"Ein Torpedo in der Urzelle der Neustadt"


von Tageblatt-Redaktion

"Ein Torpedo in der Urzelle der Neustadt"
Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Die Initiative Mitmachstadt regt hinsichtlich des im kommenden Jahr geplanten Abrisses zweier Wohnhäuser in der Reimann- und der Petersstraße im WK I zumindest einen Aufschub an. Erst nach dem bürgerbeteiligten Prozess zum Gesamtstädtischen und regionalen Entwicklungs- und Handlungskonzept GeREHK solle dazu eine finale Entscheidung getroffen werden, heißt es in einem offenen Brief des MiMaH-Organisationsteams, der unter anderem an die Stadtverwaltung, die Stadträte sowie das Management der städtischen Wohnungsgesellschaft (WH) gerichtet ist.

Man nehme zur Abriss-Absicht Unmut und Unverständnis aus der Bürgerschaft wahr, wolle aber nicht etwa richtig oder falsch bewerten. Es gebe ein waschechtes Dilemma:

Nimmt man die "Blöcke vom Netz", setzt man ein weiteres explosives Torpedo in die historische Urzelle der Neustadt. Nimmt man sie nicht vom Netz, riskiert man eine schwer zu legitimierende ökonomische Überlastung des Haushaltes der städtischen Wohnungsgesellschaft.

Es gebe freilich einen Mangel an Transparenz und Kommunikation gegenüber der Bürgerschaft. Die MiMaH stellt die Frage, ob es angemessen ist, die Bürger nur mit einem Resultat zu konfrontieren, das im kleinen Kreis beschlossen wurde. Ferner wird gefragt, warum Geschäftsführung und Aufsichtsrat der WH die Bürgerschaft nicht „in diesen schmerzhaften städtebaulichen Abwägungsprozess“ einbinden. Und schließlich wird die Frage aufgeworfen, ob es nicht sinnvoll sei, „diese (emotional) gravierende städtebauliche Maßnahme“ in den GeREHK-Prozess zu integrieren. (red)

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Kommentare zum Artikel:

Thomas Häntschke schrieb am

"Der bevorstehende Abriss des Hauses Dameraustraße 1 bis 7 (mit Kreuz) ist nicht der Startschuss zum Abriss des WK I – sagt die Wohnungsgesellschaft – und verweist auf Millionen-Investitionen:"

So ist es zu lesen auf HOYTE24de am 29. August 2020 und schon damals habe ich mein Unverständnis zum Abriss und damit der Zerstörung eines baugeschichtlich wertvollen Ensemble "Wiege der Hoyerswerdaer Neustadt" bekundet.

Der damalige Abriss ist die Spitze des Torpedos gewesen und nun wird der Rest einschlagen, so dass das Ensemble für immer verloren ist.

Die Wohnungsgesellschaft hat, m. M. n., schon mit dem ersten Abriss eine zeit- und baugeschichtliche Zerstörungs-Entscheidung getroffen und wird diese auch nicht mehr zurücknehmen.

Steffen Markgraf schrieb am

Sehr geehrte Leserinnen,
sehr geehrte Leser,

die unten aufgeführte Pressemitteilung unseres Unternehmens erhalten Sie zur Information.

Damit haben Sie die Möglichkeit einen Teil des komplexen Sachverhaltes der Stadtentwicklung in unserem Hoyerswerda, ursächlich herbeigeführt durch eine Halbierung der Einwohnerzahl in den letzten 30 Jahren, besser einzuordnen.

Mit freundlichen Grüßen
Steffen Markgraf
Geschäftsführer

 

