Elsterbienchen vertreiben Senioren die Einsamkeit


von Tageblatt-Redaktion

Heike Haase sorgt dafür, dass die 91-jährige Katarina Stasch regelmäßig mit dem Rollstuhl ihre Wohnung verlassen kann. Foto: KD
Heike Haase sorgt dafür, dass die 91-jährige Katarina Stasch regelmäßig mit dem Rollstuhl ihre Wohnung verlassen kann. Foto: KD

Von Katrin Demczenko

Rund 50 alleinstehende und mobil eingeschränkte Senioren werden derzeit von 16 „Elsterbienchen“, ehrenamtlichen Alltagsbegleitern, in ihren Wohnungen im Stadtgebiet Hoyerswerda betreut. Dazu gehört auch die 91-jährige Katarina Stasch, um die sich Heike Haase seit drei Jahren kümmert. Die Alltagsbegleiterin übernimmt jene Aufgaben, für die Pflegedienste und professionelle Haushaltshilfen nicht zuständig sind, die aber die Lebensqualität der Menschen entscheidend verbessern. Heike Haase ermöglicht Katarina Stasch vor allem, regelmäßig mit ihrem Rollstuhl die Wohnung verlassen zu können. Sie kann durch diese Hilfe auf dem Markt einkaufen oder den Friedhof besuchen. Die Frauen gönnen sich auch mal ein Eis und halten immer einen guten Schwatz. Sie sind ein eingespieltes Team, und Katarina Stasch freut sich jede Woche auf den Donnerstag, wenn Heike Haase kommt. „Sie weiß, wo alles ist und denkt an Dinge, die ich vergesse“, beschrieb die Seniorin das Miteinander mit ihrer 41 Jahre jungen Alltagsbegleiterin.

Diese erzählte, dass sie über den Babytreff am Mehrgenerationenhaus „Südtreff“ auf die „Elsterbienchen“ aufmerksam wurde. Da sich Heike Haase gern um Menschen kümmert, geht sie jetzt zu sechs älteren Personen, die sie jede Woche oder alle zwei Wochen besucht. „Das wird, ebenso wie die Gestaltung der Zeit, individuell festgelegt“, erklärte Heike Haase.

Katarina Stasch, die seit dem Tod ihres Mannes vor acht Jahren allein lebt, hat auch die Betreuung durch die vorher tätige Gruppe der „Lutki“ erlebt. Diese Alltagsbegleiter hätten zwar auch gute Arbeit geleistet, wurden aber vom Jobcenter alle 6 Monate ausgewechselt. „So war ein Gewöhnen an eine bestimmte Person unmöglich“, sagte Katarina Stasch, die das jetzige System mit einer festen Alltagsbegleiterin besser findet.

Doch die 91-Jährige wird nicht nur von Heike Haase betreut, sondern auch von einem Pflegedienst, der täglich medizinische und pflegerische Aufgaben übernimmt. Seit Jahresbeginn wird die Seniorin von diesen Mitarbeitern auch zu Ärzten begleitet. „Das entlastet Heike Haase und meine Kinder von der Aufgabe“, erklärte Katarina Stasch. Von ihren fünf Kindern werde sie oft besucht, und an ihrer Versorgung seien sie auch beteiligt, obwohl sie nicht in Hoyerswerda wohnen.

Eine Haushaltshilfe vom Pflegedienst übernehme in der kleinen gemütlichen Wohnung im „Neustädter Eck“ das Wischen des Bodens und das Fensterputzen, beendete die Seniorin die Aufzählung all der Menschen, die für sie sorgen. Die Tätigkeit der „Elsterbienchen“ wird vom Nachbarschaftshilfeverein (NHV) Hoyerswerda koordiniert. Die Ehrenamtlichen haben mit dem NHV einen Vertrag, der sie während der Tätigkeit unfallversichert und der eine kleine Aufwandsentschädigung enthält. Die Senioren finanzieren dies seit diesem Jahr mit vier Euro pro Betreuungsstunde, Altverträge zahlen drei Euro, erklärte Manuela Proft, Mitarbeiterin im Mehrgenerationenhaus. Wer neu als „Elsterbienchen“ anfängt, erhält von NHV-Mitgliedern eine Einweisung in die Tätigkeit und wird mit betreuungswilligen Personen zusammengebracht.

Der Verein sucht Menschen, die Hilfe und Ansprache im Alltag brauchen und ebenso Betreuer. Wer Näheres erfahren will, kann sich im MGH unter G 03571 974142 melden.



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