Endspurt auf der Kanalbaustelle


von Tageblatt-Redaktion

Am Koschener Kanal schaltet die Ampel bald auf Grün
Am Koschener Kanal schaltet die Ampel bald auf Grün

Den Blick kriegt man so schnell nicht wieder: sieben Meter in die Tiefe, in die noch trockene Schleusenkammer des Koschener Kanals zwischen Senftenberger und Geierswalder See. Denn in wenigen Tagen, am Nachmittag des 1. Juni, wird der erste seenverbindende schiffbare Kanal im Lausitzer Seenland im Zuge der Besuchertage feierlich in Betrieb gehen. Die erste offizielle Bootsfahrt vom Senftenberger Amphitheater aus durch den Kanal unternehmen bekanntlich die Ministerpräsidenten der Länder Brandenburg und Sachsen, Matthias Platzeck und Stanislaw Tillich.

Sie fahren durch die Schleuse sozusagen „bergauf“ Richtung Geierswalder See, dessen Wasserstand zwei Meter höher ist als der des Senftenberger Sees. Die beiden Politiker werden aus Zeitgründen jedoch nicht den gesamten 1 050 Meter langen Kanal plus den Geierswalder See durchqueren und am neuen Schiffsanleger in Geierswalde aussteigen, sondern bereits am Schleusenwärterhaus in Großkoschen. Dort endet der „offizielle“ Akt der Kanaleinweihung.

 Das Schleusenwärterhaus mit der hübschen blau-grünen Fassadenverkleidung und der markanten Quaderform ist ein echter Hingucker. Eingerüstet ist es nicht mehr. „Wir befinden uns in der Endphase des Baus“, sagt Michael Matthes, Abteilungsleiter im Sanierungsbereich Lausitz beim Bergbausanierer LMBV. Wie zum Beweis, dass es hier demnächst richtig maritim zugehen wird, kreisen kreischende Möwen über der Anlage. Emsig gearbeitet wird aber dennoch, sowohl im Inneren als auch rund um das Haus. „Drinnen wird gerade verkabelt“, erklärt Michael Matthes.

Von dort bedient der Wärter künftig die Schleuse. Hoch oben im Leitstand mit Blick in die 29,5 Meter lange Schleusenkammer befindet sich sein Arbeitsplatz. Ins Untergeschoss des Hauses soll 2014 bekanntlich Gastronomie einziehen. Oder, wie Michael Matthes meint: „Oben die Arbeit, unten das Vergnügen.“ Momentan ist aber auch „unten“ noch Arbeit angesagt. Hinter dem Gebäude entsteht derzeit eine Kleinkläranlage, rings ums Haus werden Pflastersteine gelegt. Außerdem ist auf den Außenanlagen Rasen eingesät worden.

Vielleicht ist bis zum 1. Juni schon alles grün. Neue Lampen stehen oberhalb der Schleusenkammer, ebenso Überwachungskameras. Diese ganzen „kleineren“ Feinarbeiten seien aufwendiger als beispielsweise die Bewegung großer Erdmassen. Apropos: Erde muss demnächst auch noch bewegt werden. Der Trenndamm aus Sand in der ehemaligen Kohlebahnausfahrt vor dem Kanaleinlauf wird noch entfernt, so der LMBV-Abteilungsleiter. Der Damm wurde errichtet, um „im Trockenen“ an der Schleuse bauen zu können, damit nicht unkontrolliert Wasser aus dem Geierswalder See zufließen kann. Dessen Wasserstand wurde auf 99,5 m NHN gehalten. Normal wären 101 m. In der Kohlebahnausfahrt selbst steigt das Wasser seit einigen Tagen nun langsam wieder an. „Innerhalb von sieben Tagen wird der Wasserstand des Geierswalder Sees erreicht“, sagt Michael Matthes. Das bedeutet 30 Zentimeter Anstieg pro Tag – eine geotechnische Vorgabe.

Das Kanalbett, dort, wo die frühere Kohlebahnausfahrt und die künftige Wasserstraße aufeinandertreffen, ist mittlerweile auch komplett mit Wasser gefüllt. Sechzig Zentimeter Wasserstand mögen es sein. Das überrascht sogar die LMBV-Mitarbeiter. „Vorgestern“, sagt Unternehmenssprecher Uwe Steinhuber, „konnte man hier noch durchlaufen.“
Bis 1. Juni seien die Hauptarbeiten auf der riesigen Baustelle abgeschlossen, sagt Michael Matthes. Jedoch sind nach diesem Tag beispielsweise noch Baustraßen zu entfernen, und auch die Verkehrsführung muss noch geändert werden, so dass Radfahrer von der Radwegbrücke über die Elster gefahrlos auf den – ab 1. Juni wieder durchgängig befahrbaren – Rundweg um den Geierswalder See gelangen.

„Das ist eine spannende Baustelle“, meint Uwe Steinhuber abschließend. Das Projekt sei auch für die LMBV „Neuland“ gewesen. „Wir haben einiges dazugelernt.“



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