Die Grundschule wird langfristig bleiben


von Tageblatt-Redaktion

Spreetals Bürgermeister Manfred Heine hat mit seinem Lohsaer Kollegen Udo Witschas ausgehandelt, dass künftig auch Kinder aus Weißkollm, Dreiweibern, Riegel und Tiegling die  Grundschule in Burgneudorf  besuchen werden.
Spreetals Bürgermeister Manfred Heine hat mit seinem Lohsaer Kollegen Udo Witschas ausgehandelt, dass künftig auch Kinder aus Weißkollm, Dreiweibern, Riegel und Tiegling die Grundschule in Burgneudorf besuchen werden.

Herr Heine, Einstein sagt so ungefähr, der Verlauf der Zeit hängt vom Standpunkt des Beobachters ab. Wie schnell verging denn das Jahr 2010 innerhalb Ihres Büros?
Naja, da gelten eigentlich zwei Sichtweisen. Manchmal denkt man, das war eine Ewigkeit. Andererseits ist die Zeit weggeflogen, und man hat das Gefühl, doch gerade erst Silvester gefeiert zu haben.

Die Grundschule, in der wir sitzen, hat Sie vermutlich jede Menge Zeit gekostet.
Das kann man sagen. Die Schule ist seit Beginn meiner Bürgermeistertätigkeit ein Sonderpunkt. Es war immer kritisch. Es bestand immer die Gefahr, dass sie geschlossen wird. Das zieht sich bis heute. Es sind 15 Jahre vergangen,und es gibt immer noch dieses Fragezeichen.

Aber der neue Name Seenland-Grundschule scheint trotzdem in die Zukunft zu weisen.
Korrekt. Das soll deutlich sagen, dass wir die Schule hier am Standort langfristig sehen.

Der Schulkeller wurde dieses Jahr trocken gelegt. Es gibt ein neues Dach, einen neuen Namen und ab dem Sommer neue Kinder aus Lohsa. Aber was wird denn in 15 Jahren sein?
Es bleibt immer ein Zeitspiel. Keiner kann sagen, wie viele Kinder in 15 Jahren da sein werden. Wir werden das Gebäude aber weiter modernisieren und so ausstatten, dass unsere Kinder Freude daran haben. Sollte es wider Erwarten in 15 Jahren nicht mehr genügend Schulkinder geben, müssen wir darüber nachdenken, hier einen gemeinsamen Kindergarten einzurichten. Aber das wollen wir vermeiden. Und gemeinsam mit Lohsa sieht es für die Schule auch gut aus.

Eine lange Zeit spricht man bei Ihnen auch über die infrastrukturelle Erneuerung des Industriegebietes in Schwarze Pumpe und die Ansiedlung der Silizium-Pilotfabrik. Man könnte ungeduldig werden...
Mit Schmid, also der Siliziumfabrik, reden wir drei Jahre. Das ist einerseits lange, aber andererseits fast nur eine Sekunde. Wenn man die Pilotanlage sieht, die ab dem Frühling laufen wird, ist es faszinierend: Was man vor drei Jahren besprochen hat, ist umgesetzt.

Und das Industriegebiet?
Die Erschließung dort ist mit vielen Sorgen und Beratungen einher gegangen. Das ist auch eine riesige, rund 32 Millionen Euro schwere Aufgabe. Mit Nebenkosten hat die Gemeinde 6,4 Millionen Euro Eigenanteil aufzubringen. Das ist gigantisch. Bei Bürgerschaft und Gemeinderat dafür um Verständnis zu werben, ist eine Herausforderung.

Auf welche Zeit legt man solche Infrastruktur-Investitionen an?
25 Jahre sind grundsätzlich bei öffentlicher Förderung Maß aller Dinge. Aber wir wollen schon, dass es ein Stück länger hält. Man sagt immer, solche Anlagen würden für ein Menschenleben errichtet. Die Kläranlage in Schwarze Pumpe stammt vom Ende der 50er. Wir bauen jetzt eine neue. Das ist fast eine Ewigkeit. Wir blicken also mit dem Standort in die Zukunft.

