Doppelter Einsatz


von Tageblatt-Redaktion

Michaela Rau -li.- und Vera Apitz -re.- betreuen die F-Jugend der Spielgemeinschaft zwischen dem LHV Hoyerswerda und dem SC Hoyerswerda. Mit ihren Leistungen in der 1. Mannschaft in der Vergangenheit sind sie auch für die Kinder Vorbild.
Michaela Rau -li.- und Vera Apitz -re.- betreuen die F-Jugend der Spielgemeinschaft zwischen dem LHV Hoyerswerda und dem SC Hoyerswerda. Mit ihren Leistungen in der 1. Mannschaft in der Vergangenheit sind sie auch für die Kinder Vorbild.

Vera Apitz muss nicht lange rechnen, wenn sie die Zahl der handballfreien Tage einer Woche ermitteln soll. Es ist nur einer – der Mittwoch. Die 24-Jährige ist nämlich nicht nur Teil der 1. Frauenmannschaft des SC Hoyerswerda. Sie ist am Wochenende als Schiedsrichterin im Einsatz und kümmert sich um den Nachwuchs. Es sind die jüngsten Kinder, die in der Stadt im Verein Handball spielen. „Na klar ist das viel“, sagt die junge Frau. „Die Kinder sind dankbar und freuen sich.“
So wie Vera Apitz geht es einigen anderen Frauen aus der 1. Mannschaft des SC Hoyerswerda auch. Grob überschlagen kümmert sich die Hälfte des Teams um Kinder. Dabei hat mit Kati Dreihardt nur eine Spielerin eigenen Nachwuchs. Aber sie und alle anderen müssen neben dem Sport einige andere Dinge auf die Reihe bekommen. Da ist die Schichtarbeiterin in der Altenpflege, Studenten, die pendeln, oder gleich mehrere Schüler, die kurz vor den Abiturprüfungen stehen. Vera Apitz ist Industriekauffrau-Auszubildende. Sie lernt beim Bernsdorfer Dachsystemhersteller Bauder. Nach einer Verletzung befindet sich die Handballerin im Aufbautraining. Das Mannschaftstraining für die Frauen findet an drei Tagen in der Woche statt. Samstags oder Sonntags stehen die Punktspiele auf dem Programm. Vera Apitz trainiert gemeinsam mit Michaela Rau am Montag die „Minis“ – die F-Jugend, die aus Mädchen und Jungen des SC und des LHV Hoyerswerda besteht. „Ich schaffe das nur, weil ich Schule habe“, sagt Vera Apitz über das Pensum.
Ähnlich geht es Michaela Rau. Sie ist seit Jahren als Torfrau ein fester Rückhalt der Mannschaft. Nach abgeschlossener Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin absolviert die 24-Jährige nun eine weitere Ausbildung zur Ergotherapeutin. Manche Tage sind stressig, sagt sie. Man müsse sich schon gut organisieren können. „Wenn Klausuren anstehen, wird es schwer“. Für Michaela Rau ist die Tätigkeit mit den Kindern auch eine Art Ausgleich. Und sie weiß, dass es ohne die Unterstützung der Älteren nicht gehen kann. „Wir wollen auch künftig immer wieder neue Kinder haben.“ Die Jüngsten sind mit großer Begeisterung bei der Sache. Auch deshalb ist die Doppelbelastung nicht wirklich eine Last. „Wir sind aber froh, dass sich noch kein Spiel der Kleinen mit unserem überschnitten hat.“
Etwas älter als die „Minis“ sind die Jungs, die von Alexander Canbek trainiert werden. Die D-2-Jugend des LHV Hoyerswerda spielt in der Ostsachsenliga und sammelt derzeit keine Punkte, aber Erfahrungen. „Die erste Halbzeit halten die Jungs mit“, sagt Canbek. „Dann brechen sie oft ein.“ So hat die D2 in der Fünferstaffel alle zwölf Spiele verloren, die D1-Jugend hingegen alle Partien gewonnen. Canbek lernt seit September bei der LebensRäume-Wohnungsgenossenschaft Immobilienkaufmann. Ein zwei- bis dreiwöchiger theoretischer Ausbildungsteil in Dresden wechselt sich mit der Praxis im Unternehmen in Hoyerswerda ab. „Mit der Arbeitszeit bekommen wir das gut geregelt“, sagt der 22-Jährige. „Die LebensRäume setzten sich ja auch für die Nachwuchsförderung ein.“ Auch Alexander Canbek hat einst die gute Nachwuchsschule des LHV durchlaufen, hat bei Siegfried Wegner die Basis bekommen. Mit 13 Jahren wechselte er an die Sportschule nach Cottbus. Unter Peter Melzer betrieb er Handball leistungssportlich. 2010 kam er zurück nach Hoyerswerda und spielte sich unter Matthias Allonge in die erste Mannschaft. Der Trainer hat auf junge Spieler gesetzt. Man steckt schon sehr gut in der Materie drin, wenn man als aktiver Spieler sein Wissen an Jüngere weitergeben kann, sagt Canbek. „Es sollte eine freundschaftliche Basis sein, aber auch respektvoll“, beschreibt der den Umgang mit den Kindern.
Wie beim SC sind auch beim LHV mehrere Spieler der 1. Mannschaft mit der Nachwuchsförderung befasst. So viel Zeit wie Conni Böhme hat aber keiner. Böhme steht nicht nur an der Seite von Canbek in der D2-Jugend. Er betreut dreimal in der Woche die B-Jugend, ist Trainer der Sportklassen der Planetariums-Oberschule, leitet eine Handball-AG in Lauta und ist Stützpunkttrainer für die Landesauswahlkader in Ostsachsen. Dazu kommt der Einsatz für die Männer-Mannschaft. Das geht nur, weil Böhme hauptamtlicher Trainer im Verein ist und als Inhaber des „Sport-Eck“ nicht ständig im „Treff-8-Center“ hinter dem Laden steht. „Durch zwei Angestellte habe ich den Freiraum“, sagt der 33-Jährige.
Die jungen Spieler gucken sicher ganz genau hin, was ihre Trainer beim Punktspiel leisten - beim LHV und beim SC. Wer am Sonntag in der VBH-Arena war, hat dabei eine ganz besondere Leistung von Michaela Rau erleben können. Die Torhüterin rettete mit einem gehaltenen 7-Meter in der letzten Aktion des Spiels den Sieg ihrer Mannschaft. Wer das gesehen hat und selber spielt, wird sicher bei der nächsten Trainingseinheit mit noch mehr Elan zur Sache gehen.



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