Eine halbe Stunde bis zur fertigen Reichsfürstin


von Tageblatt-Redaktion

Cornelia Schnippa wird bei öffentlichen Veranstaltungen im Schloss und im Stadtgebiet als die Teschen unterwegs sein und dabei natürlich die Etikette wahren.
Cornelia Schnippa wird bei öffentlichen Veranstaltungen im Schloss und im Stadtgebiet als die Teschen unterwegs sein und dabei natürlich die Etikette wahren.

Heute schon die Flohfalle benutzt, Frau Reichsfürstin?
(lacht) Nein, heute noch nicht. Beim nächsten Auftritt aber schon. Zu Lebzeiten von Katharina von Teschen, die ja Mätresse von August dem Starken war, gehörte die Flohfalle zur hygienischen Ausstattung dazu. Damals galt ja: mehr Puder statt waschen. Das haben wir vier Damen, die sich für das Amt der Teschen beworben haben, in einem Kurs der Volkshochschule gelernt. Geschult wurde auch das Verhalten, wir lernten etwas über die Kleidung und natürlich über kulturelle politische Ereignisse aus der Teschen-Zeit.

Sie können doch bestimmt etwas über die Teschen erzählen.

Sie war eine sehr intelligente Frau. Gerade zu damaliger Zeit hat sie sehr viel in Hoyerswerda verändert, was für Frauen, gerade im politischen und gesellschaftlichen Bereich, früher nicht üblich war.

August der Starke ließ sie aber irgendwann abblitzen.

1705 bekam die damalige Mätresse von August dem Starken Hoyerswerda von ihm zugesprochen. Zusammen hatten sie auch einen Sohn. Allerdings hatte August der Starke immer wieder mal neue Liebschaften, so dass die Reichsfürstin, diesen Titel erhielt sie nach Geburt ihres gemeinsamen Sohnes, für ihn uninteressant wurde. Die Reichsfürstin hat Spargel an den Hof nach Dresden von Hoyerswerda liefern lassen, Theophilus Lessing in Hoyerswerda wurde von ihr als Amtmann eingesetzt, und das Schloss wurde auf ihren Wunsch hin erweitert. Aber alles möchte ich noch nicht ausplaudern, denn ich als Reichsfürstin möchte bei meinen Auftritten natürlich auch noch etwas zu erzählen haben!

Warum sind ausgerechnet Sie als Amtsinhaberin auserkoren worden?

Weil die anderen Mitbewerber die Ausbildung und Informationen nur für ihre Arbeit im Museum und der Touristinformation nutzen wollten.

Woher stammt die aufwendige Kleidung für die Teschen, die Sie tragen?

Sie sind eine Leihgabe vom Museum Hoyerswerda.

Wie lange dauert es, bis Sie zur Teschen fertig angekleidet und geschminkt sind?

Ach, gar nicht so lange, wie man vielleicht glauben mag. Etwa eine halbe Stunde braucht es, bis ich mit allem fertig bin. Ich muss mich ja auch nicht wie die Teschen stark pudern (lacht).

Im Schloss war vor wenigen Wochen Ihr erster Auftritt. Wie war das für Sie?

Es war sehr aufregend: Ich musste immer daran denken, dass ja die anderen mich grüßen müssen, da ich eine Reichsfürstin verkörpere. Außerdem waren plötzlich viele Blicke auf mich gerichtet, was mich natürlich auch wieder ein bisschen nervös machte. Ansonsten hat es Spaß gemacht, und ich hoffe natürlich, nun öfters mal als Teschen in Hoyerswerda unterwegs sein zu können.

Wann und wo sind weitere Auftritte der Teschen geplant?

Geplant ist vorerst nur eine Führung im Schloss von Hoyerswerda. Das wird nach den Sommerferien sein. Ein genaues Datum steht aber noch nicht fest.

Sie betreiben im realen Leben die Firma „LausitzLeben“. Wie lassen sich Stallarbeit, Stadtführungen und Auftritt als die Teschen unter einen Hut bringen?

Mit „LausitzLeben“ biete ich das an, was mir auch persönlich sehr wichtig ist: Stadtführungen oder unterwegs sein im Lausitzer Seenland, Lernerlebnis Bauernhof und tiergestützte Therapie mit den Alpakas Mateo und Sam – diese Angebote sind mir sehr wichtig und liegen mir sehr am Herzen. Dazu gehört natürlich auch die Säuberung der Ställe mit der Mistgabel.
Meine Güte, ist das warm heute. Einen Moment, ich muss mich kurz erfrischen (wedelt sich mit dem Fächer dezent Luft ins Gesicht). Als Ursula Katharina von Teschen kann ich natürlich, aus Sicht der Reichsfürstin, noch eine ganz andere Variante der Stadtführung anbieten. In der sorbischen Alltagstracht biete ich bereits Führungen an – als spezielle Art der Erinnerung an unsere Vorfahren.

Wie lange wird Ihre Amtszeit als die Teschen dauern?
Geplant ist ein Jahr.


Gespräch: Silke Richter

 



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