Sie blicken mit dem Grundwasser-Anstieg aber auch immer wieder in die industrielle Vergangenheit. Hätten sie vor zehn Jahren gedacht, dass das so kommen wird?
Nein, vor zehn Jahren hatten wir auch noch die wunderschöne Gartenanlage in Burghammer. Wir mussten also Perlen opfern. Andererseits haben wir allein in Burghammer sieben Häuser anheben müssen. Das zeigt, dass der Rückbau der Gärten richtig war. Ich weiß noch, wie wir vor Jahren in Hoyerswerda saßen und es vom Bergbausanierer LMBV hieß, dass das aufsteigende Grundwasser einen Meter vor Vorbergbauniveau zum Stehen kommen wird. Ich habe damals nachgefragt, ob die LMBV damit die Verantwortung für alle Schäden durch das Grundwasser ablehnt. Das blieb unbeantwortet. Heute können wir sagen, dass das nicht so gekommen ist. Aber Schäden sind da. Es gab also an irgend einer Stelle einen Stockfehler.

Nun gab es im Oktober auch noch den Grundbruch in den sogenannten Spreetaler Feldern. Hat Sie das erschreckt?
Nicht nur das. Das hat uns in der Entwicklung um Jahre zurückgeworfen. Aber Hut ab vor der LMBV, die rigoros große Flächen gesperrt hat und nun untersucht, ob so ein Drama an anderen Stellen auch möglich ist. Ich hoffe, dass es da schnell konkrete Aussagen gibt.

Wofür ist dieses Jahr zu wenig Zeit geblieben?
Für die Familie. Die Aufgaben sind so groß, dass man verzehrt wird. Es blieb gerade Zeit für fünf Tage Urlaub. Viele Entscheidungen im Industriepark erforderten die Anwesenheit des Bürgermeisters. Der Standort Schwarze Pumpe hat mich in diesem Jahr vielleicht Kraft für fünf Jahre gekostet. Ich bin ein ganzes Stück grauer und älter geworden. Ich möchte das Ganze nicht noch einmal machen.

Gab es auch Sekunden, die ein ganzes Jahr ersetzen konnten?
Ja. Alleine die Erlebnisse mit den Enkeln! Aber auch die Beschlüsse zur Sicherung der Schulen in Lohsa und Burgneudorf waren solche Momente. Da sieht man, dass sich die Fleißarbeit doch lohnt. Das gilt auch für den 28. August, als das Land die Förderung für den Standort Schwarze Pumpe freigegeben hat. Da fielen Lasten von den Schultern, denn ohne Förderung hätte der gesamte Standort auf dem Spiel gestanden. Das Datum 28. August werde ich also nicht vergessen.

Worüber reden wir in zwölf Monaten? Gibt es einen Plan?
Das ist der Haushalt. Priorität hat die Erschließung des Industriestandortes. Hier sind mehrere Ansiedlungen in der Pipeline. Ich hoffe, dass mindestens zwei oder drei gelingen. Die Deutsche Biomethanol baut derzeit ihre Anlagen auf, die Algenzucht soll umgesetzt werden, und bei der Broilermastanlage klären wir, ob sie möglich ist. Wir wollen aber auch an der Schule weiter ackern, nämlich gemeinsam mit Lohsa so, dass das Land uns bei der Modernisierung unterstützt. Die Gestaltung des Bernsteinsees hat begonnen. Aus meiner Sicht ist er auch so weit, dass man den See dem öffentlichen Bedarf zur Verfügung stellen könnte. Es gibt also noch reichlich Aufgaben.

Wenn eine gute Fee kommt und Sie fragt, wie viele Stunden ein Tag im Burgneudorfer Bürgermeisterbüro optimalerweise haben sollte, sagen Sie was?
Ich wundere mich schon manchmal, warum der Tag bloß 24 Stunden hat. Er könnte durchaus mehr haben. Oft ist die Zeit weg, und man hat noch nicht alles geschafft. In Summe staune ich manchmal, dass ich den Job noch so gern mache. Aber es gibt in Spreetal doch Grund genug, sich trotz aller Probleme immer wieder zu freuen.



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