Das Stromerchen hofft auf einen solventen Prinzen


von Tageblatt-Redaktion

Die E-Ella mit Andrzej Serwecinski im BTU-Campus
Die E-Ella mit Andrzej Serwecinski im BTU-Campus

Am 1. Oktober 2012 gab es im (Bundes-)Kanzleramt einen Gipfel zur Elektromobilität. Dessen Ergebnis bezeichnet die SPD-Bundestagsfraktion auf ihrer Website schlicht als „Wieder nichts Neues“. Leitmedien wie die Tagesschau lassen in persona Anja Günther (NDR) aus dem ARD-Hauptstadtstudio berichten: „Dem großen Wirbel um Elektroautos folgt nun das Tal der Tränen. So beschreibt es die Bundesregierung.“ Das sei laut Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht ungewöhnlich; der Elektroautomarkt sei halt dynamisch und „das Ziel, eine Million Autos im Jahre 2020 auf den Straßen zu haben, wird man nicht ganz einfach erreichen.“ Aber schwer wird’s bestimmt auch nicht! Sind doch, Stand Anfang 2012, bundesweit schon enorme 4 500 Elektromobile zugelassen!
Was das alles mit dem Hoyerswerdaer Andrzej Serwecinski zu tun hat? Nun, er hat das Projekt eines Elektro-Mopeds E-Ella angeschoben. Der Prototyp ist, siehe oben, Star auf vielen Messen. Die Zahl der Werbeaufkleber verschiedenster regionaler und überregionaler Unternehmen auf der weißen Haut des Gefährts nimmt zu.

Drei Vorteile – ein Nachteil

Dem ersten Solo-Rennen Hoyerswerda – Spremberg und zurück, bei dem die E-Ella unter Winterbedingungen am 27.1.2012 überzeugend ihre Alltagstauglichkeit nachwies, folgt am 28. Januar 2013 eine Neuauflage. „Publicity“ hat die E-Ella genug. Und anders als die einst für August 2011 und 4 700 Euro angekündigte E-Schwalbe aus Suhl, für die es wieder mal einen neuen „Soll“-Termin („Anfang 2013“) gibt (laut www.emissionslos.com), rollt die E-Ella nicht nur, sondern ihr Anschaffungspreis, Moped-Körper, Elektrostrang und Umbau inklusive, dürfte sich bei kaum der Hälfte dessen bewegen, was die Suhler laut selber Quelle für ihr Einstiegsmodell verlangen wollen: Die Original-Schwalbe soll ab 5 299 Euro zu haben sein. Doppel-Vorteil E-Ella.
Vorteil Nr. 3: Nur ein Genehmigungsverfahren entfernt ist die E-Ella von der Zulassung auf den Radwegen des Lausitzer Seenlandes – denn sie ist emissionsfrei und in der Grundausstattung so zahm, dass man mit ihr zwar genau so rasch wie mit einem Rad vorankommt, aber nicht sicherheitsgefährdend rasen kann. Bei einem Hoyerswerdaer Verein und in einer polnischen Werkstatt werden jetzt Ella 2 und 3 montiert – aber eine Serienfertigung ist nicht in Sicht. Siehe auch Elektromobilitäts-Gipfel.

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Bild: Der Hoyerswerdaer Andrzej Serwecinski (Titelfoto Mitte) und seine E-Ella waren bei der „Nacht der kreativen Köpfe“ am 13. Oktober 2012 auf dem Cottbuser BTU-Campus (Brandenburgische Technische Universität) bei Siemens im Audimax-Foyer echte Stars. Serwecinski war der einzige angefragte Hoyerswerdaer Aussteller. Lieber wäre ihm, eine Fertigungsstätte früge an. Foto: d-pl-ib

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STADTGESPRÄCH

Initialzündung –
warum nicht hier?

Warum kommen Elektrogefährte trotz aller Lobreden nicht in die Gänge? Sie sind zu teuer und zu kurzatmig, was die Reichweite und womöglich auch die Haltbarkeit der Akkus bis zum notwendigen Neukauf meint. Das wissen die Hersteller, und sie wissen auch, dass die Kunden es wissen. Die kaufen nicht, und demzufolge wird nicht produziert. Es bräuchte halt den technologischen Großen Sprung nach vorn. Oder den Einsatz von E-Mobilen da, wo sie schon jetzt den Anforderungen genügen. So wie Andrzej Serwecinskis Hoyerswerdaer Elektromoped E-Ella, das auf der Stadt-Kurzstrecke und als Touristenbummler im Lausitzer Seenland ideal verortbar scheint. Aber auch hier findet sich (bislang) kein Hersteller, der in Vorleistung geht. Kein Tourismusverband oder -anbieter, der zehn Exemplare ordern würde. Dabei könnte genau das die (gut: eine) Initialzündung sein, die Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Gipfel zur Elektromobilität am 1.10.2012 so umschrieb: „...dass es auch falsch ist, jetzt die Ziele (2020 eine Million E-Autos auf deutschen Straßen, d. A.) aufzugeben, weil wir in anderen technischen Bereichen auch gesehen haben, dass sich die Dinge oft sehr sprunghaft entwickeln.“ Dafür will der Bund zunächst eine Milliarde Euro in Forschung und Entwicklung investieren und Käufer-Anreize schaffen. Ich wüsste schon, wo ein My dieser Summe gut angelegt wäre und gewiss bald Effekte zeitigen würde. Mehr zur E-Ella und Kontakt zu Andrzej Serwecinski:

web www.d-pl-info.de

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Kommentare zum Artikel:

Perlerad schrieb am

Sollte es schon als Bausatz zu bekommen sein- bitte ich um einen Kostenvoranschlag ! Für Fahrrad-Rikscha Umbauten sicher zu nutzen - Oder ?!
MfG Perlerad

Mirko Kolodziej schrieb am

Sehr geehrter Herr Perlerad,
bitte wenden Sie ich mit Ihren Fragen direkt an Herrn Serwecinski, dessen Kontaktdaten Sie unter der oben angegebenen Webadresse finden. Mit freundlichen Grüßen, die Redaktion

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