Das Seenland wächst auch im Winter


von Tageblatt-Redaktion

Am Kanal zwischen Spreetaler und Sabrodter See wird auch bei Schnee und Eis weitergebaut. Aktuell werden mittels Bagger Wasserbausteine geschüttet
Am Kanal zwischen Spreetaler und Sabrodter See wird auch bei Schnee und Eis weitergebaut. Aktuell werden mittels Bagger Wasserbausteine geschüttet

Schneegriesel, Frost, der ins Gesicht kneift, Nebel und eine weißgezuckerte Landschaft so weit das Auge reicht. Das ist ein Wetter wie gemacht für einen kleinen Winterspaziergang – aber keines zum Arbeiten im Freien. Winterspaziergänge oder Winterpausen sind jedoch auf der Kanalbaustelle zwischen Spreetaler und Sabrodter See (Überleiter 1, siehe Kasten) nicht vorgesehen. „Ach, es gibt viel schlimmeres Wetter, zum Beispiel wenn es stark regnet“, meint Bauleiter Peter Ebermann von der TDE Mitteldeutsche Bergbau Service GmbH aus Espenhain. Regenbedingter Schlamm erschwere Massentransporte per Lkw – allerdings richtig knackiger Frost wie vor Weihnachten lässt auf der Baustelle ebenfalls nicht viele Handgriffe zu.
Seit September 2010 wird der Überleiter 1, mit 2,75 Kilometern der künftig längste schiffbare Kanal im Lausitzer Seenland, geschaffen. Eigentlich so ein bisschen in aller Heimlichkeit – Autos kommen hier keine vorbei. 2014 soll die in sechs Abschnitte geteilte Baumaßnahme abgeschlossen sein. „Wir liegen voll in der Zeit“, sagt Hans-Jürgen Zücker, zuständiger Projektmanager beim Bergbausanierer LMBV. Der Einlauf in den Spreetaler See sowie der in den Sabrodter See sind fertig, genauso wie rund 1 500 Meter Kanal.
600 000 Kubikmeter Erdmassen sind seit Baubeginn schon Richtung Schwarze Pumpe abtransportiert worden; die gleiche Menge kommt noch einmal hinzu. Das Material wird zum Auffüllen auf eine so genannte Spülhalde, eine industriell genutzte Fläche, gebracht, erklärt LMBV-Pressesprecher Uwe Steinhuber.
Aktuell sind die TDE-Mitarbeiter dabei, den Kanal und die Böschung im 2. Bauabschnitt auf 1 200 Metern Länge mit Wasserbausteinen zu befestigen und zu sichern. Restarbeiten, dann ist auch dieses Teilstück so weit geschafft. Ein Bagger mit einem langen Arm steht dafür auf einer so genannten Berme, ein rund vier Meter breiter Absatz, der sich an der gesamten Kanalböschung entlangzieht. Am Ufer liegen die Steine tonnenweise aufgehäuft. Lkw bringen sie von den Natursteinwerken Weiland in Schwarzkollm. Allein in diesem Abschnitt werden 35 000 Tonnen dieser Steine verbaut. Wenn man bedenkt, dass eine Lasterladung vielleicht 25 Tonnen fasst, kann man sich vorstellen, dass hier reger Lkw-Lieferverkehr herrscht.
Auf dem Wasser schwimmen dünne Eisschollen. Der Baggerfahrer, der die Steine 50 Zentimeter hoch aufschüttet, ist mit einer „anspruchsvollen Angelegenheit“ befasst, wie der Projektmanager erklärt. Denn er muss mit seiner Baggerschaufel unter Wasser hantieren.
Aber die Wasserbausteine allein dichten den Kanal nicht ab. Wie Hans-Jürgen Zücker erklärt, werden nach dem Erdbau, also der Grundprofilierung, Matten aus textilem Material ausgelegt. Darauf kommt eine Dichtbahn aus einem Tonmineraliengemisch, gefolgt von einer 30-Zentimer-Filterschicht aus Schotter. 7 000 Tonnen davon schluckt der 1,2 Kilometer lange Abschnitt. Gekrönt wird das Ganze dann von den Wasserbausteinen. Die Abdichtung ist nötig, sonst würde das Kanalwasser ins Grundwasser sickern.
