Bernsdorf muss mit der Wirtschaft punkten


von Tageblatt-Redaktion

Sieben Jahre Amtszeit als Bürgermeister der Stadt Bernsdorf hat der 52-jährige Harry Habel (CDU) hinter sich – und noch viele Dinge vor.
Sieben Jahre Amtszeit als Bürgermeister der Stadt Bernsdorf hat der 52-jährige Harry Habel (CDU) hinter sich – und noch viele Dinge vor.

Herr Habel, Sie sind vor sieben Jahren mit relativ geringer kommunalpolitischer Erfahrung Bürgermeister geworden. Wie lange brauchten Sie, um sich im neuen Job zurechtzufinden?

Das weiß ich noch ziemlich exakt. Nach einem Jahr habe ich zu meiner Frau gesagt: Jetzt bin ich so weit, dass ich agieren kann und nicht nur reagiere. Nach zwei Jahren habe ich dann gesagt: Jetzt weiß ich, wie ich die Stadt gern entwickeln möchte. Was noch lange nicht hieß, dass Stadträte, Bevölkerung und Verwaltung das so mitmachen würden. In Summe hat es also einige Zeit gedauert, bis ich die kommunalpolitischen Wege kannte. Überhaupt sind die sieben Jahre vergangen wie im Flug.

Bekommt man als Neuling beim Lernen Hilfe?

Die gab es für mich. Die Mitarbeiter im Rathaus, im Landratsamt und viele beratende Bürger halfen, wenn ich Fragen hatte. Wertvoll für mich waren aber auch die Gespräche mit Amtskollegen. Das hat mir wirklich viel gebracht.

Haben Sie in ihrer Lernphase auch mal einen Bock geschossen, ein Fettnäpfchen erwischt?

Ich war es bis dahin als GmbH-Geschäftsführer gewöhnt, selbstständig und schnell Entscheidungen zu treffen. Das tat ich dann auch im Rathaus. Bis mich die Personalratschefin der Stadtverwaltung einmal ansprach und meinte: «Sie müssen uns mitnehmen und sagen, wo es lang geht.» Ähnlich verhielt es sich mit dem Stadtrat. Ich musste lernen, alle mit in die Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Es gibt seither keine Informationen, Zahlen oder Fakten, die die Stadträte nicht bekommen. Das ist wichtig für das gegenseitige Vertrauen.

Gab es in den sieben Jahren Ihrer bisherigen Amtszeit mal einen Moment, an dem sie sich ihren alten Job als Geschäftsführer der Bernsdorfer Wohnungsbaugesellschaft zurückgewünscht haben?

Den gab es nicht. Ich habe die Arbeit als Geschäftsführer gerne gemacht. Das lag mir auch. Aber dieses Thema ist für mich abgeschlossen. und liegt bei meiner Nachfolgerin Frau Hahn in guten Händen.

Geht nicht, gibt’s nicht, so haben Sie vor der Wahl 2005 gesagt, ist ihr Lebensmotto. Ist es das nach wie vor noch?

Dabei bleibe ich. Das heißt natürlich nicht, dass man immer alles in den Griff bekommt. Das ist mir auch klar. Aber: Geht nicht, gibt‘s nicht – so muss man rangehen.

Stießen Sie auch mal an Grenzen, die nicht zu überwinden waren?

Da fällt mit aus dem Stegreif nichts ein. Es dauert vieles allerdings seine Zeit. Ich denke da nur an den Gehwegbau, den Radwegbau oder auch den Straßenbau. Der Bürger kann es nicht verstehen, warum manches so lange dauert. Auch ich selbst habe früher in viel kürzeren Zeitabständen gedacht.

Bau des neuen Stadtzentrums, Kita-Sanierungen, Mittelschulgründung, Eingemeindungen von Straßgräbchen und Wiednitz sowie aktuell der Eisenwerkabriss. Alles passierte in Ihrer Amtszeit. Hab ich etwas vergessen?

Die Sanierung der Grundschule wäre da zu nennen, die Etablierung unseres Mehrgenerationenhauses (MGH), der Spielplatzbau an der Grund- und Mittelschule und am MGH. Der Beginn des Straßenbaus in der Stadt, Ahorn- und Kiefernweg, der Radweg in Straßgräbchen und teilweise die Dorfstraße in Zeißholz . Die Sanierung der Sporthallen in Straßgräbchen und Bernsdorf. Die Teilsanierung des Dorfgemeinschaftshauses und der Trauerhalle in Großgrabe. Der Ausbau und die Nutzung von regenerativen Energieanlagen, die vielen Bürgern der Stadt zugute kommen. Es ist aber auch noch reichlich zu tun.

Was zum Beispiel?

Wir müssen erst einmal die angefangenen Dinge zu Ende bringen. Ich nenne da nur den Geh- und Radweg an der Hoyerswerdaer Straße, die Ortsumgehung S 94, die B 97 mit Fuß- und Radwegausbau, die Rathaus-Sanierung. Wirtschaftsförderung muss weiterhin ein Schwerpunkt sein. Es sollte alles getan werden, um die Stadt insgesamt noch attraktiver zu machen, um der demografischen Entwicklung entgegenwirken zu können. Mir ist klar, dass wir nie der touristische Mittelpunkt im Landkreis Bautzen werden. Aber wir müssen mit unserer Wirtschaft punkten, mit unseren Arbeitsplätzen. Wichtig dafür ist eine Top-Infrastruktur. Daran arbeiten wir ständig. Damit sich auch junge Familien in unserer Stadt wohlfühlen, wollen wir mit preiswertem Bauland ihre Eigenheimwünsche unterstützen. Geplant ist weiterhin ein attraktiver Erlebnisspielplatz am Tiergehege.

Erlebten Sie in den zurückliegenden Jahren auch mal eine Enttäuschung?

Ich hätte mir nach der erfolgten Privatisierung in Zeißholz mehr Aktivitäten zur Entwicklung des Ortes gewünscht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Im Moment hoffe ich erst einmal auf eine einvernehmliche Lösung im Sinne der Zeißholzer Kegler, deren Domizil ihnen ja gekündigt wurde.

Es gibt neben Ihnen keinen weiteren Kandidaten zur Bürgermeisterwahl. Das könnte doch auch so interpretiert werden, dass die meisten Leute mit Ihrer Amtsführung einverstanden sind. Was glauben Sie?

Da ich ein positiv denkender Mensch bin, hoffe ich einfach mal, dass dies der Grund ist, warum es keinen weiteren Kandidaten gibt.

Was hätte im Mittelpunkt Ihrer Bewerbung um den Chefsessel im Rathaus gestanden?

Es ist uns in den zurückliegenden Jahren recht gut gelungen, in die Zukunft der Stadt zu investieren, an dieser Arbeit werden wir weiterhin festhalten. Im Mittelpunkt steht für mich dabei immer eine solide Haushaltspolitik auf kommunaler Ebene, aber auch in Zusammenarbeit mit dem Landkreis und dem Freistaat, ein vertrauensvoller und konstruktiver Umgang mit allen, die sich für die Stadt starkmachen wollen.

Haben Sie ein Kriterium, an dem Sie festmachen werden, ob die Wahl für Sie ein Erfolg war oder nicht, die Wahlbeteiligung etwa?

Ich würde mich freuen, wenn viele Bernsdorfer wählen gehen, auch wenn es nur einen Kandidaten auf dem Wahlzettel gibt. Umso größer wäre die Bestätigung für mich.



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