Eine Bibliothek füs Computermuseum


von Tageblatt-Redaktion

Dr. Kurt Pauli (rechts) hat dem Computer-Museum seine Bibliothek gespendet.
Dr. Kurt Pauli (rechts) hat dem Computer-Museum seine Bibliothek gespendet.

Die Verdienste von Dr. Kurt Pauli um das Hoyerswerdaer Konrad-Zuse-Computermuseum fasst Dr. Christian Rentsch, einer der Museums-Mitbegründer, in die Formel: „Ohne ihn würde das Museum nicht so aussehen.“ In der Tat hat Pauli, der seit 1965 ein Wegbegleiter Zuses war, immer wieder dafür gesorgt, dass historische Ausstellungsstücke nach Hoyerswerda gelangen konnten. Zuletzt vermittelte er Rechner aus der Technischen Hochschule Aachen an die Schwarze Elster, wo der spätere Computer-Erfinder Konrad Zuse bekanntlich 1928 sein Abi ablegte.

Nun hat Pauli im heimischen Remagen-Rolandseck fünfzig Kisten packen lassen. Der seit einigen Wochen 82-Jährige hat die gesamte Bibliothek seines Hauses mit Blick auf den Rhein und über den Fluss nach Bad Honnef geräumt. 1 500 Bücher gingen auf die Reise nach Hoyerswerda. Hier übergab der Geschäftsführer des Konrad-Zuse-Freundeskreises die Sammlung am Dienstag ans Museum. „Nach mir wird das keiner mehr machen“, meinte Pauli, der sich seit zehn Jahren mit einer nach ihm benannten Stiftung um Zuses Erbe müht.

Seine Bücher, die nun vom Rheinland in die Lausitz gebracht wurden, sind für das Zuse-Archiv des Museums gedacht. Laut Pauli sind darunter auch Exemplare mit persönlicher Widmung von Konrad Zuse. Die Museums-Mitarbeiter werden den Inhalt der 50 Kisten wohl sichten und bewerten müssen. Denn sicher ist der Günter-Grass-Roman „Der Butt“ zumindest hier weniger interessant als Literatur zu Wissenschaft und Forschung. Allerdings wird die Aufarbeitung noch etwas warten müssen. Die Kisten wurden zunächst lediglich auf Paletten gestapelt und in Folie verpackt. Katalogisiert werden soll der Inhalt, wenn das Museum im Frühling 2015 in sein neues Domizil im Hochhaus Bonhoefferstraße umgezogen ist. Pauli, Mitglied im Zuse-Forum, dem Museums-Trägerverein, freut sich nach eigenem Bekunden schon auf die Eröffnung. Wieder nach Hoyerswerda kommen wird er aber schon am 22. November, wenn die Stadt im Sparkassensaal ihre Konrad-Zuse-Plakette an Professor Doktor Georg Nemetschek vergibt.

Nemetschek ist der geistige Urheber des Konrad-Zuse-Freundeskreises und hat bereits 1997, zwei Jahre nach Pauli, vom Zentralverband des Deutschen Baugewerbes die Konrad-Zuse-Medaille für Verdienste um die Informatik im Bauwesen erhalten. Diese Branche ist es auch, die Zuse, Pauli und Nemetschek verbindet. Während Zuse zunächst 1935 in Berlin sein Bauingenieurstudium beendete, bevor er sich der Rechentechnik zuwandte, setzte sich Pauli ab 1973 beim Hauptverband der Bauindustrie sowie beim Zentralverband des Deutschen Baugewerbes für die Verwendung von EDV-Lösungen ein.

Nemetschek tat das in einem eigenen Bauingenieurbüro, das ab 1968 EDV-Programme zur Statik-Berechnung entwickelte. „Konrad Zuse war für mich der größte Erfinder des 20. Jahrhunderts. Er hat mein Lebenswerk erst möglich gemacht“, sagt Nemetschek in einem Video. Produziert hat es – die Stiftung von Bücherspender Kurt Pauli.



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