Die Müllentsorgung wird teurer


von Tageblatt-Redaktion

Müllentleerung
Müllentleerung

Wenn der Kreis Bautzen im Januar die Abfall-Entsorgung auf seinem Territorium neu regelt, werden sich nach dem Stand der Dinge alle an Änderungen gewöhnen müssen, die ab und an zur Mülltonne gehen - also im Grunde alle. In Wartha oder Caminau fließt dann wohl nicht mehr in die Gebühr ein, wie viele Leute in einer Wohnung leben. In Straßgräbchen oder Neudorf-Klösterlich wird man nicht mehr von vornherein aussuchen müssen, ob das Müllauto alle zwei oder nur alle vier Wochen vor der Tür halten soll.

In Hoyerswerda soll es nicht mehr auf das Müll-Gewicht ankommen. Nach gut 15 Jahren ist das einst gefeierte Ident- und Wägesystem nämlich am Ende. Die Kreisverwaltung scheut nicht nur die für eine technische Umrüstung auf dem Gebiet der Altkreise Bautzen und Kamenz nötigen Kosten. Sie hält die in der Stadt bisher praktizierte Wiegerei auch für hochgradig ungenau. „Schon wenn das Müllauto schief steht, gibt es Probleme“, sagt Reiner Meltzer vom Abfallwirtschaftsamt. Er hat fünf Mal eine leere Tonne wiegen lassen - und jedes Mal hat er dabei ein anderes Ergebnis bekommen.

In der nächsten Woche wird der Kreistag darüber zu befinden haben, wie aus den derzeit drei unterschiedlichen Entsorgungssystemen aus der Zeit vor der Kreisgebietsreform am besten ein einheitliches zu machen ist. „Das hat uns viele schlaflose Nächte bereitet“, sagt Abfallwirtschaftsamtsleiter Christian Handrik. Gemeinsam mit seinen Kollegen legt er den Räten am kommenden Montag zwei Kalkulations-Vorschläge zur Abstimmung vor.

Die unterscheiden sich grundsätzlich darin, ob eine mindestens sechsmalige Abholung des Hausmülls pro Jahr zur Pflicht gemacht wird oder ob minimal sogar acht Entleerungen zu bezahlen sein werden. Für alle im Hoyerswerdaer Umland würde das nicht viel ändern. Hier galt schon bisher eine Zwangsentleerung im Monat. In Hoyerswerda hingegen waren es lediglich zwei im Jahr.

Gemeinsam ist den beiden Vorschlägen des Landratsamtes die Preis-Drittelung nach einer Haushaltsabgabe, einer Behälter- und einer Leerungsgebühr (siehe Kasten). Gemeinsam ist ihnen auch: Vom Grundsatz her wird es für alle teurer werden. „Die Gebühren hätten aber ohnehin angepasst werden müssen“, sagt Dezernent Wolfram Leunert und rechnet vor, dass sich das Defizit in Hoyerswerda im vorigen Jahr auf 665 000 Euro belaufen hat, während es im Kreis Kamenz sogar 1,9 Millionen Euro waren. Per Gesetz gilt für die Abfallwirtschaft aber ein Kostendeckungsgebot.

Insgesamt muss der Kreis Bautzen für dieses und das vorige Jahr allerdings jeweils 3,2 Millionen Euro von der hohen Kante zuschießen, um die Gesamtentsorgungskosten in Höhe von 17 Millionen Euro bezahlen zu können. Grund sind gestiegenen Kosten, unter anderem durch die höhere Mehrwertsteuer, höhere Diesel- und Fahrzeugpreise, gestiegene Lohnkosten oder gekletterte Preise beim Abfallzweckverband. Dem gegenüber steht, dass in Hoyerswerda vor fünf Jahren die Müllgebühren um gut zehn Euro pro Jahr und Einwohner gesenkt wurden. Im Kreis Kamenz waren es seit 2004 in drei Schritten sogar mehr als 30 Euro. Nun geht es also wieder bergauf, sagt Landkreissprecher Gernot Schweitzer: „Grundsätzlich kann man sagen, dass sich die Müllgebühren pro Einwohner und Jahr um zehn Euro erhöhen werden.“ Sparen ist aber möglich. Wer allein auf einem Grundstück lebt, soll seine Tonne nicht so häufig abholen lassen müssen wie andere. Aus dem Kreis Kamenz wird die Regelung übernommen, nach der zwei Nachbar-Grundstücke auch eine gemeinsame Tonne haben dürfen.

Die neuen Satzungen sollen zunächst für zwei Jahre gelten, denn nicht nur Wolfram Leunert findet: „Der Teufel steckt im Detail.“ Ob die neuen Gebühren nämlich zu den von der Verwaltung erwarteten Verhaltensänderungen in den Haushalten führen werden, steht in den Sternen - und damit auch die Einnahme-Prognosen.

Vorstellungen der Kreisverwaltung zur Entsorgung

  • Grundsatz: Beiträge entstehen aus drei verschiedenen Komponenten, einer Haushaltsabgabe, einer Behältergebühr und den Leerungskosten
  • Haushaltsabgabe: soll jeweils 2,18 Euro im Monat pro bewohnter Wohnung betragen
  • Behältergebühr: im Gespräch sind zum Beispiel im Monat je 95 Cent pro 80- oder 120-Liter-Tonne
  • Leerungskosten: diskutiert werden etwa 3,93 Euro pro 80-Liter-Behälter bei jährlich mindestens sechs Leerungen beziehungsweise 3,88 Euro für dieselbe Tonne bei acht Leerungen
  • Mülltonnen: bekommen ein Dauer-Etikett mit einer Behälternummer und eine elektronisch lesbare Markierung
  • Sperrmüll: als Kartenabrufsammlung geplant, einmalig ohne Zusatzkosten, man verschickt eine Postkarte mit Vordruck und bekommt einen Abhol-Termin
  • Zurück

    Einen Kommentar schreiben

    Es werden nur jene Kommentare veröffentlicht, die unter Angabe von Vor- und Familienname und einer gültigen E-Mail-Adresse (für Rückfragen) abgegeben wurden.

    Bitte addieren Sie 3 und 3.