Ehemaliges Waldbad Zeißig verwildert


von Tageblatt-Redaktion

Das ehemalige Kinderplanschbecken des Waldbades Zeißig, wie es sich heute darstellt. Die Halbkugel in der Mitte diente einst als Springbrunnen
Das ehemalige Kinderplanschbecken des Waldbades Zeißig, wie es sich heute darstellt. Die Halbkugel in der Mitte diente einst als Springbrunnen

Beschmierte Wände, ein völlig zerstörter Mülleimer, meterhohes Unkraut zwischen Steinplatten – man muss nicht allzu genau hinschauen, um zu sehen, dass sich im ehemaligen Waldbad Zeißig lange nichts getan hat. Lange nichts Positives. 2003 gab es hier zuletzt einen regulären Waldbadbetrieb. Der Betrieb war zu teuer, der Hoyerswerdaer Stadtrat stimmte für das Aus. Zwei Jahre später kaufte es der Stadtsportbund Hoyerswerda. Von 3 000 Euro Kaufpreis war die Rede. Sport- und Kultur sollten an der
B 96 gefördert werden. Jürgen Schröter, der damalige Sportbund-Präsident sprach von einem „Sport- und Erholungszentrum mit überregionalem Charakter“. Camping, Sportaustausch, Trainings- und Ferienlager waren einige der Ideen. Alles ohne Bad. Zu teuer in Zeiten, in denen sich ehemalige Tagebaue in Seen verwandeln. Zwei Jahre später begann der Sportbund Technik auszubauen. Das Edelstahlbecken wurde verschrottet. Die Einnahmen sollten helfen, laufende Kosten zu decken, wie etwa die Grundsteuern, hieß es. Mit Zeitangaben, wann die Pläne umgesetzt werden, hielt sich der Sportbund zurück. „Wir werden nicht von heute auf morgen Luftschlösser bauen“, sagte René Dasler 2007, Geschäftsführer des Stadtsportbundes, heute Vizepräsident.

Dass das Bad Interesse weckt, wurde erst kürzlich sehr deutlich: Mitte September machten sich Diebe am Metallzaun zu schaffen, bauten rund 50 Meter ab. Die Täter wurden dabei offenbar gestört und flüchteten ohne Beute. Die Aktion zeigt ein Dilemma: Ungenutztes Eigentum lädt unerwünschte Gäste ein. Das ärgert auch die Zeißiger. Der Ortschaftsrat hat sich in der vergangenen Woche verständigt, den Sportbund einzuladen. Mehr könne man nicht machen, „Wir haben keinen Zugriff auf das Bad“, sagt Rätin Dora Gebauer. „Wir sind aber unzufrieden über den Zustand.“

Blickt man vom Rodelberg nebenan auf die Anlage, sieht man kaum noch was vom Bad. Rings um den Technikraum, der zum Mehrzweckgebäude mit Clubraum und Speisesaal umgebaut werden sollte, wuchern Pflanzen. Am Sozialgebäude auf der anderen Seite, Mitte der 90er Jahre für 1,3 Millionen Euro errichtet, sieht es nicht viel besser aus. Vor einem Jahr erklärte der scheidende Sportbund-Präsident den Abschied vom Sport- und Erholungszentrum. Favorisierte Lösungsvariante sei die Suche nach einem Pächter. Man wolle keinen Schnellschuss, hieß es damals auch. Voriges Jahr wurde auch ein neues Präsidium gewählt, Torsten Kilz übernahm das Amt von Jürgen Schröter. Damals wie heute heißt es, es gebe Gespräche mit Interessenten. Es ist nicht auszuschließen, dass sich noch im Herbst eine Lösung abzeichnet, gibt sich René Dasler auf Nachfrage vorsichtig optimistisch.
Doch was soll daraus werden? 2004 wurde das Bad für ein paar Monate als eine Art Fitness-Studio mit Badbetrieb genutzt. Das Projekt scheiterte an der Finanzierung. Es gab sogar die Idee einer Eislaufbahn im Winter. Daraus wird definitiv nichts. Wahrscheinlicher ist wohl, dass das Gras noch eine Weile wuchern wird.



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