Ein Bächlein fließt durch den Rathaus-Keller


von Tageblatt-Redaktion

Dieses Bächlein fließt durch den verschlammten und teilweise überschwemmten Keller des Bernsdorfer Rathauses.
Dieses Bächlein fließt durch den verschlammten und teilweise überschwemmten Keller des Bernsdorfer Rathauses.

Gummistiefel sind Pflicht beim Betreten des Kellers des Bernsdorfer Rathauses. Zentimeterhoch steht in vielen Räumen das Wasser. Wo es trockener ist, da bedeckt rostfarbener Schlamm den Boden. Und was wohl kein zweites Rathaus zu bieten hat: Durch mehrere Räume schlängelt sich ein kleines Bächlein. Das Wasser darin fließt deutlich sichtbar und verlässt den Keller durch eine Öffnung in der Fassade Richtung Schlosspark.

„Schichtenwasser, das im Baugrund anliegt, ist die Ursache für diesen Wasserlauf“, erklärte in dieser Woche Thomas Gröbe den versammelten Bernsdorfer Stadträten. Mit Blick auf die geplante Rathaus-Sanierung war der Diplom-Ingenieur aus Hoyerswerda mit Voruntersuchungen am Gebäude beauftragt worden. Vor allem wollten die Stadträte wissen, ob eine Sanierung im geplanten Kostenrahmen zu haben ist. Diesbezüglich verbreitete der Planer Optimismus: „Die Zielsumme liegt bei zwei Millionen Euro. Wir sind derzeit knapp drüber. Unser Ziel ist es, dass wir unter zwei Millionen landen. Was auch realistisch und machbar ist.“ Denn: „Wir bauen keinen Luxus.“

Innerhalb von knapp 20 Minuten gab Thomas Gröbe den Stadträten einen Überblick, wie es um die Gebäudesubstanz des Rathauses bestellt ist. Eine Erkenntnis lautete: „Das Gebäude ist an einer Stelle gebaut, an der kein normaler Mensch ein Haus errichten würde.“ Allerdings, so seine Einschätzung, sollte der Baugrund ausreichend sicher sein. Immerhin stehe das Gebäude schon mehr als 250 Jahre. Wegen der Nässe, die aus dem Kellergewölbe nach oben steigt, sind etwa 50 Prozent der Balken im Erdgeschoss geschädigt. Weitere Schäden gibt es im Obergeschoss durch Ungeziefer und Fäule.

„Die Tragfähigkeit ist teilweise stark beeinträchtigt“, erklärte Thomas Gröbe. „Sitzen wir noch sicher?“, hinterfragte Bürgermeister Harry Habel (CDU). „Im Sitzungssaal ja“, beruhigte der Planer. In einem angrenzenden Raum sollten sich jedoch nicht mehr als zehn Personen gleichzeitig aufhalten.

Die Empfehlung von Thomas Gröbe: Es sollte ein kompletter Austausch der Decke zum Obergeschoss, wie auch der Bodendecke im Erdgeschoss erfolgen. Darüber hinaus müsse es eine gezielte Führung des Schichtenwassers geben. Wegen der Wasserproblematik rät der Planer dennoch von einer intensiven Nutzung des Kellers ab.

Ein Jahr veranschlagt Thomas Gröbe für die Sanierung des Rathauses. Das Gros der Zeit wird für den Innenausbau benötigt, wie er sagt. So soll unter anderen auch eine teilweise Entkernung und Neuordnung von Räumlichkeiten sowie der Einbau eines Fahrstuhls erfolgen. In der Bauzeit wird die Verwaltung andere Räume in Bernsdorf beziehen.

Die Fertigstellung aller Arbeiten könnte im dritten Quartal 2012 gelingen, wenn es mit dem Baubeginn Ende September oder Anfang Oktober dieses Jahres klappt. Letzteres hängt maßgeblich von der Finanzierung ab. Hier ist die Stadt Bernsdorf auf Fördermittel angewiesen. „Wir hoffen, dass der Bescheid im Juni eintrifft“, erklärte der Bürgermeister. Und mit Blick auf die Wasserproblematik im Keller merkte er – nicht ganz ernst gemeint – an: „In den nächsten 20 Jahren sehe ich da unten noch keinen Ratskeller drin.“



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