Alpiq schließt sein Gas-Kraftwerk

Mittwoch, 25. Juli 2012

Alpiq zieht sich aus Schwarze Pumpe zurück
Alpiq zieht sich aus Schwarze Pumpe zurück

Schon drei Jahre nach Inbetriebnahme seines Gas-Kombikraftwerkes im Industriepark Schwarze Pumpe wird das schweizer Energieunternehmen Alpiq es wieder vom Netz nehmen. „Trotz signifikanter Investitionen zur Verbesserung der Anlagen-Effizienz lassen die steigenden Gaspreise, die sinkenden Großmarktpreise für Strom und die drastisch reduzierten Nutzungsstunden den Betrieb des Kraftwerkes Spreetal nur mit Verlusten zu. Alpiq sieht sich deshalb gezwungen, den Betrieb des Kraftwerkes am Standort Schwarze Pumpe per Ende 2012 einzustellen“, erklärt Carsten Glose vom Alpiq-Management auf TAGEBLATT-Nachfrage.
Die Schweizer (damals noch unter dem Namen „Atel“) hatten das einstige Gas- und Dampfkraftwerk, in dem von 1997 bis 2007 das Sekundärrohstoffverwertungszentrum (SVZ) aus Synthesegas Strom machte, im Sommer 2008 für ungefähr 23 Millionen Euro vom damaligen SVZ-Eigner Sustec gekauft. In den Monaten danach flossen etwa 16 Millionen Schweizer Franken in die Erneuerung von Gasturbine, Dampfturbine, Kessel, Brenner sowie Mess- und Regeltechnik. Im September 2009 floss zum ersten Mal Strom ins Netz. Ein Jahr später wurde eine zweite Dampfturbine installiert. Doch schon im Alpiq-Jahresbericht 2011 hieß es, das 56-Megawatt-Kraftwerk sei wirtschaftlich “unter den Erwartungen“.
Alpiq hat seine Anlagen in Pumpe als Spitzenlastkraftwerk geplant. Die Technik ist im Gegensatz zu der von Braunkohle-Schwestern deutlich flexibler. Binnen 15 Minuten ist sie hochgefahren. Vorgesehen war, aus Gas nur dann Strom zu machen, wenn der Energiebedarf hoch ist und sich der Einsatz des relativ teuren Erdgases auch rechnet. In der Regel sollte das Kraftwerk wochentags so zwischen 8 und 20 Uhr laufen. Doch Sonnen- und Wind-Energie sorgten dafür, dass der Bedarf sank. Somit sank auch jene Zeit, in der Alpiq mit der Stromproduktion Geld verdienen konnte. Zugleich ist dauerndes Hoch- und Herunterfahren der Anlagen sehr teuer. Im Ergebnis lässt sich knapp sagen: Alpiq zahlt für Gas und Unterhaltung mehr Geld als es durch Stromverkauf verdient. Und die Schweizer sind nicht die einzigen, denen es so geht. Schon im April warnte eine Studie der Uni Köln, Investitionen in Gaskraftwerke seien kaum zurückzuerwirtschaften. Im Mai kündigte der Energiekonzern Eon die Schließung der Gaskraftwerke Franken 1 in Nürnberg, Irsching und Staudinger an.
Und im Juni ließ die Essener RWE verlauten, auch dort prüfe man die Abschaltung von Gaskraftwerken. Das ist misslich, weil die Bundesregierung eigentlich die rasche Verfügbarkeit von Strom aus Gas als Ersatz bei Windstille und bedecktem Himmel für dringend nötig erklärt hat. Und auch vor Ort sieht man die Entwicklung natürlich mehr als ungern. „Man könnte weinen“, sagt Spreetals Bürgermeister Manfred Heine (parteilos) über das angekündigte Aus für die Alpiq Spreetal GmbH. Immerhin sind zum einen mehr als ein Dutzend Menschen im Kraftwerk beschäftigt. Zum anderen fallen erhoffte Steuern aus. Für Alpiq ist die Sache natürlich sicher ebenso ärgerlich. „Die haben da Millionen in den Sand gesetzt“, sagt jedenfalls bedauernd Manfred Heine.

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