Ein Dorf spielt Theater


von Tageblatt-Redaktion

Krabat -Joachim Kaps, links- und August der Starke -Steffen Urban- sind neben dem Schwarzen Müller -Dieter Klimek, am Fenster des Mühlenturms - die Hauptakteure der Aufführung bei den Krabatfestspielen
Krabat -Joachim Kaps, links- und August der Starke -Steffen Urban- sind neben dem Schwarzen Müller -Dieter Klimek, am Fenster des Mühlenturms - die Hauptakteure der Aufführung bei den Krabatfestspielen

Zehntausend Flyer waren in der vergangenen Woche von Bischofswerda nach Schwarzkollm gereist. Die bunt bedruckten Blätter werben für die Großveranstaltung schlechthin an der Krabatmühle in diesem Jahr – die ersten Krabatfestspiele im Juli. Warum Bischofswerda? Nun, weil der künstlerische Gesamtleiter des Spektakels Peter Siebecke gleichzeitig Geschäftsführer und künstlerischer Manager des Kulturhauses Bischofswerda ist. „Enorm viele Karten“ für die vier Festspielaufführungen unter freiem Himmel seien bereits verkauft worden, sagte Peter Siebecke, nachdem vor einigen Tagen der Vorverkauf gestartet war. „Es gab einen regelrechten Ansturm.“ Aus allen Ecken Deutschlands hätten Interessenten die Tickets bestellt. Dafür hat unter anderem die Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen gesorgt, die bundesweit über die Veranstaltung in Schwarzkollm informiert hat. Aber, beruhigt Peter Siebecke, selbstverständlich seien noch Eintrittskarten zu haben – im Vorverkauf übers Internet und auch in der Ortsteilverwaltung Schwarzkollm, wo allerdings nur ein begrenztes Kontingent zur Verfügung steht. Ausverkauft ist jedoch bereits die Generalprobe am 18. Juli. Insgesamt 1 200 Zuschauer können in den Festspiel-Genuss kommen, also 300 pro Aufführung. Die Vorbereitungen für die Veranstaltung sind in vollem Gange, und nach Angaben von Peter Sie-becke läuft alles nach Plan. Seit etwa zwei Wochen laufen die Proben in Kiel, Dresden und Berlin. Die Wahl dieser Städte hängt mit den Wohnorten der Hauptdarsteller und des Regisseurs Andreas Hüttner zusammen, der die Proben leitet.
„Krabat trifft August an der Schwarzen Mühle“ lautet wie berichtet der Titel der Festspielpremiere. Ein Open-Air-Spektakel mit einer Aneinanderreihung von heiteren, besinnlichen Episoden aus dem Sagenschatz der Region, aus dem Leben der Sorben, insbesondere über Krabat, versprechen die Veranstalter. Es handelt sich dabei um Fiktion, frei nach mündlichen und schriftlichen Überlieferungen über und um Krabat. Zum Inhalt: Die Szenerie ist ein Abend auf dem Mühlenhof Schwarzkollm im 17. Jahrhundert, wo gewohnheitsmäßig ein geschäftiges Treiben im Gange ist. Ungewöhnlich ist jedoch das Auftauchen des Obristen Johannes von Schadowitz – Krabat genannt. Wenig später fährt in einer Kutsche auch noch König August der Starke in Schwarzkollm vor und bittet Krabat, ihm Geschichten aus vergangenen Zeiten zu erzählen…
Der Schauspieler und Synchronsprecher Joachim Kaps schlüpft in die Rolle des Obristen, Steffen Urban, unter anderem Ensemblemitglied beim Barocktheater „Hofstaat zu Dresden“, gibt August den Starken. Natürlich werden auch der Schwarze Müller und die Müllerburschen mit von der Partie sein. Und auch jede Menge andere Rollen sind zu vergeben. Denn auf einem Mühlenhof, da tummeln sich Knechte und Mägde, da gibt es eine Schankwirtschaft, da sind Bauern und Handwerker zugange. „Unser Anliegen ist es, einen belebten Innenhof zu zeigen“, sagt Peter Siebecke. Dazu werden auch die Zuschauer beitragen: Sie sitzen nämlich nicht hintereinander in Stuhlreihen, sondern an Tischen und Bänken mitten im Geschehen… Selbst Tiere bereichern die Szenerie „Gertrud hat schon Gänse organisiert“, meint der Kulturmanager. Gertrud – klar, die rührige und engagierte Vorsitzende des Vereins „Krabatmühle-Schwarzkollm“. Apropos: Chöre und Tanzgruppen aus Schwarzkollm werden zu den Festspielen ihre Auftritte haben. „Man kann schon sagen: Ein Dorf spielt Theater“, so Peter Siebecke. Damit eine „wuselige“ Szenerie auf dem Hof der Mühle entsteht, suchen die Veranstalter noch Statisten – bei einem Casting, das an diesem Freitag von 13 bis 18 Uhr an der Krabatmühle stattfindet. Besondere Anforderungen an die potentiellen Mägde, Knechte, Bauern… werden nicht gestellt. „Sie sollen sich natürlich bewegen können und Lust haben, mitzuspielen“, sagt Peter Siebecke. „Schauspielerei, das ist nicht leicht!“, betont er.
Die Krabatfestspiele, sie seien schon ein Kraftakt, so der künstlerische Leiter. Um das Leben im 17. Jahrhundert authentisch rüberbringen zu können, gehört beispielsweise auch, dass technisches Equipment oder Bühnenbeleuchtung möglichst nicht sichtbar sind. Auch Traversen wird es keine geben. Und hoffentlich keinen Regen. Denn, so Peter Siebecke, eine Alternative zu „open air“ gibt es nicht.
Die Zuschauer werden nach jeder Aufführung übrigens mit einem Feuerwerk in die Nacht entlassen. Es heißt, August der Starke bringt eigens seinen Sächsischen Kanonikus mit nach Schwarzkollm…
Aufführungen: 19./20./21./22. Juli, jeweils 20 Uhr, Krabatmühle Schwarzkollm. Tickets (23, 25 Euro) sind im Vorverkauf erhältlich unter 03594 713342 oder in der Ortsteilverwaltung Schwarzkollm.
web www.krabat-festspiele.de



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