Diesseits und jenseits der amtlichen Sperrlinie


von Tageblatt-Redaktion

Camper Werner Petrick sowie Marlen und Rico Gläßer am „Sperrzaun des Anstoßes“. Er soll in Richtung der Camper-Ersatzfläche verrückt werden – also nach rechts.
Camper Werner Petrick sowie Marlen und Rico Gläßer am „Sperrzaun des Anstoßes“. Er soll in Richtung der Camper-Ersatzfläche verrückt werden – also nach rechts.

Von Mirko Kolodziej

An der vorletzten Brücke, die der Koblenzer Graben vor Erreichen des Knappensees unterquert, findet man mehrere Schilder. „Landschaftsschutzgebiet“ steht Schwarz auf Gelb unter einer Eule. Unweit davon weist ein Signet die hier stehenden Bungalows als „Wilhelm-Busch-Siedlung“ aus. Dann gibt es noch das Schild „Z 3 - Knappensee“. Der neueste Hinweis stammt von staatlichen Behörden und untersagt das Betreten nördlich des Fahrweges Koblenz-Groß Särchen – strengstens! Begründung: „Achtung Rutschungsgefahr!“

Man könnte ganz grob sagen: Südlich des Weges läuft das Leben einigermaßen gewohnt. In Uwes Familienpark etwa wurde gestern ebenso gewerkelt wie in besagter „Wilhelm-Busch-Siedlung“, und im Sunshine-Park läuft die Saison. Aber nördlich des Weges soll nun alles wieder ganz anders sein, als im Zusammenhang mit der bergtechnischen Sanierung bisher besprochen. In den letzten Wochen sind auf einem schmalen verbliebenen Streifen nördlich des Weges neue Stellflächen für die Dauercamper von Z 3 geschaffen worden, die aus der Sperrzone am Seeufer ’raus mussten; genauer gesagt aus Sperrzone Nummer 1. Denn nun steht aufgrund von Nacherkundungen fest: Der stehende Zaun müsste hier noch einmal versetzt werden – um bis zu 7,50 Meter. Die bisherige Sperrlinie ist revidiert, erfuhren die Ferienpark-Betreiber Marlen und Rico Gläßer jetzt – und sind völlig entgeistert. 25 ihrer 45 Dauercamper müssten vom gerade erst angesteuerten Ersatz wieder weg.

Gläßers wollen das nicht akzeptieren, haben sie doch gerade erst für die Flächen neue Pachtverträge mit der Gemeinde Lohsa abgeschlossen. Auch Hagen Vetter von der Bürgerinitiative „Knappensee-Rebellen“ sagt nach einem Treffen mit Vertretern des zuständigen Bergamtes und der LMBV gestern im Lohsaer Rathaus: „Wir haben die Forderung gestellt, dass das Problem bis zum 16. April gelöst wird.“ Denn eines sei klar: Jeder Dauercamper, der verschwindet, reduziert die Wirtschaftlichkeit der Ferienpark-Betreibung. Gläßers haben Bergamt und LMBV gegenüber jetzt erst einmal vom Hausrecht Gebrauch gemacht und Hausverbot erteilt – ebenso wie zum Beispiel schon vor Monaten die Angler vom Anglerverein 57, deren Domizil in Groß Särchen weichen soll. Beim gestrigen Treffen ging es auch noch einmal um die Offenhaltung des Strandes in Särchen, der zumindest bislang nicht abgesperrt ist. Tenor des Ganzen: Technisch wäre die Sicherung vor der prognostizierten Möglichkeit des Entstehens von Monster-Wellen zwar möglich. Um das dafür nötige Geld ausgeben zu dürfen, wäre aber ein Marschbefehl zumindest der Landespolitik vonnöten.

Die Sperrlinie betreffend ist das Urteil der Geschädigten zumindest glasklar: „Die haben jetzt das erste Mal offen zugeben müssen, dass sie nicht wissen, wo die Abraumverkippung einmal endete“, sagt Rico Gläßer. Er und die anderen Knappensee-Rebellen werfen die Frage auf, warum eigentlich nicht erst alle offenen Fragen geklärt werden, bevor die Sanierung beginnt. Das betrifft zum Beispiel auch die Frage der Entschädigungen in der Bungalowsiedlung am Maukendorfer Strand. Hier gibt es lange nicht mit allen Betroffenen eine Einigung. Mehrere von ihnen fragen sich, was sie mit der Hälfte bis dem Drittel des Wiederbeschaffungswertes anfangen sollen.



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Kommentare zum Artikel:

Manfred Dubig schrieb am

Hallo,
wenn es nicht einmal den Herrn Bürgermeister aus Hoy. als Volksvertreter interessiert, dass hier Steuergelder im hundertmillionen-Bereich skrupellos vergraben werden, Ihr als Presse längst erkannt haben müsstet, dass diese sogenannten "Experten" des SOBA fasst im Wochentakt neue erfundene Begründungen vorbringen warum der sanierte Knappensee "Saniert" werden muss, dann solltet Ihr Euch einfach rausalten, wenn Ihr für mehr zu feige seit. Nur immer den Finger in die Wunden der Betroffenen zu stecken ist einfach nur übel!
MfG M. Dubig

Mirko Kolodziej schrieb am

Sehr geehrter Herr Dubig, mir ist nicht ganz klar, was Sie genau erwarten. Die Presse ist dazu da, Fakten zu transportieren und bei unterschiedlichen Auffassungen möglichst alle Beteiligten zu hören. Dass es erhebliche Zweifel an der Sinnhaftigkeit der Sanierungen gibt, ist, denke ich, wiederholt sehr umfassend dargestellt worden. Um ein fundiertes Urteil abgeben zu können, fehlt uns aber schlicht und ergreifend die fachliche Ausbildung. Wir sind keine Geologie-Experten. Die Presse ist außerdem auch nicht dazu da, irgendwelche Entscheidungen herbeizuführen. Unser Job ist die Berichterstattung - ohne Schielen auf den möglichen Ausgang einer Sache. Nicht mehr und nicht weniger. Mit besten Grüßen. M. Kolodziej

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