Ärger über Straßen-Abriss

Dienstag, 02. Dezember 2014

Die Parkfläche nahe dem Seniorenheim -links- kommt dieser Tage weg.
Die Parkfläche nahe dem Seniorenheim -links- kommt dieser Tage weg.

Von Mirko Kolodziej

Empört war die Frau, die gestern mit ihrem 102-jährigen Vater im Rollstuhl eine Runde ums Laurentiushaus im Hoyerswerdaer WK X drehte. „Ich begreife das nicht“, schüttelte sie angesichts eines Baggers auf der benachbarten Otto-Dix-Straße den Kopf. Bereits im Oktober waren Mitarbeiter des Seniorenheims und Angehörige von dort betreuten Menschen erschrocken, als ein Brief der Stadt über den bevorstehenden Wegriss der Dixstraße informierte.

Das Problem: Der nördliche Teil der Straße stand bisher als Parkplatz-Fläche zur Verfügung. Andererseits hatte sie nach dem Wegriss der Wohnhäuser am bis dato nordöstlichsten Zipfel der Neustadt zwischen 2005 und 2008 ihre wesentliche Funktion als Erschließung eingebüßt. Nun kommt die Versiegelung als Ersatz für Bauarbeiten der Landestalsperrenverwaltung andernorts weg. In Richtung Otto-Nagel-Straße liegt schon ein Schutthaufen. Hintergrund ist eine gesetzliche Vorschrift: Wenn irgendwo etwas zugebaut wird, muss aus ökologischen Gründen woanders zum Ausgleich Renaturierung her.

Peter Erdmann, Angehöriger einer Bewohnerin des Laurentiushauses, fragt nun aber: „Wo sollen denn Mitarbeiter und Besucher in Zukunft parken?“ Und nicht nur er fragt das, denn der Parkplatz direkt am Seniorenheim ist zu klein, bestätigt dessen Leiterin Silke Eichler. „Die Fläche wird fehlen. Auch die Angehörigen unserer Bewohner, die zu Besuch kommen, sind oft schon älter und nicht mehr so gut zu Fuß“, begründet sie, warum möglichst kurze Wege zwischen Auto und Wohnheim vonnöten sind. Silke Eichler rechnet vor, dass im Laurentiushaus 120 Senioren leben. Weitere 130 Bewohner hat das benachbarte Helen-Keller-Haus für behinderte Menschen. Selbst für Lehrer und Schüler des Berufsschulzentrums nebenan war die Dixstraße bisher eine Ausweichmöglichkeit, wenn neben dem Schulparkplatz auch die Käthe-Kollwitz-Straße zugeparkt war.

Nun ist das Problem nicht ganz neu, sagt Christina Lumper vom Diakonie-Sozialwerk Lausitz, das sowohl Laurentius- als auch Hellen-Keller-Haus betreibt: „Es gab eine intensive Kommunikation, als sich der Hausabriss andeutete.“ Allerdings wurden sich Stadt und Diakonie wohl nicht einig. Und im Rathaus bedauert man, dass das Kind nun im Brunnen liegt. „Bei rechtzeitiger Würdigung der Problematik einer möglichen «Stellplatznot» durch die Diakonie wäre in Abstimmung mit der Wohnungsgesellschaft möglicherweise kein Rückbau ehemaliger Anwohnerstellplätze im Eckbereich Kollwitz-/Dix-Straße erfolgt. Inzwischen ist dieser Bereich aber zur Aufforstungsfläche für Waldeingriffe geworden“, sagt Verwaltungssprecher Bernd Wiemer.

Die Frage ist nun, wie und ob die Beseitigung der Straße kompensiert werden kann. „Es muss Ersatz für die weggefallenen Parkplätze her“, findet unter anderem Peter Erdmann. Die Diakonie hat bereits vor geraumer Zeit über neue Stellplätze nachgedacht. Es ging etwa darum, Flächen zu mieten oder zu pachten. Ergebnis: siehe oben. Im Grunde ist die Organisation auch heute noch an einer Lösung interessiert, sagt Vorstandssprecherin Christina Lumper: „Bei einem vertretbaren Preis, natürlich.“ Auch die Stadt hat Verhandlungsbereitschaft signalisiert, zumindest die Festlegungen im Flächennutzungsplan zu ändern, die einem neuen Parkplatz entgegenstehen. Im Blick ist dabei das Areal südlich des Laurentiushauses, das nach dem Hausabriss nun amtlich eine „landschaftsparkähnliche Freiflächengestaltung nach Gebäuderückbau“ ist. Bernd Wiemer sagt, es sei möglich, den Flächennutzungsplan zu ändern, wenn die Diakonie einen derartigen Antrag stellte – „konkret mit Größe der Fläche und genauer Standortlage“.

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