Ein Energiebündel am Klavier


von Tageblatt-Redaktion

Vivian Warnecke erspielte sich am Klavier 22 Punkte.
Vivian Warnecke erspielte sich am Klavier 22 Punkte.

Von Rainer Könen

In diesem schmucklosen Raum ist die Hoffnung fast mit Händen zu greifen. In der zwischen den kurzen Auftritten eintretenden Stille liegt die Erwartung der zuschauenden Eltern, Verwandten oder Freunde fast bleischwer. Sind die Blicke aller auf das in der Ecke stehende Klavier gerichtet, wo in zehnminütigem Abstand junge Menschen Platz nehmen, die sich mit Betreten des Raumes äußerlich zu verändern scheinen. Die Kindlichkeit verwandelt sich in konzentrierte Angestrengtheit. Es sind Zehn- bis Zwölfjährige, die sich auf diesen Tag lange und intensiv vorbereitet haben, die die Zuhörer von ihrem musischen Talent überzeugen möchten. Vor allem die Jury, die aufmerksam zuhört.

Es ist ein Tag, auf den auch die elfjährige Vivian Warnecke hingearbeitet hat. Die Hoyerswerdaer Gymnasiastin gehört in dieser Region zu den begabten Musikschülern, die sich am Wochenende beim Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“ in der Hoyerswerdaer Musikschule trafen. Für das in Neschwitz lebende Mädchen ist es bereits die zweite Teilnahme. Vor drei Jahren machte sie schon einmal mit.„Wir wollen einfach heute mal sehen, wo wir stehen“, erzählt Vivians Mutter, Annett Warnecke. Die Identifikation mit den eigenen Sprösslingen ist bei so einer Veranstaltung immens. Kein Wunder, das auch sie an diesem Samstagmittag sehr aufgeregt ist. Eine Spannung, die fast unerträglich ist.

Anfangs läuft es nicht so, wie sich das Mutter und Tochter vorgestellt haben. Denn beim Einspielen ist Viviens Lampenfieber schon groß, was sich niederschlägt. Doch ihre Mutter tröstet sich damit, dass das „Klavier ja nur unser Zweitfach ist“. Im Hauptfach, um im Sprachgebrauch zu bleiben, spielt Vivian Violine. Seit ihrem vierten Lebensjahr. Da beträgt das Übungspensum am Tag oft eine Stunde. Beim Klavier ist der Zeitaufwand etwas geringer. Man habe sich für die Teilnahme an dem diesjährigen Regionalwettbewerb auch aus dem Grunde entschieden, um „einmal zu sehen, wie das Leistungspotenzial der anderen ist“, beschreibt es Gina Hentsch. Sie ist Musiklehrerin, unterrichtet in Hoyerswerda und Kamenz. Vivian hat sie seit etwas mehr als fünf Jahren unter ihren Fittichen. Aber auch sie kann eine gewisse Nervosität nicht verleugnen. „Das ist aber normal bei solchen Wettbewerben“, meint sie. Um kurz vor 13 Uhr ist es so weit. Vivian betritt den Raum, gefolgt von ihrer Mutter, die sich gar nicht setzen mag. Die Aufregung, man sieht sie ihr deutlich an. Als Vivian in die Tasten greift, die ersten Rhythmen erklingen, da wippt sie mit dem Kopf mit. Bewegt sich im Takt der Klänge, die den Raum nun erfüllen. Die Tochter beginnt mit der Suite g-Moll von Bach, versucht in der kurzen Zeit, die sie hat, jedem der gespielten Stücke auch ein wenig von ihrer Persönlichkeit zu geben. Ein wenig zu viel, wie sie später im Auswertungsgespräch mit der Jury erfährt. Es folgt die Sonatine G-Dur op. 49 von Daniel Stilbelt und das „Däumelinchen“ von Sergei Michailowitsch Slonimski.

Dann endlich ist es geschafft. Doch damit hat sich die Aufregung bei Mutter, Tochter und der Musiklehrerin noch nicht gelegt. Erneut müssen sie warten. Dieses Mal auf die Einschätzung der vierköpfigen Jury. Die ist sehr angetan von dem „stilistisch breiten Spektrum“ (Gina Hentsch) des Mädchens, findet aber, dass manche Stücke etwas mehr Ruhe benötigt hätten. Aber da, so die Musiklehrerin, „kommt halt Vivians Energie heraus“.Gelohnt hatte sich die Teilnahme für die junge Neschwitzerin auf jeden Fall. Mit höchstens 18 Punkten hatte die Mutter gerechnet. Am Ende waren es dann sogar 22, die ihre Tochter erhielt. Einer mehr und sie hätte am Landeswettbewerb teilnehmen können.

Machte aber nichts. Eine Urkunde und ein Schreibset gab es als Belohnung. Ein wenig feiern werde man da sicher schon, meinte Annett Warnecke, die stolz auf ihre Tochter schaute. Die war müde von den Anstrengungen dieses Samstags. Der ihr gezeigt hatte, dass sie auch im Zweitfach gut abschneiden kann, wenn man Talent hat. Und das hat die Gymnasiastin zweifelsohne. Mit dem Erfolg beim Regionalwettbewerb dürfte sie sicher noch motivierter zur Musikschule Hoyerswerda kommen.



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