Feuerfalter behinderte Grabenbau


von Tageblatt-Redaktion

Dies ist einer der beiden Gräben in Zerre, der die Einwohner vor dem Grundwasser schützt
Dies ist einer der beiden Gräben in Zerre, der die Einwohner vor dem Grundwasser schützt

Das steigende Grundwasser in Spreetal war jetzt Thema einer Anhörung des Umwelt-Ausschusses im Sächsischen Landtag. Bürgermeister Manfred Heine und Richard Teuchert von der sogenannten Wassergruppe, die den Gemeinderat berät, waren unter den geladenen zehn Experten, die zu einem Antrag der Linksfraktion Stellung nehmen sollten. Sie verlangt unter anderem, dass der Freistaat sich nach dem Beispiel von Sachsen-Anhalt dauerhaft in dafür zu schaffenden Gremien mit hohen Grundwasserständen und Vernässungen auseinandersetzen soll.
Das Nachbarland hat jetzt ein 30-Millionen-Euro-Hilfsprogramm aufgelegt, berichtete Wolfgang Milch vom Umweltministerium in Magdeburg. Wie der Oberbürgermeister von Schönebeck, Hans-Jürgen Haase, sagte, stehen allein in seiner Stadt rund 2 000 Bauten im beziehungsweise unter Wasser. Und auch andere Regionen haben erhebliche Probleme. Ludwig Luckner vom Dresdener Grundwasserforschungszentrum etwa verwies darauf, dass die Berliner Wasserbetriebe vom Senat dazu angehalten sind, deutlich mehr Wasser zu fördern, als sie verkaufen können. Der Überschuss werde ungenutzt in Spree oder Havel abgeleitet.
Heißt es in einer Stellungnahme von Sachsens Umweltminister Frank Kupfer, Schwierigkeiten wegen steigenden Grundwassers stünden „in den meisten bekannten Problemfällen im Zusammenhang mit aufgelassenem Bergbau“, sehen einige Experten das anders. Ludwig Luckner etwa wies auf den Umstand hin, dass Wasserwerke wegen zurückgehenden Bedarfs allgemein weniger Grundwasser fördern. Unter anderem der Hydrologe Uwe Grünwald von der Brandenburgischen Technischen Universität in Cottbus machte auf größere Regenmengen aufmerksam.
Wie bei den „Altvorderen“
Für seine Gemeinde sagte Manfred Heine mit Verweis auf die fertiggestellten Bauarbeiten in Zerre, die Schaffung von Gräben würde durchaus helfen. Man hätte früher auf die Gewohnheiten der „Altvorderen“ zurückgreifen sollen: „Hätten wir deren Gräben ordentlich gepflegt, wäre das Wasser längst darin gewesen.“ Richard Teuchert schränkte ein, die Ableiter müssten heute aber tiefer sein, da es die Keller der inzwischen gebauten Häuser auch seien. Zudem bekräftigte er seine Auffassung, dass durch den kompletten Umbau der Landschaft das Wasser nicht nur auf das Vorbergbau-Niveau ansteigt: „Es wird höher sein.“ Nach Teucherts Angaben kletterte der Wasserstand in Spreetal innerhalb des letzten Jahrzehnts um gut acht Meter.
Manfred Heine wünschte sich in der Anhörung auch, dass die Genehmigungsverfahren künftig schneller laufen müssten als in Zerre, wo man drei Jahre gebraucht habe. „Da blockierte uns der Große Feuerfalter“, so der Bürgermeister mit Verweis auf Bedenken der Naturschutzbehörden. Lösungsansätze für das mit dem Grundwasseranstieg in der Region im Zusammenhang stehende Problem des Ausspülens von Eisen und Sulfaten wurden in Dresden nicht diskutiert. Die Spree nördlich von Spreewitz gebe „ein trauriges Bild“, sagte die Chefhydrologin des Brandenburger Umwelt-Landesamtes, Karin Materne, mit Bezug auf die Braunfärbung des Wassers. Der Grenzwert für Eisen von drei Mikrogramm je Liter sei häufig überschritten. Hier und da liege er etwa beim Doppelten.



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