Der Veranstaltungsmacher


von Tageblatt-Redaktion

Die Veranstaltungen in der Lausitzhalle richten sich bislang zum Großteil an die ältere Generation. Der neue Geschäftsführer Sven Tietze will bewährte Dinge nicht kippen, andererseits aber auch neue Besucherschichten erschließen.
Die Veranstaltungen in der Lausitzhalle richten sich bislang zum Großteil an die ältere Generation. Der neue Geschäftsführer Sven Tietze will bewährte Dinge nicht kippen, andererseits aber auch neue Besucherschichten erschließen.

Den Karneval mag er. Nicht den in Mainz oder den in Düsseldorf. Als Sven Tietze vor einigen Jahren Chef der Rhein-Sieg-Halle in Siegburg war, ließ er sich vom rheinischen Frohsinn, der nun mal „in Köln besonders ausgeprägt ist“, gerne mitreißen. Häufig war er in der närrischen Zeit in der Domstadt, feierte dort den Karneval. Für jemanden, der in Potsdam aufgewachsen ist, war so viel Ausgelassenheit und Temperament natürlich erst einmal etwas, woran man sich gewöhnen musste. Sven Tietze gelang das relativ schnell. Und weil er ein ausgesprochenes Faible für Musik hat, gefielen ihm auch die Musikgruppen, die die rheinische Mundart über die Grenzen von Nordrhein-Westfalen bekanntmachten. Brings etwa. Oder BAP. „Vielleicht kann man ja auch mal hier einen Kölsch-Rock-Abend auf die Beine stellen“, überlegt Sven Tietze.
Hier, damit meint der 47-Jährige seinen Arbeitsplatz, die Lausitzhalle. Der neue Geschäftsführer des Hoyerswerdaer Kulturhauses weiß natürlich, dass seine musikalischen Wünsche mit dem des Publikums „nicht immer deckungsgleich“ sind, wie er das ausdrückt. Doch was zieht den Hoyerswerd’schen in die Lausitzhalle? Um das herauszufinden, hört er sich um. Erkundigt sich bei seinen Mitarbeitern, unterhält sich auf der Straße mit den Leuten. In Gesprächen mit den Hoyerswerdaern will er einen Eindruck bekommen, worauf sie stehen, die Bewohner der Stadt, welche Künstler beliebt und gefragt sind, wen sie in der Halle sehen und hören wollen. „Ich finde das total spannend, auf so eine Art zu erfahren, wie es um den Unterhaltungsgeschmack der hier Lebenden bestellt ist“. Doch der Nachfolger von Michael Renner sieht die Lausitzhalle nicht als ein Experimentierfeld an. „Das Bewährte soll auf jeden Fall erhalten bleiben“, stellt Tietze klar. Die klassischen Volksmusikveranstaltungen, die Klassik-Konzerte, die wird es selbstverständlich auch künftig geben.
Aber er möchte die „gute Stube der Stadt“, wie er sie nennt, auch den jüngeren Menschen hier schmackhaft machen. Da passt die Verpflichtung von Luca Hänni, dem Sieger des diesjährigen RTL-Sendung „Deutschland sucht den Superstar“ wunderbar. Da werden am 1. Oktober dieses Jahres kreischende Kinder und Jugendliche in der ausverkauften Lausitzhalle für mächtig Stimmung sorgen.
„Ein echter Kracher“, bezeichnet Tietze seinen Coup. Das sei schon etwas Besonderes, wenn so jemand wie Luca Hänni seine Tour in Hoyerswerda beginne. Damit werde die Stadt, die Region aufgewertet. Das ist ihm auch ein großes Anliegen, das Image der Zuse-Stadt noch weiter aufzubessern. Denn „die Stadt ist liebenswerter als ihr Ruf“.
Will er mit weiteren Krachern aufhorchen lassen? Da zuckt der 47-jährige Tietze sogleich mit den Schultern. Schüttelt den Kopf. „Wir sind hier zur Wirtschaftlichkeit verdammt“, weist er darauf hin, dass er ja immer auf seinen Etat schauen müsse. Mit Maß wirtschaften und dennoch den ein oder anderen hochkarätigen Künstler nach Hoyerswerda zu locken, so will er die Halle „am Leben erhalten“.
Eine echte Gratwanderung, auf die er sich eingelassen hat. Er lächelt. Als er sich im vorigen Jahr bewarb, sei ihm schon klar gewesen, dass das „nicht einfach wird“. Aber das habe er ja auch als reizvoll empfunden, die Herausforderung. Denn „leichte Aufgaben schätze ich gar nicht“. So verhielt sich das auch auf so manchen seiner vergangenen Stationen. Tourismusmanager in Potsdam war er, Kurdirektor und Organisationsleiter der Potsdamer Schlössernacht, bei der Fußball-Weltmeisterschaft vor sechs Jahren in Deutschland war er in Berlin und Leipzig Merchandising-Chef. „Ich habe da sozusagen alle möglichen Accessoires rund um den Fußball verkauft“, grinst er. Und überall habe er sich beweisen müssen.
Als er im vergangenen Jahr die Ausschreibung sah und seine Bewerbungsunterlagen abgeschickt hatte, war er nach Hoyerswerda gefahren. Um sich die Stadt anzuschauen, aber vor allem die Lausitzhalle. Er habe eine Veranstaltung besucht, um sich einen Eindruck zu verschaffen, vom Publikum, von der Halle, von der Atmosphäre. Ein angenehmer Abend sei es gewesen, erinnert er sich. Angenehme und unterhaltsame Abende will er den Hoyerswerdaern künftig viele geben. Wenn „Künstler sich bei uns wohlfühlen, die Stimmung im Publikum gut ist, sich alles im Einklang befindet“, werde ihn das mit Zufriedenheit erfüllen. Dann, so Tietze, habe er eine gute Arbeit gemacht. Und durch solche gelungenen Events, so der neue Lausitzhallen-Chef, „bekomme ich ein hohes Maß an Motivation“. Für die tägliche Arbeit, für den Umgang mit den Mitarbeitern, den Agenturen und den Künstlern.



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