Eine Stadt ist stolz auf ihr neues Rathaus


von Tageblatt-Redaktion

Das ist die komplette Stadtverwaltung um Bürgermeister Harry Habel (hinten Mitte). Nur eine Mitarbeiterin fehlt, allerdings auch die komplette Bauhof-Mannschaft.
Das ist die komplette Stadtverwaltung um Bürgermeister Harry Habel (hinten Mitte). Nur eine Mitarbeiterin fehlt, allerdings auch die komplette Bauhof-Mannschaft.

Herr Habel, 2013 war das zweite Jahr einer von ihnen selbst prognostizierten zweijährigen steuerlichen Durststrecke für Bernsdorf. Trotzdem wurden in der Stadt Millionen verbaut. Erklären Sie doch bitte mal, wie das geht?

In der sogenannten Krise haben viele unserer Firmen Millionen investiert. Vorübergehend führte das zum Einbruch speziell bei den Gewerbesteuern. Aber wir hatten entsprechende finanzielle Rücklagen, fertige Planungen und die Möglichkeit, Fördermittel in Anspruch nehmen zu können.

Gut zwei Millionen Euro kostete allein die Sanierung des Rathauses. Ist dieses Geld gut angelegt?

Wir haben einen 55-prozentigen Zuschuss von Bund und Land erhalten. Ohne diesen hätten wir es nicht stemmen können. Das Geld ist absolut gut angelegt. Unsere Nachfahren werden uns dafür dankbar sein, dass wir das wahrscheinlich älteste Gebäude der Stadt Bernsdorf nicht nur erhalten haben, sondern so erhalten haben, dass es die nächsten hundert Jahre Bestand haben wird. Ich merke auch, dass die Bevölkerung und meine Mitarbeiter stolz auf dieses Gebäude sind. Also, alles richtig gemacht. Ein Neubau im Stadtzentrum, den ich selbst einmal wollte, wäre falsch gewesen.

Geht der Bauboom 2014 weiter?

Die großen Baustellen, an denen wir aber nur teilweise beteiligt sind, bleiben die B 97 und die Ortsumfahrung S 94. Darüber hinaus sind Restarbeiten am Rathaus zu erledigen. Wichtig ist das Feuerwehrgerätehaus Großgrabe. Hier gab es Zeichen, dass wir eventuell 2014 eine Förderung erhalten. Nur in Wiednitz wird es 2014 kommunalen Straßenbau an der Leippschen Straße geben. Das ist so im Eingemeindungsvertrag festgelegt. Und der Eingemeindungsvertrag ist mir heilig. Wir werden aber Planungen für weitere Straßenbaumaßnahmen, zum Beispiel in der Nordsiedlung, auslösen. 2014 bekommt die Feuerwehr in Straßgräbchen neue Tore und eine Absaugeinrichtung für das Gerätehaus. Ebenfalls 2014 wollen wir auch schauen, welche Arbeiten an den Kitas in Straßgräbchen und Wiednitz nötig sind. Hier gehe ich von einer Realisierung im Zeitraum der nächsten fünf Jahre aus. Immer unter dem Vorbehalt, dass es Fördermittel gibt.

Was hat die 2013 erfolgte und bis Ende 2015 befristete Erhöhung der Grund- und Gewerbesteuern bisher gebracht, außer hier und da Missstimmung?

Was mich freut: Ich habe niemanden gehört, der glaubt, dass die Steuererhöhung etwas mit der Rathaussanierung zu tun haben könnte. Wir haben ja die Mehreinnahmen für drei Bereiche vorgesehen: die Feuerwehr, die Gewässerunterhaltung und den Straßenbau. Beim Straßenbau beginnen wir mit Planungen. Bei der Gewässerunterhaltung haben wir 2013 so viel gemacht wie noch nie. Und bei der Feuerwehr haben wir die Gelder zusammen, die wir brauchen, um die Eigenanteile für das Gerätehaus in Großgrabe zu stemmen. Das hat uns also ganz, ganz viel gebracht.

Die Seenlandbahn, zu deren Initiatoren Sie gehören, wird 2014 Realität, zumindest mit acht Erlebnisfahrten im Verlauf von zwölf Wochen im Sommer. Einen Stopp direkt in Bernsdorf wird es aber wohl nicht geben. Schade, oder?

Die Sonderzüge werden in Wiednitz einen Foto-Halt einlegen. Ein Halt in Bernsdorf ist momentan nicht das Wichtigste. Wir haben eine Chance von nicht mal einem Prozent, dass wir in Zukunft wieder Personennahverkehr, wie ich mir das vorstelle und wie sich viele das vorstellen, auf der Strecke haben. Dazu brauchen wir die Bürger aus Dresden. Wenn es uns gelingt, diese für das Seenland zu begeistern, haben wir vielleicht eine Minimalchance, den Verkehr zu bekommen, den wir gern wollen.

Die Stadt hat die Vereinsgaststätte Straßgräbchen und das Oberschulgebäude an die Bernsdorfer Wohnungsbaugesellschaft abgegeben. Warum?

Die Stadt sollte sich auf ihre Kernaufgaben besinnen, auf das Verwalten und Gestalten. Wir haben mit der BWG eine Tochtergesellschaft, die sich viel besser um die Verwaltung und Vermarktung solcher Objekte kümmern kann. Das ist der Hauptgrund.

Wie steht es um den Zollhaus-Verkauf?

Die Physiotherapie ist ausgezogen. Wir brauchen den Saal nicht mehr, weil wir die Vereinsgaststätte Straßgräbchen, den „Jägerhof“ Wiednitz und das Rathaus haben. Deshalb steht das Zollhaus zum Verkauf. Momentan gibt es Verhandlungen mit einem einheimischen Investor. Wenn der es nehmen würde, wäre das wirklich super.

Gibt es weitere Immobilien, von denen sich die Stadt gern trennen würde?

Auf jeden Fall nicht vom Rathaus, da haben wir uns grad so schön eingelebt. Aber im Ernst: Wir haben schon noch einige kleine Objekte, die wir nicht mehr benötigen. Hier stehen wir bei der Vermarktung allerdings nicht unter Zeitdruck.

Die visuellen Stadtrundgänge der AG Stadtgeschichte locken hunderte Interessierte an. Wie erklären Sie sich das?

Die AG Stadtgeschichte ist eine Erfolgsgeschichte. Sie hat den Nerv der Leute getroffen. Es ist ihr gelungen, aus jedem Ortsteil Bürger für die Mitarbeit zu gewinnen. Diese haben viel und fleißig gearbeitet und ernten nun die Früchte. Ich sage immer wieder: Das ist eine Aufgabe, die die Stadt allein nicht hätte stemmen können. Uns wären für die Nachwelt viele Informationen verloren gegangen. Hut ab, wie überhaupt vor dem ehrenamtlichen Wirken aller unserer Vereine in ganz Bernsdorf.



Zurück

Einen Kommentar schreiben

Es werden nur jene Kommentare veröffentlicht, die unter Angabe von Vor- und Familienname und einer gültigen E-Mail-Adresse (für Rückfragen) abgegeben wurden.

Was ist die Summe aus 6 und 5?