Brauchtum, Barock und Funkelei


von Tageblatt-Redaktion

Der Stollen wurde gestern Abend kurz nach 17 Uhr angeschnitten
Der Stollen wurde gestern Abend kurz nach 17 Uhr angeschnitten

Von Uwe Schulz

Dritter Advent in Hoyerswerda ist Weihnachtsmarktzeit. Bis Sonntagabend kann man sich auf und am Marktplatz ins Getümmel stürzen – Kaufen, Schlemmen, die Atmosphäre genießen, was erleben. 49 Buden, ergänzt um einige Kinderfahrgeschäfte und Rummelwagen, sind zwischen Rathaus und Braugasse platziert, dazu reichlich Nadelbäume aus der gemeinde Cunewalde. Im Kino ist auch was los und im Schloss ergänzt der Funkelmarkt von KulturFabrik und ZooKultur den von der Lausitzhalle GmbH organisierten Weihnachtsmarkt. Die Jugendfarm ist mit Tieren präsent, der Kinderzirkus Krabatino zeigt feurige Kunststücke. Eigentlich ist immer irgendwo etwas los.

Die Preise für Glühwein, Wurst und Steak sind mit denen der anderen Weihnachtsmärkte in der Region vergleichbar. Und Lausitzhallen-Chef Dirk Rolka hofft, dass diesmal ein Weg gefunden wurde, auch die Anrainer des Marktes und der nebenstraßen wie gewünscht mit in das Geschäft einzubeziehen. Weihnachtsmann, die Reichsfürstin Teschen und ihr Gefolge sind übrigens an allen Tagen des Marktes präsent. Ansonsten hat jeder der drei Weihnachtsmarkt-Tage etwas Besonderes: Am Sonntag laden die Geschäfte zusätzlich zum verkaufsoffenen Sonntag ein, heute ist im Schloss wieder der Funkelmarkt zu erleben. Ausschließlich am gestrigen Abend gab es das Sorbische Bescherkind zu sehen. In knapp einstündiger Arbeit waren im Trachtenhaus Jatzwauk das Bescherkind und seine fünf Begleiterinnen angekleidet worden.

Und das ist durchaus eine Hoyerswerdaer Spezialität. Der Brauch stammt aus den alten Spinnstuben (Spinte). Eine Teilnehmerin der Spinte wurde in der Adventszeit in Teile der großen sorbischen Festtracht gekleidet und das Gesicht mit einem Schleier von weißem Tüll verdeckt. In der einen Hand trägt das Bescherkind eine buntgeschmückte Rute aus zusammengebundenen Reisern in der anderen ein Glöckchen, dessen leises Klingeln es ankündigt. Angetan mit dieser prächtigen Tracht geht die Gestalt schweigend umher. Sie berührt die Menschen, denen sie begegnet mit der bunt geschmückten Rute an Schulter oder Arm. Kleinen Kindern, die sich vielleicht vor der Rute fürchten würden, wird mit der behandschuhten Hand sanft über die Wange gestrichen.

Da weder Gestalt, Gesicht noch Stimme zu erkennen waren, gab es jedes Mal im Dorf ein aufregendes Rätselraten, wer denn diesmal Bescherkind sei. Auch heute werden weder Name noch Alter verraten. Kirsten Böhme vom Verein zur Pflege der Regionalkultur der Mittleren Oberlausitz erklärt immerhin so viel, dass sich unter dem Schleier eine Einheimische verbirgt, die der sorbischen Tradition sehr verbunden ist. Da die Originaltracht wegen der reichen Lochstickerei sehr wertvoll ist, wird ein nach dem Original gearbeitetes Duplikat getragen. Seit den 90er Jahren ist das Bescherkind schon öfter zu Besuch auf dem Weihnachtsmarkt in der Altstadt von Hoyerswerda gewesen.

Wer den diesjährigen Markt besuchen will, kommt am besten zu Fuß. Die Parkplätze am Zoo und in der Senftenberger Straße stehenfreilich zum PKW-Abstellen ebenso zur Verfügung wie das Parkhaus an der Sparkasse.

Heute hat der Teschenmarkt übrigens von 11 bis 21 Uhr geöffnet, am morgigen Sonntag von 11 bis 19 Uhr. Der Funkelmarkt im Schloss öffnet heute von 16 bis 20 Uhr. Und wer singen will, der kann sich heute um 19 Uhr auf der Schlossbrücke zum Spontan-Chor gesellen und zusammen mit vielen anderen weihnachtliche Lieder singen. 150 Sängerinnen waren im vergangenen Jahr dabei.

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