Ein neuer Friedhof für eine neue Stadt


von Tageblatt-Redaktion

Gärtnermeister Thomas Witte pflegt neben anderen auch das Grab seiner Großeltern – das älteste in Kühnicht.
Gärtnermeister Thomas Witte pflegt neben anderen auch das Grab seiner Großeltern – das älteste in Kühnicht.

Als im Sommer 1962 Emma Witte auf dem Friedhof an Hoyerswerdas Bautzener Straße zur letzten Ruhe gebettet wurde, war klar, dass der Sarg bald wieder aus der Erde geholt werden würde. Die Schließung des heutigen Parks am King-Haus als Begräbnisstätte war längst beschlossene Sache. Emma Witte hatte sich aber ein gemeinsames Grab mit ihrem Mann, dem Gärtnermeister Paul Witte, gewünscht. Er sollte sie um 18 Jahre überleben. 1962 bedeutete das die Umbettung für Emma Witte. Heute ist der Ruheort der Eheleute das älteste noch vorhandene Grab auf dem Kühnichter Waldfriedhof. Enkel Thomas, ebenso Gärtnermeister wie sein Opa, leitet eine der hier in der Grünpflege aktiven Firmen und sagt: „Die meisten Leute finden, dass der Friedhof im Vergleich zu anderen Friedhöfen sehr schön ist.“ Angelegt wurde er vor nunmehr einem halben Jahrhundert. Das erste Begräbnis gab es laut städtischem Sterbebuch am 5. November 1962. „Das war ein Kumpel aus Pumpe“, erinnert sich Architekt Klaus Richter. Er hat damals die Funktionsbauten am Friedhofseingang geplant. Es war seine erste Tätigkeit als junger Baumeister in der wachsenden Stadt Hoyerswerda.
Der seit 1902 genutzte Friedhof war für das, was östlich der Elster kommen sollte, zu klein geworden. Kreisarzt Dr. Günther formulierte es im Sommer 1957 in einem Aktenvermerk so: „Die Aufbauleitung Hoyerswerda beabsichtigt, im Zuge des Neubaues einen Neufriedhof für die sozialistische Wohnstadt anzulegen.“ Das Büro für Stadt- und Dorfplanung Halle, von dem der Generalplan für die Neustadt stammt, schlug den Kühnichter Forst vor, wo schon damals 60- bis 80-jährige Kiefern standen. Die Grünplanung des Jahres 1957 ging davon aus, dass ein erster „Belegungsteil mit 600 Grabstellen für zehn Jahre als ausreichend anzusehen“ sei. Hoyerswerda war eine junge Stadt. Damals rechnete man nicht mit vielen Toten. Derzeit sterben pro Jahr mehr als 400 Hoyerswerdaer; in Kühnicht werden aktuell 3 500 Grabstellen genutzt.
1961 begann die Bau-Union am östlichen Stadtrand mit ersten gärtnerischen Arbeiten. Es wurden Bäume gefällt, es wurde gerodet, gepflügt und zusätzlich Mutterboden aufgetragen. Beratung holte man sich bei den Friedhöfen in Berlin-Friedrichsfelde, Potsdam und Dresden. Parallel entstanden Trauerhalle, Wirtschafts- und Verwaltungsgebäude. Allerdings war ein erstes Projekt des Berliner Entwurfsbüros für Industriebauten (Bauvorhaben B 58–1808, Objektnummer 2) dem Rat des Bezirkes Cottbus mit 724 000 Mark zu teuer. Das, was dann am 3. August 1960 in einer Entwurfsratssitzung beim Aufbaustab auf den Weg gebracht wurde, sollte mit 463 000 Mark auskommen. So sah es jedenfalls der Investitionsplan für 1961 vor. Und so machte sich Klaus Richter an die Arbeit. „Es mussten unbedingt Teile aus dem Wohnungsbau verwendet werden, was zweifelhafte Ergebnisse brachte“, sagt er heute.
Eigentlich sollten es Großblock-Fertigteile aus dem WK II sein. Jedoch endete deren Produktion mit dem Jahr 1960. Also kamen die ersten Großplatten zum Einsatz. Die Trauerhalle ist inzwischen in die Jahre gekommen. Das Bürgeramt würde gern sanieren. Aber: Hoyerswerdas Haushaltsnot ist bekannt. Dafür erntet der Rest des Friedhofes immer wieder Lob, erzählt Bürgeramtschefin Ingrid Stille – vor allem die oft kunstvollen Monumente an den Urnengemeinschaftsanlagen, die heute 40 Prozent aller Angehörigen für Bestattungen auswählen. „Wir bekommen auch Anrufe aus anderen Städten, die sich Tipps holen wollen“, berichtet die Leiterin des Bürgeramtes. Zum 50. Geburtstag des Waldfriedhofs bereitet man dort zur Zeit eine Neuauflage des Friedhofsführers vor.



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