Erst trainieren, dann erfrischen


von Tageblatt-Redaktion

Worauf es bei einem Löschangriff ankommt, welche Handgriffe wichtig sind, dies erklären Ausbilder der Landesfeuerwehrschule Nardt den Nachwuchs-Floriansjüngern.
Worauf es bei einem Löschangriff ankommt, welche Handgriffe wichtig sind, dies erklären Ausbilder der Landesfeuerwehrschule Nardt den Nachwuchs-Floriansjüngern.

Soll man sich heftige Regenschauer wünschen? Tagelang anhaltend und dazu Temperaturen, die einen nicht frösteln lassen, wenn man dem Nass von morgens bis abends ausgesetzt ist? Einige der Jugendlichen, die sich am Mittwochvormittag auf dem Gelände der Landesfeuerwehrschule Nardt ein schattiges Plätzchen gesucht haben, schauen etwas gequält. Ja, so eine Abkühlung von oben fänden sie bestimmt toll. Wäre sicher besser als diese brütende Hitze, in der sich seit Anfang dieser Woche 77 junge Feuerwehrleute aus 23 sächsischen Jugendfeuerwehren auf eine Prüfung vorbereiten, mit deren Bestehen sie in der Wehr-Hierarchie aufsteigen werden. Für alle wäre es ein erster Schritt auf dem Weg zu einem gestandenen aktiven Feuerwehrmann respektive -frau.
Alljährlich wird in der Landesfeuerwehrschule in den Sommerferien eine Ausbildungswoche für Jugendliche der sächsischen Feuerwehren durchgeführt. Eine, bei der es als Belohnung für alle Mühen die Leistungsspange der Deutschen Jugendfeuerwehr gibt. Vorausgesetzt, man kann in fünf Disziplinen genügend Punkte sammeln.
Das subtropische Klima macht es den 15- bis 18-Jährigen der diesjährigen zehnten Ausbildungswoche alles andere als leicht. Ein Teenager fiel zeitweise wegen eines Sonnenstichs aus. Fit müssen die Jungen und Mädchen sein, denn neben einem theoretischen Teil muss der Löschangriff fehlerlos beherrscht werden, ebenso wie das schnelle Zusammensetzen von Schläuchen. Kraft und Schnelligkeit sind beim Kugelstoßen und beim Staffellauf über 1 500 Meter gefragt.
An Mittwochvormittag geht bei der Vorbereitung für den Löschangriff so mancher Blick zum gefüllten Löschwasserbecken. Baden gehen, das wäre jetzt schön. Aber erst nach getaner Arbeit. So bezeichnet Anja Ullrich den Aufenthalt in Nardt. Für sie hat diese Woche keineswegs Ferienlagercharakter, auch wenn zum Rahmenprogramm Badeausflüge in die Umgebung gehören. Seit ihrem sechsten Lebensjahr ist die 16-Jährige Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Kreba. Unter ihrem Helm rinnt der Schweiß in Strömen. Klar, sei es furchtbar heiß. Aber „wir ziehen das hier knallhart durch“.

Seit zehn Jahren haben junge Feuerwehrleute in Nardt die Gelegenheit, die Leistungsspange, das höchste Leistungsabzeichen für ein Mitglied der Jugendfeuerwehr, abzulegen. 1383 Jugendliche bestanden bisher die Prüfung. In diesem Jahr seien gar 21 Mädchen dabei, erzählt Andreas Huhn, der stellvertretende Landes-Jugendfeuerwehrwart. Das sei die Bestätigung einer erfreulichen Tendenz, meint der 52-Jährige. Denn immer mehr junge Frauen zieht es zu den Floriansjüngern, zumindest im Osten Deutschlands. Rund 25 Prozent der sächsischen Feuerwehrmitglieder seien weiblich, so Andreas Huhn weiter. Der Grund für das Interesse: „Zusammengehörigkeitsgefühl und Teamgeist fasziniert die Mädchen.“ Viele wollten mit ihrem Engagement auch einen „gesellschaftlichen Beitrag“ leisten, weiß Andreas Huhn. Landes-Jugendfeuerwehrwart Norbert Weigelt findet gar, dass sich ein hoher Frauenanteil in so mancher Feuerwehr auf den Umgangston positiv auswirken werde. Den Ton geben in dieser Ausbildungswoche in der Tat einige der Mädchen an. Zu erkennen ist das an der selbstbewussten Art, wie sie ihre neunköpfigen Gruppen von Übung zu Übung führen – was dabei ein wenig ans Militär erinnert. „Das gemeinsame Marschieren soll die Disziplin stärken“, beschreibt es Norbert Weigelt. Fällt das etlichen nicht schwer? Huhn und Weigelt nicken. Disziplin sei aber wichtig. Folglich sei es interessant zu verfolgen, wie sich „ die Jugendlichen dabei selbst formen.“

Inwieweit sich diese gruppendynamischen Prozesse auf den Ablauf der Prüfung auswirken werden, wird sich am heutigen Freitag zeigen. Denn dann wird es ernst, müssen alle zeigen, was sie gelernt haben in den vergangenen Tagen. Heiß wird es wohl wieder werden. Die Meteorologen haben jedenfalls für diesen Teil der Region keinen Regen angesagt. Aber was macht das schon? „Das Wetter kann man sich ja bei einem Einsatz auch nicht aussuchen“, meint einer der jungen Feuerwehrleute.

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