„Das Wasser stand uns bis zu den Knien“


von Tageblatt-Redaktion

Per Pieper kam der Einsatzbefehl für Feuerwehrmann Kai Haferland.
Per Pieper kam der Einsatzbefehl für Feuerwehrmann Kai Haferland.

Kai Haferland wurde kalt erwischt. Kurz nach Mitternacht war es. „Als ich aus dem Wagen stieg, stand mir das Wasser bis zu den Knien.“ Die Sicherheitsschuhe der Feuerwehr reichen so hoch nicht. Mit nassen Füßen war er durch die überflutete Dorfstraße von Groß Neida gewatet.
Das Hochwasser in der vergangenen Woche hatte für die Feuerwehren in und um Hoyerswerda Großeinsatz bedeutet. Arbeit rund um die Uhr. Auch die Wehr, der Kai Haferland angehört, die Freiwillige Feuerwehr von Neustadt-Kühnicht, war im Einsatz. Am Dienstagabend hatte der 32-Jährige mit den Kollegen in Zeißig Sandsäcke gefüllt und am Damm gestapelt. Um Mitternacht kam der Befehl, unverzüglich nach Groß Neida zu fahren.
Für jemanden wie ihn, der noch nie einen solchen Flut-Einsatz mitgemacht hat, war das, was er in dem Hoyerswerdaer Ortsteil sah, dann doch überraschend. Denn „so viel Wasser habe ich ja noch nicht gesehen“, beschreibt der Hoyerswerdaer den Moment, als sie in der Nacht den einzigen Zugang zum Ortsteil, den Scheunenweg, passierten. Das Löschfahrzeug sei da nur mit Mühe durchgekommen. Sein Einsatzbereich, das war in dieser Nacht der Winzerhof. Sie setzten die größte zu Verfügung stehende Pumpe ein. 800 Liter zog die pro Stunde aus den Kellerräumen. „Aber das Wasser stieg dennoch unentwegt an.“ Dabei durfte der Starkstromkasten des Wohngebäudes auf keinen Fall nass werden. Haferland: „Dann wären hier alle Lichter ausgegangen, die Kühlanlagen ausgefallen.“ Sie schafften es.
In den Pausen hatte er Zeit, konnte er einen Blick auf das Flut-Szenario im Dorf werfen. An einigen Stellen standen Lichtmasten, Pumpengeräusche waren zu hören, die Fenster aller Wohnhäuser erleuchtet. Menschen schleppten Eimer voller Wasser nach draußen. Haferland: „Ich habe nicht das Gefühl gehabt, dass die Bewohner unruhig gewesen wären.“ Was wohl daran lag, dass alle beschäftigt waren, mit ihren Häusern, mit der schmutzigen Brühe, die unentwegt in die Keller, die Gehöfte schwappte. Bis zum Mittwoch Nachmittag blieben sie im Winzerhof. Die Besitzer dort hätten ihn und seine Kollegen gut versorgt. Mit Kaffee, belegten Brötchen. 21 Stunden war er im Einsatz, dann wurde er abgelöst. Manche Kollegen der Berufsfeuerwehr seien noch länger in Groß Neida geblieben. „Über 30 Stunden haben die gearbeitet, ohne jeden Schlaf.“
Dieser Einsatz sei der bewegendste seiner insgesamt 23 gewesen. Denn Haferlands Erfahrungswerte bei der Feuerwehr sind überschaubar. Er ist erst seit einem Jahr dabei.
Was ihm ebenfalls von diesem viertägigen Einsatz haften geblieben ist, das sei die Kameradschaft der Wehren untereinander gewesen. Man habe sich „wunderbar“ unterstützt. Und noch etwas hat ihm gut getan. „Es ist ein angenehmes Gefühl, wenn man Menschen helfen kann.“ Auch die Anerkennung der Groß Neidaer: „Uns wurde oft bewundernd auf die Schulter geklopft.“
Aber Haferland hat für sich noch eine weitere Erkenntnis aus dem Erlebten gezogen. „Wäre ich Hausbesitzer, würde ich so ein Hochwasser auf keinen Fall erleben wollen“. Dabei hat er einen erlebt, als fast Betroffener, wie er sagt. Im Urlaub sei das gewesen. In Karlsfeld, einer Gemeinde unweit von München.
Im November zieht er mit Frau und Kind fort. Er hat in München eine Arbeit in der Sicherheitsbranche gefunden. Wohnen wird er mit seiner Familie in – Karlsfeld. „Ich habe mich bei der dortigen Freiwilligen Wehr bereits vorgestellt“, berichtet er. Er könne nach seinem Umzug dort sofort einsteigen, habe man ihm jüngst signalisiert. Er hat ja nun auch was vorzuweisen. Hochwassererfahrung.

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Kommentare zum Artikel:

Schuster schrieb am

Ich war als das passierte 9 Jahre alt. Bei uns war nur der Keller überflutet, aber bei meiner besten Freundin die auch in Groß-Neida wohnt, stand das Wasser im Haus bis zuden Knöcheln. Es war wirklich schrecklich.

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