Wohnungsgesellschaft mbH Hoyerswerda schreibt ihr langfristig angelegtes Programm zur nachhaltigen Entwicklung der Wohngebiete fort – Millioneninvestitionen in das Wohnen der Zukunft und Kapazitätsanpassungen bleiben wichtige Bausteine – Schwierige Rahmenbedingungen und die Wärmewende erhöhen den Druck, Leerstandskosten zu senken, um weiter investieren zu können.
Mit einem langfristig angelegten Investitionsprogramm entwickelt die Wohnungsgesellschaft mbH Hoyerswerda seit vielen Jahren ihre Wohnungsbestände kontinuierlich weiter und trägt mit vielfältigen Maßnahmen auch maßgeblich zur nachhaltigen Entwicklung der Wohngebiete bei. Seit 2017 investierte das kommunale Wohnungsunternehmen mehr als 55 Millionen Euro, die unter anderem in Balkon- und Aufzugsanbauten, Instandhaltungen, Grundrissänderungen, Investitionen in das Wohnumfeld und auch Neubau flossen. „Dieses Investitionsprogramm werden wir weiter fortführen, allerdings erschweren die aktuellen Rahmenbedingungen dieses Engagement immens“, erklärt Steffen Markgraf, Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft mbH Hoyerswerda. „Zinsentwicklung, Baukosten, verfügbare Gewerke und erzielbare Mieterträge sind dabei nur einige Aspekte. Hinzu kommt die Wärmewende, die zusätzliche Investitionen in Größenordnungen erfordern wird.“ Vor diesem Hintergrund und mit Blick auf die aktuellen demografischen Prognosen hat das Ziel der Senkung des Leerstands nochmals stark an Bedeutung gewonnen. „Jede leerstehende Wohnung verursacht allein Betriebskosten von rund 1.000 Euro pro Jahr, Tendenz steigend“, so Steffen Markgraf. „Eine wirtschaftlich sinnvolle Komplexmodernisierung ist bei manchen Häusern mit hohem Leerstand unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht möglich. Und dass der Wohnraumbedarf weiter sinken wird in Hoyerswerda, zeigen die demografischen Entwicklungen und Prognosen klar. Wir werden deshalb weiter punktuell Wohnungen vom Markt nehmen müssen, um wichtige Zukunftsinvestitionen nicht zu gefährden.“ Über zwei aktuelle Vorhaben hat das Team der Wohnungsgesellschaft jetzt bei Mieterversammlungen umfassend informiert. In den betreffenden beiden Wohnblöcken, G.-Peters-Str. 1 – 7 und B.-Reimann-Str. 2 – 8, stehen derzeit 71 bzw. sogar 96 Prozent der Wohnungen leer. „Die Entscheidung, hier insgesamt 96 Wohnungen vom Markt zu nehmen, ist uns nicht leicht gefallen, zumal es sich um Wohnblöcke im WK 1 handelt“, erläutert Steffen Markgraf. „Der Handlungsbedarf ist hier jedoch aktuell am größten und das Stadtentwicklungskonzept sieht ausdrücklich auch im Erhebungsbezirk 1 die Möglichkeit des Rückbaus zur Entdichtung von Teilbereichen vor.“

Eine Komplexsanierung wie im benachbarten Block G.-Peters-Str. 2 – 8 wurde für beide Wohnblöcke intensiv geprüft, ist jedoch wirtschaftlich vertretbar nicht möglich. Es wären Kosten von 7 bis 10 Millionen Euro pro Wohnhaus zu erwarten. Zum Vergleich: Die Sanierung G.-Peters-Str. 2 – 8 in den Jahren 2019/20 kostete 4,1 Millionen Euro. Für die neuen Freiräume, die entstehen, gibt es bereits sehr konkrete Nachnutzungskonzepte: Im Bereich B.-Reimann-Str. 2 – 8 wird in Zusammenarbeit mit dem Gartenatelier Dipl.-Ing. Ulrike Kühne Hoyerswerda eine besondere Grün- und Blütenoase – die „Grüne Welle für Insekten“ – entstehen. Zwei Sitzbänke werden dort künftig auch zum Verweilen und zum Genießen der Natur einladen. Auf dem Grundstück G.-Peters-Str. 2 – 8 sollen 35 Fahrzeugstellplätze mit Ökopflaster entstehen, die die Parkplatzsituation in dem Wohngebiet dauerhaft verbessern.
Den Mieterinnen und Mietern wird das Team der Wohnungsgesellschaft in bewährter Form mit Rat und Tat sowie umfangreichen Unterstützungsleistungen zur Verfügung stehen. Dazu zählen beispielsweise die Übernahme der Umzugskosten innerhalb der eigenen Bestände, Montage- und Anschlussleistungen wie zum Beispiel das Aufbauen der Küche, die Übernahme von kostenpflichtigen Ummeldungen und vieles mehr. „Niemand wird allein gelassen, wir sind für jede Mieterin und jeden Mieter da und beraten gemeinsam mit dem Vermietungsteam auch gern zu allen Wünschen rund um das neue Zuhause“, erklärt Hartmut Jank, der als langjährig erfahrener Mitarbeiter im Umzugsmanagement schon viele Mieterinnen und Mieter auf dem Weg in ein neues Zuhause begleitet hat.

Für die sachliche, konstruktive und vertrauensvolle Atmosphäre bei den Mieterversammlungen bedankt sich das Team der Wohnungsgesellschaft mbH Hoyerswerda sehr herzlich. „Viele der Mieterinnen und Mieter halten uns seit vielen Jahren die Treue und können darauf zählen, dass wir sie jetzt bei der Vorbereitung der Umzüge bestmöglich unterstützen“, so Geschäftsführer Steffen Markgraf. „Es steht ein vielfältiges Wohnungsangebot bereit – auch im direkten Umfeld.“

Hoyerswerda, 31.05.2023
Steffen Markgraf
Geschäftsführer

Thomas Häntschke schrieb am

Werter Herr Markgraf!
Es ist verständlich, dass die Bewirtschaftung für ein Wohnungsunternehmen, gerade auch in der jetzigen Zeit, von vielen schwierigen Faktoren abhängt.

Was aber nicht nachvollziehbar ist, ist von Anfang an der Umgang mit der "Wiege der Hoyerswerdaer Neustadt", als zeit- und baugeschichtlich erhaltenswertes Ensemble.

