Die drei (Un-)Gleichen


von Tageblatt-Redaktion

Hoyerswerdas  Altstadt ist zwar schön saniert, aber klein. Johanneskirche und Lange Straße reichen nicht für einen boomenden Tourismus.
Hoyerswerdas Altstadt ist zwar schön saniert, aber klein. Johanneskirche und Lange Straße reichen nicht für einen boomenden Tourismus.

 

Seit 1994 bilden Hoyerswerda, Bautzen und Görlitz den Oberzentralen Städteverbund und stellen gemeinsam das Oberzentrum Ostsachsens dar. Sind sie darum wie die „Drei Gleichen“, das thüringisch-mittelalterliche Burgen-Ensemble der Mühlburg (Mühlberg)/ Burg Gleichen (Wandersleben) und die Veste Wachsenburg (Holzhausen)? Schauen wir mal in den aktuellen Statistischen Bericht:

Bevölkerungsentwicklung
Die Bevölkerung in Hoyerswerda und Görlitz wuchs am steilsten und schrumpfte genauso stark. Die Neißestadt kam von 47 000 Einwohnern im Jahr 1871, hatte 1950 die Maximalzahl von 100 000 Einwohnern erreicht und zählt jetzt 56 000 Bewohner. Hoyerswerda wuchs von 2 600 auf 71 000 Einwohner (1981) und war Ende 2009 bei 38 000 Leuten. Bautzen wuchs und schrumpfte langsamer. Auch hier war 1981 der Einwohnerhöhepunkt erreicht. Statt 49 000 Menschen zählte man Ende 2009 aber nur noch knapp 41 000.

Viele Alte
Alle drei Städte sind Seniorenstädte, wobei Hoyerswerda das Altersranking anführt. 31 Prozent der Bewohner sind älter als 65, während es in Görlitz 28,5 Prozent und in Bautzen 25 Prozent sind.

Arbeit
Als Wirtschaftsstandort hängt Bautzen die anderen Städte ab. Zwar hat die Stadt mit 1 440 steuerpflichtigen Unternehmen 100 weniger als Görlitz, doch vor Steuern erbrachten die Bautzener Firmen 1,4 Millionen Euro allein im Jahr 2008 und damit mehr als die Görlitzer und Hoyerswerdaer zusammen. Das schlägt sich in einem ähnlichen Bild bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am jeweiligen Ort nieder. Bautzen hatte Ende 2009 mit 12,3 Prozent auch die niedrigste Arbeitslosenquote. Schwacher Trost für die Elsterstadt: Görlitz (18,9 %) ist noch stärker betroffen als Hoyerswerda (15,7 %).

Wohnen
Bedingt durch die Neustadt hat Hoyerswerda unter den drei Städten den jüngsten Wohnungsbestand. In Görlitz stammen 35 Prozent der Gebäude aus der Zeit vor 1900, was natürlich den Altstadt-Charme ausmacht. Und an der Neiße wird auch kräftig gebaut. Den 121 Baugenehmigungen im Jahr 2009 und einem Bauvolumen von 44,5 Mio Euro können Bautzen und Hoyerswerda gerade mal zusammen Paroli bieten.

Tourismus
Mag Hoyerswerdas Neustadt städtebaulich noch so interessant sein, die Touristen wollen großartige Altstädte sehen. Während in Hoyerswerda sechs Beherbergungsstätten insgesamt 491 Betten anbieten, stellen die 19 Bautzener Hotels und Pensionen 1 085 Betten bereit. Görlitz-Besucher können ihr Haupt auf einem der 1 334 Betten der 33 Anbieter niederlegen. In Görlitz taten dies 2009 insgesamt 88 000 Leute (HY: 16 200, BZ: 69 600). Am zu geringen Bettenangebot in Hoyerswerda liegt es jedenfalls nicht – die Auslastung liegt bei nur 23,2 Prozent. Die angebotenen Stadtführungen in Bautzen und Görlitz sind ebenfalls wahre Erfolge, locken zwölf mal mehr Leute als in Hoyerswerda. Zumindest an der Neiße ist der Tourismus seit zehn Jahren auf einem stetig steigenden Ast.

Familie
Krippen-, Kita- und Hortplätze bieten alle drei in ausreichendem Maße an. Auch als Bildungsstandorte sind die Städte, gemessen an ihren Einwohnern, nah beieinander.
P Freizeit
Die beiden Theaterstädte Bautzen und Görlitz bieten deutlich mehr Theater als die Hoyerswerdaer zu sehen bekommen. Dafür springt die KulturFabrik in die Bresche. Das Soziokulturelle Zentrum lockte mit seinen Veranstaltungen mehr Besucher an als die in den anderen beiden Städten zusammen. Jede der drei Städte hat eine Schwimmhalle. Doch was Sportstätten anbelangt, ist Hoyerswerda nicht zu übertrumpfen. Rein von der Anzahl und den Quadratmeter her (auf die Einwohnerzahl umgerechnet) herrschen hier für Sportler paradiesische Zustände.

Medizinische Versorgung
Mag man in Hoyerswerda hin und wieder über Ärztemangel klagen – im Oberzentralen Städteverbund haben alle die gleichen Probleme. Auf jeden der 29 Allgemeinmediziner kommen in Hoyerswerda 1 300 Einwohner. In Görlitz zählt man auf jeden der 27 Ärzte 2 100 Menschen, auf die 21 in Bautzen 1 900 Leute. Bei der Verhältnismäßigkeit der Fachärzte zu den Bewohnern hat Bautzen klar die Nase vorn, bei den Zahnärzten ist es Hoyerswerda.

Fazit
Etliche aktuelle Probleme sind in allen drei Städten ähnlich ausgeprägt, gleichwohl sie ihren Einwohnern auch viel Genuss bieten. Doch in puncto Tourismus und Wirtschaft spielen Bautzen und Görlitz, schon vor dem Hintergrund der Entwicklung in den letzten 100 Jahren, einfach in einer anderen Liga als Hoyerswerda.



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