Baubeginn ohne Baufirma


von Tageblatt-Redaktion

Absprachen zur Sicherheit auf der Bürgerhaus-Baustelle trafen gestern der Seidewinkler Ortsvorsteher und zuständige Projektplaner Frank Kurjo -rechts- sowie Gerd Kursawe, Fachingenieur für Arbeitsschutz
Absprachen zur Sicherheit auf der Bürgerhaus-Baustelle trafen gestern der Seidewinkler Ortsvorsteher und zuständige Projektplaner Frank Kurjo -rechts- sowie Gerd Kursawe, Fachingenieur für Arbeitsschutz

Ortschronistin Edith Jaeger war gestern Morgen die erste. Um viertel vor acht kam sie ans Bürgerhaus an der Friedenseiche in Seidewinkel, den Fotoapparat griffbereit. So ein geschichtsträchtiger Moment muss natürlich festgehalten werden: Gestern um 8 Uhr war offizieller Start für den Um- und Erweiterungsbau des Bürgerhauses, des Domizils für die zahlreichen Vereine im Elsterheider Ortsteil. Der wird von den Seidewinklern schon seit Jahren herbeigesehnt, und manch einer hatte wohl kaum noch daran geglaubt, dass es irgendwann tatsächlich losgehen würde mit dem 535 000-Euro-Projekt. Auch Edith Jaeger äußerte Skepsis, „ob hier heute wirklich etwas passiert“. (TAGEBLATT berichtete mehrfach/siehe Kasten).
Ein weiterer Einwohner kam angeradelt; kurz danach traf Gerd Kursawe ein, setzte sich vorschriftsmäßig einen Bauhelm auf. Er ist der zuständige Fachingenieur für Arbeitsschutz. Ortsvorsteher und Projektplaner Frank Kurjo stieg aus dem Auto, hatte eine Aktentasche mit Plänen für die Baufirma, die Sorabia Bau GmbH aus Rosenthal, dabei – aber deren Mitarbeiter waren nicht in Sicht. Dabei hätten sie eigentlich loslegen können, denn Baufreiheit wurde kurz vorher geschaffen: Möbel und Geschirr ausgeräumt und eingelagert, Fenster und Deckenverkleidung aus dem großen Vereinsraum entfernt (den fensterlosen Raum kundschafteten gestern gleich mal Schwalben aus, wohl auch auf Domizil-Suche…). Der Strom ist seit letzter Woche abgeklemmt – außer Sirene und Dorfbeleuchtung natürlich, die dort mitdranhängen.
Die Bauarbeiter erschienen aber nicht. Grund: Die Firma wollte zunächst noch eine andere Baustelle abschließen und wird dann ab Donnerstag voll loslegen in Seidewinkel, informierte Frank Kurjo gestern Nachmittag. Für ihn aber kein Grund zur Beunruhigung: Für die Rohbauarbeiten sei nämlich ein ausreichend großer Bauzeitraum zwischen 6. August und 26. Oktober vorgegeben. In 14 Tagen rücken die Tiefbauer an, bis dahin muss ein Durchbruch vom großen Vereinsraum im Altbau zum künftigen, noch zu errichtenden Erweiterungsbau fertig sein. In diesem Neubau soll ein großer Saal entstehen. Der Fußboden im Altbau wird auf das Niveau der Erweiterung gebracht. Das alte Haupthaus wird um drei Meter vergrößert – künftiger Platz für Küche und Ausschank. Wenn die Fundamente stehen, Fußboden- und Maurerarbeiten abgeschlossen sind, sind Zimmerer, Gerüst- und Fensterbauer sowie Dachdecker gefragt. Ziel sei es, sagte Frank Kurjo, dass zum Jahresende das Dach drauf und die Fenster drin sind.
Im Winter geht‘s an den Innenausbau – Elektrik, Sanitärbereich, Heizung. Der Elektro-Fachplaner schaute gestern auch vorbei. „Hoffentlich wird es dann nicht zu kalt“, meinte Edith Jaeger. Im Erdgeschoss der alten Schule haben sich die Vereine zwei provisorische Zimmer eingerichtet. Eines davon gehört dem Jugendclub, der später wieder ins Obergeschoss des Hauses zieht. Ursprünglich sollte die Jugend ein völlig neues, separates Domizil in dem Gebäudekomplex erhalten. Dieses Vorhaben wurde aus finanziellen Gründen gestrichen.
Bis September dürfen die Vereine ihre Räume noch nutzen, danach müssen sie sich wohl oder übel für die nächsten Monate irgendwo privat treffen. Am 15. Juli 2013 muss der Bau laut Fördermittelbescheid fertig sein. Trachtenverein, Chor, Jugendclub, Feuerwehr, Senioren, Volleyballer, Tischtennisspieler und Handarbeitsclub werden dann wieder eine feste Adresse haben. Auch Außenanlagen werden noch gestaltet, die Tribüne hinter dem Haus bekommt zudem ein neues Dach. Und dann gibt‘s im Sommer bestimmt ein großes Einweihungsfest.

Bürgerhaus-Bau in Seidewinkel
1847 Einweihung des Hauses als Schule
1974 Ende des Schulbetriebs; danach Nutzung als Kita und Gemeindeverwaltung/Entwürfe für einen Umbau gab es schon zu DDR-Zeiten sowie in den 1990ern
2001/2002 mehrere Entwurfsplanungen für Umnutzung des Hauses mit und ohne Kita; Umsetzung scheiterte hauptsächlich an den Kosten
2003 Gemeinde Elsterheide stellt Bauantrag beim Bauamt in Kamenz. Dieser wurde genehmigt und immer wieder formlos verlängert, da sich kein Baubeginn abzeichnete
2004 Ende des Kita-Betriebs
2008 Erster Ile-Förderantrag für Umbau (EU-Mittel zur Förderung der ländlichen Entwicklung)
2009 Abriss am Haus und Übergabe des Fördermittelbescheids (80 000 Euro); Rechtsaufsicht sieht jedoch kommunale Eigenmittel nicht als nachgewiesen an; Prozess gerät ins Stocken
2010 Zweiter Ile-Förderantrag mit „abgespeckter“ Bauvariante und weniger Eigenanteil
2010/11 Umplanungen am Gebäude, Reduzierung der geplanten Raumflächen
2011 Endgültiger Ile-Antrag
März 2012: Fördermittelbescheid danach Ausführungsplanung, Ausschreibung (Gesamtbaukosten: 535 000 Euro, davon 194 000 Euro Fördermittel)
6. August 2012: offizieller Baubeginn
15. Juli 2013: Ende der Arbeiten laut Fördermittelbescheid

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