etwas falsch gemacht?
Nein, wahrscheinlich nicht. Denn vielleicht waren die einzelnen Fledermäuse ja so eine Art Kundschafter. Seit wenigen Wochen sind wieder mindestens dreißig Tiere da. Günter Wenk ist darüber richtig froh. Eines Tages hatte man bei einer der Routinekontrollen auf dem Dachboden deutliche Kotspuren auf den ausgelegten Planen gefunden. Obendrüber, im Lichtkegel der Taschenlampe, waren sie in einem Sparrenfeld in Dreierreihe hängend zu sehen: Große Mausohren. Günter Wenk zählte sie auf einem Foto aus. Und sie blieben nicht nur ein paar Tage. Die Jäger der Nacht waren tatsächlich wieder eingezogen. So still und unauffällig wie sonst auch.
An diesem Wochenende kommt Arndt Hochrein vom Sächsischen Fledermausverband sich die Population anschauen. Die Bautzener Planerin Theresa Böhmak, die die Sanierung der Kirche seit einigen Jahren betreut, wird darstellen, was man sich hatte alles einfallen lassen, um die Kirche fledermausfreundlich zu gestalten. Die Plakette, dass es ein Fledermausquartier sei, prangte ja schon seit Jahren neben dem Kirchturm an der Fassade. Jetzt stimmt es auch wieder.
Momentan ist es allerdings etwas schwierig, die Fledermäuse zu fotografieren. Sie haben sich im Gebälk verteilt. Es ist bei den derzeitigen Temperaturen einfach zu warm unter dem Dach. Da kuscheln nicht einmal die Fledermäuse. Allzu lange werden sie ohnehin nicht bleiben. Vor der Sanierung, so erinnert sich Günter Wenk, blieben sie immer so bis Anfang September und verschwanden dann genauso still auf einen Schlag, wie sie im Frühjahr gekommen waren.
Günter Wenk hofft jetzt natürlich, dass die Großen Mausohren der Lohsaer Kirche im nächsten Frühjahr wiederkehren. Und vielleicht wächst die Population der vom Aussterben bedrohten Tiere wieder auf 200 Individuen an.



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