Einmal um die ganze Welt


von Tageblatt-Redaktion

Dort, wo alles begann - Antje Nemitz an einer der Hoyerswerdaer Ortsteingangs-Stelen.
Dort, wo alles begann - Antje Nemitz an einer der Hoyerswerdaer Ortsteingangs-Stelen.

So ein Jahr ist verdammt schnell rum. Ob man nun seinem ganz normalen Alltag nachgeht oder für ein Jahr seinen Traum lebt und die Welt umreist. Antje Nemitz ist wieder zurück in Hoyerswerda. Ein paar Wochen schon. TAGEBLATT-Leser konnten ihre Erlebnisse in den vergangenen Monaten regelmäßig verfolgen. Natürlich erschienen die Beiträge über das Erlebte zeitversetzt, was sich weit bis nach der Rückkehr hinzog. Und doch war es nur ein Teil dessen, was die gebürtige Hoyerswerdaerin geschrieben hatte. Nur ein winziger Bruchteil der knapp 12 000 Fotos konnte gedruckt werden.
Doch das meist trägt Antje Nemitz ohnehin vor dem inneren Auge, in ihren Gedanken mit sich. Wir ließen sie dieses Abenteuer in unserem Interview noch einmal Revue passieren:


Antje, nach einjähriger Weltreise bist Du wieder zurück. Hast Du einen Tag davon bereut?
Nein, nicht einen.
Was war das Schwierigste an Deiner Reise?
Das Losfahren. Der härteste Tag ist der, an dem man den Entschluss fasst: Ich tue es. Und man sich der Konsequenzen bewusst wird: Arbeit kündigen, Wohnung auflösen, eben die Zelte abzubrechen. Auch wenn es nur vorübergehend ist. Danach gibt es kein Zurück mehr. Die Reise selbst ist ja nicht das Problem. Das ist dann einfach schön.
Wie ergab sich eigentlich Deine Reiseroute?
Ich wollte die Kirschblüte in Japan sehen und den Indian Summer in Neu-England. Daraus ergab sich, dass ich im Frühjahr in Japan sein musste und im Frühherbst im Osten der Staaten. Das hätte freilich auch geklappt, wenn ich, wie ursprünglich gedacht zuerst Richtung Westen aufgebrochen wäre ...
Tatsächlich ging es aber erst nach Osten.
Ich wollte Russland mit der Transsibirischen Eisenbahn durchqueren. Allerdings sind die Visa-Formalitäten für Russland ziemlich aufwändig. Das wollte ich nicht von Japan aus machen müssen. Also bediente ich mich hier eines Reiseveranstalters und hatte so auch einen gut durchorganisierten Start.
Bis Japan hattest Du alles gebucht, danach musstest Du Dich selbst kümmern. Wie problematisch war das?
Ich hatte nie Langeweile. Wenn ich nicht gerade unterwegs war, musste ich vorausplanen, Tickets buchen, checken, wo ich mit Geldkarte und wo ich bar bezahlen kann. Wenn man so wie ich allein unterwegs ist, dann muss man sich einfach kümmern. Wenn man das verinnerlicht, ist es nicht schwierig. Internetcafés gibt es da, wo ich hinwollte, praktisch überall. Da kann man vieles erledigen.
Wer auf eigene Faust reist, trifft erstaunlich oft Gleichgesinnte. Wie war das bei Dir?
Wenn man unterwegs ist, trifft man wirklich dauernd Reisende. Manche sind nur Tage unterwegs, andere viele Monate. Das ist wie eine Parallelwelt. Wenn man Zuhause ist, trifft man kaum einen Weltreisenden, wenn man selber unterwegs ist, aber andauernd.
Da es Deine selbstzusammengestellte Traumroute war, erübrigt sich wohl die Frage nach dem Ort, wo es Dir am besten gefiel…
Es war überall schön. Das Interessante ist aber, dass man trotz sorgfältiger Planung und genauer Vorstellungen Platz lassen sollte für die Tipps von anderen. Sonst hätte ich beispielsweise nie die Salar de Uyuni in Bolivien oder die Laguna Iberia gesehen. Und das wäre wirklich schade gewesen.
Hast Du schlechte Erlebnisse gehabt?
Kaum. Mir ging es überall gut. Ich befand mich trotz Wanderung in Bärengebieten wohl nie in einer wirklichen Gefahrensituation. Freilich wurde ich in Südamerika offenbar gleich nach meiner Ankunft Opfer von Kreditkartenbetrügern, musste die Karte sperren lassen. In einer Unterkunft bekam ich es zudem mit Bettwanzen zu tun. Mein Schlaf-Shirt flog sofort weg, gegen den Rest half Duschen und glücklicherweise hatte ich auch keine Wanzen mit dem Rest der Bekleidung verschleppt.
Und drei Tage vor Reiseende wurde dir noch deine Tasche gestohlen?
Ja, dabei war das so einfach wie clever gemacht. Da denkt man, man ist mit den meisten Tricks, die so versucht werden, vertraut, und dann klappt es doch ... Im argentinischen Buenos Aires bekleckerte man mich mit Joghurt. Eine Frau kam mit einem Taschentuch zu Abputzen, eine zweite wollte helfen – und schwupp war meine Tasche weg. Der größte Verlust war nicht mal der Fotoapparat darin, sondern die letzten 1 000 Bilder, die ich gemacht hatte. Das war schon traurig.
Seit dem 8. April bist Du wieder da, wohnst in Hoyerswerda. Wie sehen Deine Pläne aus?
Nun, ich war arbeitssuchend. Irgendwie muss ich ja wieder Geld verdienen. Ich bin gelernte Einzelhandelskauffrau, habe in der Zeit seither ein Bewerbungstraining absolviert. Jetzt führt mich eine neue Arbeitsstelle nach Potsdam.

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Weltreise in Zahlen

Reisetage: 396
Per Flugzeug: 50 053 km in 14 Einzelflügen
Per Eisenbahn: 13 300 km
Per Auto: 16 433 km in 15 Wochen in Nordamerika
Per Bus: 26 000, davon 22 300 allein in Südamerika
Per Schiff: ca. 3 000 km auf See
Stempel im Pass: 32
geschriebene Postkarten: 222
Geschossene Fotos: Fast 15 000, doch rund 1 000 gingen mit dem Diebstahl des Fotoapparates verloren
Reisebudget: Rund 23 400 Euro, macht pro Tag im Schnitt 59 Euro, darin enthalten sind alle Unkosten von Essen über Eintrittsgelder bis Übernachtungen und Flugtickets.

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