Die größten Herausforderungen stehen LMBV und Baufirmen noch bevor: Im Februar beziehungsweise März beginnen die vorbereitenden Arbeiten für die Errichtung der Schleuse sowie einer Wirtschaftswegbrücke. Für den Schleusenbau, so Hans-Jürgen Zücker, werden zur Grundwasserabsenkung extra zehn Brunnen gebohrt. Im Baubereich Schleuse werden die Spundwände gedichtet, so dass kein Wasser vom Spreetaler See in die Baugrube eindringen kann.
Das Gefälle zwischen Spreetaler und Sabrodter See macht ein Regulieren per Schleuse notwendig. Fünf Meter beträgt ihre maximale Fallhöhe – so hoch wie bei keiner anderen dieser Anlagen im Seenland.
Die Maße der Wirtschaftswegbrücke, die noch in diesem Jahr fertig werden soll, klingen gewaltig: Reichlich 34 Meter Spannbreite und 5,70 Meter Durchfahrtshöhe ab der maximalen Höhe des Wasserspiegels. Aber der Überleiter an sich ist ja an der Oberkante 24 Meter breit – hier sollen später zwei Boote bequem aneinander vorbeifahren können. Die Brücke wird künftig den Zufahrtsweg zur jetzigen Baustelle – er führt vorbei an der Siedlung Schwarzlugk und dem Ponyhof Terra Nova – und das Wegenetz im momentan gesperrten Kippengebiet verbinden. „Es wäre fatal, den Kanal künftig nicht queren zu können“, sagt Uwe Steinhuber. Wann das Kippengebiet wieder zugänglich sein wird, steht noch nicht fest.
Steht die Brücke, müssen darunter noch 200 Meter Kanal hergestellt werden. Für den Projektmanager der anspruchsvollste Part der Baustelle. Im Jahr 2015, so schätzt Hans-Jürgen Zücker, wird das erste Boot auf dem Kanal fahren können. Theoretisch hätte man heute schon sehen können, wie es aussieht, wenn ein Boot im Kanalwasser schwimmt. Mit Hilfe eines Schlauchbootes werden die Wassertiefen nämlich gelotet und das Profil kontrolliert, bevor und nachdem die Schicht Wasserbausteine aufgetragen worden ist. „Wir können im Wasser ja nicht stehen“, meint Peter Ebermann scherzhaft. Nur: Das rund 900 Euro teure TDE-Schlauchboot ist in der vergangenen Woche gestohlen worden. Das ist ärgerlich – viel mehr ärgern den Bauleiter aber Dieseldiebe, die auch diese Baustelle schon heimgesucht haben.
Bis Ende des Monats, so der Bauleiter, sollen die Wasserbausteine im aktuellen Abschnitt verlegt sein. Sobald das Wetter es zulässt, werden die Bauarbeiter dort noch den Weg auf der Berme mit einem Mineralgemisch abdichten. Dieses würde bei Frost auf der Oberfläche nicht halten. Dann ist diese Seenland-Baustelle für TDE beendet. „Anspruchsvoll und vielseitig“, nennt der Projektmanager die Tätigkeit hier zwischen den beiden Seen.
Läuft alles weiter nach Plan, dann liegt auch der Spreetaler See bald drin, in der Lausitzer Seenkette.

Zahlen und Fakten
Der Überleiter 1 verbindet den Spreetaler mit dem Sabrodter See.
Baumaßnahmen: Kanal mit Brückenbauwerk und Schleuse
Bauzeit: 2010 bis 2014
Kanal
Länge: 2 750 Meter
Wassertiefe: 3,50 Meter
Brücke
Spannweite: 34,2 Meter
Fahrbahnbreite: 3,50 Meter
Schleuse
nutzbare Kammerlänge: 29,40 Meter
Kammerbreite: 6 Meter
Fallhöhe: 5 Meter
Wasserstände im Endzustand
Spreetaler See: 108,0 m NHN (derzeit 106,1 m NHN, Stand: 09/2012)
Sabrodter See: 103–104 m NHN (derzeit 99,2 m NHN, Stand: 09/2012) (Quelle: LMBV)

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