Für mich stand schon mit dem Abriss der Dameraustraße 1-7 fest, dass damit das Ende des notwendigen Erhalts des, m. M. n. schutzwürdigen Denkmal-Ensemble, besiegelt wurde und dass man dem Satz "Der bevorstehende Abriss des Hauses Dameraustraße 1 bis 7 (mit Kreuz) ist nicht der Startschuss zum Abriss des WK I – sagt die Wohnungsgesellschaft – und verweist auf Millionen-Investitionen" keinen Glauben schenken darf.

Es ist sehr schade, dass nun zwei weitere Häuser aus diesem Ensemble verschwinden werden und damit die "Wiege der Hoyerswerdaer Neustadt" weiter zerstört wird.

Wie ich schon einmal schrieb. Herr Damerau und Herr Peters wären entsetzt über den Umgang mit diesem zeit- und baugeschichtlich wertvollem Ensemble. Aber was interessieren die eventuellen Befindlichkeiten von verstorbenen Bürgern aus Hoyerswerda, die sich mit ihrem Handeln, für die Geschicke und die Aufwertung der Stadt Hoyerswerda eingesetzt haben.

Mit freundlichem Gruß
Thomas Häntschke

Bärbel Heppes schrieb am

Herr Markgraf, sie erklären: „Jede leer stehende Wohnung verursacht allein Betriebskosten von rund 1.000 Euro pro Jahr, Tendenz steigend.“
Frage: Es ist verwunderlich, dass immer solch „glatte Beträge“ entstehen. Sie bleiben auch eine Erklärung schuldig, ob es sich bei diesen Kosten um Kosten handelt die entstehen, währen das Haus noch zum Teil bewohnt ist, oder ob die Kosten entstehen, wenn das Haus von allen Medien (Strom, Fernwärme, Wasser…) getrennt wurde. Wie setzen sich diese „1000 Euro“ also zusammen?

Sie erklären: „„Eine wirtschaftlich sinnvolle Komplexmodernisierung ist bei manchen Häusern mit hohem Leerstand unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht möglich.“ Und weiter: „Eine Komplexsanierung wie im benachbarten Block G.-Peters-Str. 2 – 8 (Anm.: Mit Außenaufzügen und Schaffung barrierefreier und barrierearmer Wohnungen) wurde für beide Wohnblöcke intensiv geprüft, ist jedoch wirtschaftlich vertretbar nicht möglich.“
Frage(n): Was würde denn der Einbau von Aufzügen (innenliegend, im sg. „Treppenhaus-Auge“) und der Anbau von Balkonen sowie eine zeitgemäße Wärmedämmung wie in der K.-Zuse-Straße 1-5 aktuell bei den beiden zum Abriss vorgesehenen Häusern im WK 1 kosten? Sie werden doch sicherlich auch diese Variante durchkalkuliert haben!
Warum wird nicht in Erwägung gezogen, diese Häuser als (sanierte) Eigentumswohnungen anzubieten oder einer – ggf. noch zu gründenden – „Baugemeinschaft“ (Unter einer Baugemeinschaft versteht man einen rechtlich abgesicherten Zusammenschluss Bauwilliger, mit dem Ziel, gemeinsam ein Bauprojekt zu realisieren.) anzubieten, welche die Sanierung in Eigenregie durchführt? Bei den benachbarten Blöcken mit Eigentumswohnungen gibt / gab es ja offensichtlich keinen massiven Leerstand – trotz z.T. (noch) fehlender Aufzüge.

Sie erklären: „In den betreffenden beiden Wohnblöcken, G.-Peters-Str. 1 – 7 und B.-Reimann-Str. 2 – 8, stehen derzeit 71 bzw. sogar 96 Prozent der Wohnungen leer.“
Frage: Hat die WH diesen Leerstand nicht selbst künstlich befördert? Mir / uns ist nicht bekannt, dass diese Wohnungen aktiv beworben wurden!

Sie erklären: „Auf dem Grundstück G.-Peters-Str. 2 – 8 sollen 35 Fahrzeugstellplätze mit Ökopflaster entstehen, die die Parkplatzsituation in dem Wohngebiet dauerhaft verbessern.“
Frage: Menschen müssen aus ihrem angestammten Quartier wegen Ihrer Abriss-Phantasien wegziehen und Sie bauen – verdammt nochmal für wen eigentlich – neue Parkplätze?
Interessant ist übrigens auch dieses Verhältnis: Einerseits „zwei Sitzbänke“ (auf denen vielleicht in Summe 8 Personen Platz finden) und andererseits „35 Fahrzeugstellplätze“.

Es wäre nett, wenn Sie an dieser Stelle die Fragen beantworten könnten.

Bärbel Heppes (und weitere Bürger)

Hagen Wendlandt schrieb am

Das muss mir nun aber jemand erklären: Auf der einen Seite heißt es "Und dass der Wohnraumbedarf weiter sinken wird in Hoyerswerda, zeigen die demografischen Entwicklungen und Prognosen klar."
Andererseits ist man sehr engagiert zusätzlich zum WKVe 'dringend' benötigten Raum für Häuslebauer in den WKs VII und IX zu schaffen. Und das ganze unter den Folgen von Corona, Inflation, Handwerkermangel und GEG.

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