Zoodirektorin Monika Häfner verlässt Hoyerswerda

Dienstag, 31. August 2010

Zoodirektorin Dr. Monika Häfner im Abschlussgespräch mit Tageblatt-Redakteur Mirko Kolodziej
Zoodirektorin Dr. Monika Häfner im Abschlussgespräch mit Tageblatt-Redakteur Mirko Kolodziej

Frau Häfner, für wie lange planten Sie Ihren Hoyerswerda-Aufenthalt, als Sie vor zwei Jahren hergekommen sind?
Darüber habe ich damals nicht nachgedacht. Aus jetziger Sicht hätten es noch Jahre werden können.

Woran sind Sie gescheitert?
Ich habe nicht immer mit all meinen Ideen Unterstützung in der Stadt gefunden. Ich denke, eine Differenz fußt sicher darin, dass ich für die Tiere gekämpft habe. Ich musste lernen, dass ein Zoofreund nicht unbedingt ein Tierfreund sein muss. Für einige Leute hier ist der Zoo einfach eine Institution, in der zufällig auch Tiere leben.
Bei Ihrer letzten Führung am Freitag fiel das Wort „Intrige“. Fühlen Sie sich wie im Drama?
Ich weiß nicht, ob das das richtige Wort ist. Es ist aber so, dass ich mir gewünscht hätte, auf sachlicher Grundlage für den Zoo entscheiden zu können. Aber ich hatte nur selten das Gefühl, dass in Diskussionen Sachlichkeit war. Ich hatte eher dass Gefühl, dass es um Macht geht, also darum, wer das Sagen hat, und ein Stück auch um Geld. Aber es ist nicht meine Art, mich auf Machtspiele einzulassen.

Wer genau hat Ihnen da Steine in den Weg gelegt?
Einerseits habe ich vom Vorstand des Zoovereins nicht die erwartete Hilfe bekommen. Ich hätte ganz gern mit dem Geld, das der Verein gesammelt hat, den Zoo voran gebracht. In zwei Mitgliederversammlungen habe ich außerdem gespürt, dass ich anderweitig auch keinen Rückhalt bekomme.

Schildkröten- und Tropenhaus haben neue Dächer, das Raubtierhaus einen Kanalisationsanschluss und der Teich ist entschlammt. Wie viel von der 2008 nötigen Arbeit ist getan?
Sicher nur ein geringer Prozentsatz. Das Dach ist zum Beispiel nicht alles, was im Tropenhaus reparaturbedürftig ist. Beim Schildkrötenhaus ist nur die dringendere Hälfte saniert. Die Abwasseranlage betrifft das Großkatzenhaus, den Antilopenhof und das Flamingohaus. Aber es gibt noch mehr Tierhäuser, die eigentlich auch an die Kanalisation angeschlossen werden sollten. Wir haben mit hohem Aufwand nur einen kleinen Teil der nötigen Dinge tun können.

Haben Sie bei Ihrer Ankunft geahnt, dass hier so viel in Ordnung zu bringen wäre?
Der Zustand, in dem der Zoo war, war für mich nicht zu erahnen. Ob es Baustellen sind, die Gehege oder die Verwaltung – es müsste viel modernisiert werden. Das war nie mein Problem. Aber ich hätte Unterstützung gebraucht. Allein kann ich das nicht bewerkstelligen.

Haben Sie dafür ein Beispiel?
Na ja, ich habe eineinhalb Jahre dafür gekämpft, dass die Robbenanlage nicht kommt. Ich habe das mit Fakten untermauert und diverse Schriftstücke verfasst. Es sind so viele bestehende Dinge sanierungsbedürftig, dass so eine neue Anlage keinen Sinn ergeben hätte. Stattdessen sollten wir sehen, dass die vorhandenen Tiere ein besseres Zuhause bekommen. Meine Zeitplanung sah vor, im Januar 2010 mit der Planung für ein neues Bärengehege zu beginnen. Dann hätten wir ab April bauen können. Aber dafür gab es leider keine Unterstützung.

Am Freitag gab es für Sie Geschenke und es gab Tränen. Es wurde emotional, nachdem Sie Probleme aufgezeigt hatten. Haben Sie das so erwartet?
Nein. Die Führung war mein Dank an alle, die mich unterstützt haben. Ich habe weder Geschenke noch Blumen noch Tränen erwartet. Das war für mich überraschend. Ich habe mich aber natürlich sehr gefreut, dass trotz Regens so viele Leute da gewesen sind.

Haben Sie mal darüber nachgedacht, was Sie hätten vielleicht anders machen können?
Sicher. Man ist hinterher immer schlauer. Einige sagten nach der Führung, die klaren Worte seien zu spät. Das ist auch so. Ich hätte der Bevölkerung natürlich schon früher sagen sollen, was in meinem Kopf vorgeht und dass ich mich mit dem Gedanken trage, zu gehen. Vielleicht hätte das geholfen.

Braucht der Zoo einen Direktor oder kann man das im Eigenbetrieb mit links mit machen?
Das würde ich niemandem empfehlen, denn auch ich habe das nicht mit links gemacht. Man könnte die Verwaltung aufteilen in Finanzen und Personal einerseits sowie ins Tiermanagement andererseits. Nur: Sie können ohne das Wissen über den Zoobetrieb keine finanzielle Entscheidung treffen. Der Zoo braucht mit Sicherheit eine Führung. Er braucht jemanden, der ihn nach vorne bringt, damit er konkurrenzfähig bleibt. Für den Mittelpunkt des Seenlandes reichen ein Streichelgehege und ein Spielplatz nicht aus.

Gibt es für Sie den Weg zurück?
Der ist ausgeschlossen, weil ich glaube, dass sich hier nichts ändert.

Fragen: Mirko Kolodziej

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